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Drei Tote nach Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff vor Kap Verde

Die WHO bestätigt drei mutmaßliche Todesfälle an Bord der „MV Hondius“, zwei niederländische Passagiere sollen dringend ausgeflogen werden.

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Drei Tote nach Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff vor Kap Verde
Die WHO bestätigt drei mutmaßliche Todesfälle an Bord der „MV Hondius“, zwei niederländische Passagiere sollen dringend Credit · BILD

Die Fakten

  • Drei Menschen starben mutmaßlich an Hantavirus-Infektion an Bord der „MV Hondius“.
  • Ein 69-jähriger Passagier liegt in Johannesburg auf der Intensivstation, Virus nachgewiesen.
  • Zwei weitere erkrankte Passagiere sollen von Kap Verde in die Niederlande ausgeflogen werden.
  • Unter den Toten sind zwei niederländische Staatsbürger, ein weiterer Toter ist Brite.
  • Das Schiff war von Ushuaia (Argentinien) gestartet und lag zuletzt vor Praia, Kap Verde.
  • Die WHO koordiniert die medizinische Evakuierung und unterstützt rund 150 verbliebene Passagiere.
  • Das Hantavirus wird durch Nagetierausscheidungen übertragen, Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist selten.
  • Die Sterblichkeitsrate bei amerikanischen Hantavirus-Varianten liegt bei etwa 38 bis 40 Prozent.

Tödliche Infektionen an Bord der „MV Hondius“

Auf dem niederländischen Expeditionsschiff „MV Hondius“ sind drei Menschen mutmaßlich an den Folgen einer Hantavirus-Infektion gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte die Todesfälle am Montag und sprach von einer ernsten medizinischen Notlage. Das Kreuzfahrtunternehmen Oceanwide Expeditions erklärte, man bewältige eine schwere gesundheitliche Krise an Bord. Das Schiff liegt derzeit vor der Küste der Kapverdischen Inseln, nahe der Hauptstadt Praia.

Zwei Passagiere sollen ausgeflogen werden

Die niederländischen Behörden planen, zwei erkrankte Passagiere von den Kapverden in die Niederlande zu evakuieren. Dafür ist jedoch noch die Zustimmung der örtlichen Behörden erforderlich. Bislang wurde keine Genehmigung erteilt, die Patienten an Land zu bringen. Ein 69-jähriger Passagier liegt bereits im südafrikanischen Johannesburg auf der Intensivstation; bei ihm wurde das Hantavirus labordiagnostisch nachgewiesen. Zwei weitere Reisende benötigen dringend medizinische Behandlung, so das Unternehmen.

WHO bestätigt drei Tote, zwei Niederländer identifiziert

Nach Angaben der WHO sind drei Menschen mutmaßlich an Hantavirus gestorben. Bisher wurde nur einer der Verstorbenen positiv getestet; die anderen Fälle gelten als Verdachtsfälle. Das niederländische Außenministerium bestätigte, dass zwei der Toten niederländische Staatsbürger sind. Einem Medienbericht zufolge handelt es sich bei dem dritten Toten um einen Briten. Die WHO leitet eine detaillierte epidemiologische Untersuchung ein. Das Nationale Institut für übertragbare Krankheiten in Südafrika führt bereits Kontaktverfolgungen im Raum Johannesburg durch, um mögliche weitere Ansteckungen zu prüfen.

Reiseroute und Kapazität des Schiffs

Die „MV Hondius“ war vor etwa drei Wochen von Ushuaia im Süden Argentiniens aufgebrochen und hatte unter anderem in der Antarktis Halt gemacht. Ziel war der Hafen von Praia auf Kap Verde. Laut Schifffahrtstracking-Portalen liegt das Schiff derzeit vor seinem Zielhafen. Das Expeditionsschiff bietet Platz für 170 Passagiere und etwa 70 Besatzungsmitglieder. An Bord befinden sich nach WHO-Angaben noch rund 150 verbliebene Passagiere.

Hantavirus: Übertragung, Symptome und Gefahren

Hantaviren werden hauptsächlich durch Urin, Kot oder Speichel infizierter Nagetiere übertragen. Eine Ansteckung erfolgt meist durch Einatmen von aufgewirbeltem Staub, der die Viren enthält. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist äußerst selten. Die Inkubationszeit kann bis zu 60 Tage betragen. Die Symptome reichen von grippeähnlichen Beschwerden mit hohem Fieber über Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen. In Nord- und Südamerika verbreitete Varianten können ein kardiopulmonales Syndrom auslösen, das zu Lungenödemen und akutem Lungenversagen führt. Laut US-Gesundheitsbehörde CDC liegt die Sterblichkeitsrate bei diesen Verläufen bei etwa 38 bis 40 Prozent.

Behandlung und offene Fragen

Es gibt keine spezifischen Medikamente gegen Hantavirus-Infektionen. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome; in schweren Fällen ist künstliche Beatmung erforderlich. Die WHO koordiniert die medizinische Evakuierung und unterstützt die verbliebenen Passagiere an Bord. Noch ist unklar, ob das Virus tatsächlich die Ursache aller drei Todesfälle ist. Die epidemiologischen Untersuchungen laufen. Die Behörden auf Kap Verde müssen noch über die Genehmigung zur Verlegung der erkrankten Passagiere an Land entscheiden.

Das Wichtigste

  • Drei Menschen starben an Bord der „MV Hondius“ mutmaßlich an Hantavirus; ein Todesfall ist labordiagnostisch bestätigt.
  • Zwei niederländische Passagiere sollen von Kap Verde in die Niederlande ausgeflogen werden, die Genehmigung steht noch aus.
  • Das Hantavirus wird durch Nagetierausscheidungen übertragen, Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist selten.
  • Die Sterblichkeitsrate bei schweren Verläufen beträgt bis zu 40 Prozent; es gibt keine spezifische Therapie.
  • Die WHO und nationale Behörden führen epidemiologische Untersuchungen und Kontaktverfolgungen durch.
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