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Buckelwal Timmy erreicht Nordsee – letzte Etappe der Rettung beginnt

Nach wochenlanger Irrfahrt durch die Ostsee und einer spektakulären Rettungsaktion befindet sich der Wal nun im Skagerrak, wo Helfer ihn in die Freiheit entlassen wollen.

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Buckelwal Timmy erreicht Nordsee – letzte Etappe der Rettung beginnt
Nach wochenlanger Irrfahrt durch die Ostsee und einer spektakulären Rettungsaktion befindet sich der Wal nun im SkagerraCredit · Merkur

Die Fakten

  • Buckelwal Timmy strandete am 3. März 2026 vor der Insel Poel in der Ostsee.
  • Der Wal wurde in einem Lastkahn (Barge) um die Nordspitze Dänemarks transportiert.
  • Am Samstagmorgen erreichte der Konvoi die Nordsee, nördlich von Skagen.
  • Die Barge wurde auf 1,80 Meter abgesenkt, der Wal kann frei schwimmen.
  • Helfer entfernten das Netz am Heck der Barge; Timmy verweigert jedoch den Ausstieg.
  • Die Rettungsaktion kostete allein in Schleswig-Holstein 40.000 Euro.
  • Umweltminister Till Backhaus (SPD) dankte dem privaten Rettungsteam.

Konvoi erreicht Nordsee – Wal zögert noch

Der Schiffskonvoi mit dem Buckelwal Timmy hat am frühen Samstagmorgen die Nordsee erreicht. Der Schlepper, die Barge und ein Begleitschiff fuhren nördlich der dänischen Nordspitze Skagen in Richtung Norwegen, wie der Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder zeigte. Die Freisetzung des Wals soll an einem öffentlich nicht bekannten Ort in der Nordsee erfolgen. Doch Timmy zeigt sich bislang zurückhaltend. Am Freitagabend hatte sich der Wal mehrmals in der Barge gedreht, kehrte aber stets an das geschlossene Ende zurück. Helfer versuchten vergeblich, ihn mit einem Seil zum offenen Heck zu ziehen. Ein Schlauchboot blockierte zeitweise den Ausgang, um ein vorzeitiges Verlassen zu verhindern.

Wochenlange Odyssee durch die Ostsee

Die Geschichte des Wals begann am 3. März 2026, als er erstmals vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet wurde. In den folgenden Wochen irrte Timmy durch die Ostsee: von der Bucht vor Wismar westwärts bis vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein, wo er auf einer Sandbank strandete, sich befreien konnte und schließlich zurück vor die Insel Poel schwamm. Dort lag er tagelang im seichten Wasser, offenbar orientierungslos und mit geschädigter Haut. Der geringe Salzgehalt der Ostsee – deutlich niedriger als in der Nordsee oder im Atlantik – schwächt die Haut der Wale. Experten vermuten, dass Buckelwale Fischschwärmen folgen und sich so in die flache Ostsee verirren.

Private Rettungsaktion unter politischer Unterstützung

Nachdem staatliche Rettungsversuche eingestellt worden waren, organisierte ein privates Team die aufwändige Aktion. Am Mittwoch wurde der extrem geschwächte Wal mit einem Frachtkran in eine Barge gehoben und durch dänische Gewässer in Richtung Nordsee gebracht. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) dankte allen Beteiligten und sprach von einer „Ausnahmesituation, die in dieser Form weltweit kaum vergleichbar ist“. Die Kosten allein in Schleswig-Holstein belaufen sich auf 40.000 Euro. Der Timmendorfer Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke hatte sich zuvor öffentlich über die Rettung gefreut und sie als „gute Nachricht nach den schrecklichen Nachrichten der letzten Monate“ bezeichnet.

Hindernisse auf der letzten Etappe

Am Freitagmorgen verhinderten widrige Wetterbedingungen zunächst den geplanten Transport in die Nordsee. Später am Tag umrundete der Konvoi die Nordspitze Dänemarks bei Grenen und fuhr in das stark befahrene Skagerrak ein. Dort passierten zahlreiche Containerschiffe und Kreuzfahrtschiffe wie die „Aida Diva“ die Meerenge. Die Helfer senkten die Barge auf 1,80 Meter ab und entfernten die Airbags, sodass Timmy freie Bahn hat. Umweltminister Backhaus zeigte sich optimistisch, dass der Wal „in die Freiheit möchte“. Doch Timmy bewegte sich immer wieder vom offenen Heck weg – ein Verhalten, das die Freisetzung verzögert.

Ausblick: Wann wird Timmy freigelassen?

Der genaue Zeitpunkt der Freilassung ist ungewiss. Die Helfer wollen den Wal in der Meerenge bei Skagen freilassen, sobald er die Barge von selbst verlässt. Am Samstagmorgen war der Konvoi weiter auf Kurs, und die Crew beobachtete Timmys Bewegungen genau. Sollte der Wal in den kommenden Stunden nicht aus eigener Initiative aus der Barge schwimmen, könnten die Helfer erneut versuchen, ihn mit Seilen oder Schlauchbooten zu locken. Die Aktion bleibt eine Geduldsprobe – für das Team und für das Tier, das nach wochenlanger Irrfahrt nun die letzte Chance auf Rückkehr in seinen natürlichen Lebensraum hat.

Das Wichtigste

  • Buckelwal Timmy wurde nach wochenlanger Strandung in der Ostsee in einer privaten Rettungsaktion in die Nordsee gebracht.
  • Der Wal erreichte am Samstagmorgen die Nordsee, zögert aber, die Barge zu verlassen.
  • Die Barge wurde abgesenkt und das Netz entfernt – Timmy kann jederzeit freischwimmen.
  • Die Rettung kostete allein in Schleswig-Holstein 40.000 Euro; Umweltminister Backhaus dankte dem Team.
  • Experten führen die Irrfahrt auf den niedrigen Salzgehalt der Ostsee und die Jagd nach Fischschwärmen zurück.
  • Die Freilassung soll an einem unbekannten Ort in der Nordsee erfolgen – der Zeitpunkt bleibt offen.
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