Vandalismus und Respektlosigkeit: Busunternehmen gibt Schulbuslinie in Fürstenfeldbruck auf
Nach 15 Jahren stellt ein Familienbetrieb den Dienst auf vier Linien ein – 250 Schüler sind betroffen, das Landratsamt sucht eine Lösung.

AUSTRIA —
Die Fakten
- Busunternehmen Neumeyr legt nach 15 Jahren kein Angebot für die Neuausschreibung der Linie vor.
- 250 Schüler aus fünf Gemeinden sind betroffen: Landsberied, Grafrath, Jesenwang, Kottgeisering und Moorenweis.
- Vandalismus: Essen, Müll und benutzte Damenbinden auf Sitzen und Böden.
- Respektlosigkeit: Jugendliche weigern sich, Fahrkarten zu zeigen, beleidigen Fahrer.
- Ein Sechstklässler bedrohte andere mit einem aufgeklappten Messer.
- Einige Fahrer weigerten sich, auf dieser Linie zu fahren.
- Landratsamt schrieb Strecke für vier Jahre neu aus, Entscheidung bis Sommerferien.
- Bürgermeister Christoph Gasteiger (CSU) forderte Eltern in einem Brief zu Verhaltensregeln auf.
Eine Linie am Limit: Busunternehmen kündigt nach Eskalation
Es klebt Essen auf den Sitzen, Müll liegt verstreut – von Gummibärchentüten bis zu benutzten Damenbinden. „Im ersten Moment ist mir bei den Bildern echt der Atem gestockt“, sagt Christoph Gasteiger, Bürgermeister von Moorenweis. Die Zustände in den Schulbussen auf vier Linien im Landkreis Fürstenfeldbruck sind nach Angaben des langjährigen Busunternehmens derart eskaliert, dass es den Betrieb einstellt. Das Familienunternehmen Neumeyr hat nach mehr als 15 Jahren kein Angebot für die Neuausschreibung der Strecke vorgelegt. Die Linien führen von den Gemeinden im westlichen Landkreis zu den Realschulen in Schondorf und Dießen am Ammersee. Für die Fahrer sei das Maß voll gewesen, sagt Geschäftsführerin Lisa Neumeyr.
Vandalismus und Bedrohungen: Das Ausmaß der Probleme
Dass es in den Bussen „knackig zugeht“, habe er von seinen Söhnen gewusst, so Gasteiger. Doch das Ausmaß der Verwüstung habe ihn überrascht. Neben dem Vandalismus habe die Respektlosigkeit gegenüber den Busfahrern zugenommen, berichtet Lisa Neumeyr. Jugendliche weigerten sich, ihre Fahrkarte zu zeigen, Beleidigungen seien an der Tagesordnung. Besonders alarmierend: Ein Sechstklässler habe andere Schüler mit einem aufgeklappten Messer bedroht. „Dass die Fahrer dann noch schlichten müssen, ist zu viel verlangt“, sagt Neumeyr. Einige Fahrer hätten sich geweigert, auf dieser Linie zu fahren. Die Situation sei in diesem Schuljahr schlimmer gewesen als je zuvor.
250 Schüler betroffen: Landratsamt sucht neuen Betreiber
Das Landratsamt Fürstenfeldbruck ist nun gefordert, eine Lösung für die 250 Schüler aus Landsberied, Grafrath, Jesenwang, Kottgeisering und Moorenweis zu finden. Die Strecke wurde für die kommenden vier Jahre neu ausgeschrieben. Ob sich andere Busunternehmen beworben haben, will die Behörde mit Verweis auf das laufende Vergabeverfahren nicht sagen. Die Entscheidung soll in den Sommerferien fallen. Das Landratsamt hat bereits einen Brief an die Eltern geschrieben und um Einhaltung von Verhaltensregeln gebeten. Bürgermeister Gasteiger hielt diesen Brief für nicht deutlich genug und legte mit einem eigenen Schreiben nach, das auch die Bürgermeister der anderen betroffenen Gemeinden unterzeichneten.
Appell an Eltern: Gegen das „Diktat von ein paar Rüpeln“
In seinem Brief macht Gasteiger auf die „unhaltbaren Zustände“ aufmerksam und betont, dass man nur gegen die Verursacher vorgehen könne, wenn klar sei, wer sie sind. Er geht davon aus, dass es sich um eine kleinere Gruppe handelt. „Viele Eltern oder Schüler wollen sich wahrscheinlich nicht äußern, weil sie nicht als Denunzianten gelten wollen“, vermutet er. Gleichzeitig könne es nicht sein, dass sich „der Großteil der Schüler dem Diktat von ein paar Rüpeln unterordnen muss“. Der Bürgermeister appelliert an die Eltern, mit ihren Kindern über das Verhalten im Bus zu sprechen und klare Regeln aufzustellen.
Widerhall im ganzen Land: Schulbus-Probleme vielerorts
Der Fall in Fürstenfeldbruck ist kein Einzelfall. Im ganzen Land berichten Eltern und Busunternehmen von ähnlichen Missständen. Im Rems-Murr-Kreis führten Elternproteste dazu, dass eine Schulbuslinie teilweise zurückkehrte. In Gerlingen gilt die Linie 638 als „Geisterbus“, eine Petition läuft. In Rottweil beschweren sich Eltern über überfüllte Busse – „wie Sardinen in einer Dose“. In March im Schwarzwald wurden 66 Kinder bei einer Vollbremsung leicht verletzt. Auch Unfälle und Zwischenfälle häufen sich: In Heidenheim verletzte Rauch in einem Schulbus 15 Kinder leicht, in Besigheim erfasste ein Bus einen 16-jährigen Radfahrer schwer. Die Busbranche warnt zudem vor Ausfällen im ländlichen Nahverkehr aufgrund steigender Dieselpreise.
Ausblick: Neue Regeln, neue Hoffnung?
Das Landratsamt Fürstenfeldbruck arbeitet an einer Lösung für das neue Schuljahr. Ob ein neuer Betreiber gefunden wird, bleibt offen. Die Behörde gibt keine Auskunft über Bewerbungen. Bürgermeister Gasteiger hofft, dass die Elternbriefe Wirkung zeigen und die Mehrheit der Schüler nicht länger unter den wenigen Störenfrieden leidet. Die Entscheidung über die Neuvergabe der Linie fällt in den Sommerferien. Bis dahin müssen die 250 Schüler und ihre Eltern hoffen, dass der Schulbusverkehr pünktlich zum Schulstart wieder aufgenommen werden kann – unter besseren Bedingungen.
Das Wichtigste
- Busunternehmen Neumeyr gibt nach 15 Jahren vier Schulbuslinien im Landkreis Fürstenfeldbruck auf.
- Ursache: massiver Vandalismus, Respektlosigkeit und Bedrohungen durch Schüler, darunter ein Messervorfall.
- 250 Schüler aus fünf Gemeinden sind ohne gesicherte Beförderung; das Landratsamt sucht neuen Betreiber.
- Bürgermeister Gasteiger appelliert an Eltern, gegen eine kleine Gruppe von Störenfrieden vorzugehen.
- Die Probleme in Fürstenfeldbruck sind Teil eines landesweiten Trends von Überlastung und Sicherheitsmängeln im Schulbusverkehr.
- Die Entscheidung über die Neuvergabe fällt in den Sommerferien – bis dahin bleibt die Zukunft der Linie ungewiss.







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