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14.000 Demonstrierende, zehn Festnahmen: Der 1. Mai in Zürich zwischen Tradition und Krawall

In Zürich eskalierte die Maidemonstration mit fliegenden Steinen und Festnahmen, während der Tag der Arbeit weltweit an seine historischen Wurzeln im Kampf um den Achtstundentag erinnert.

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14.000 Demonstrierende, zehn Festnahmen: Der 1. Mai in Zürich zwischen Tradition und Krawall
In Zürich eskalierte die Maidemonstration mit fliegenden Steinen und Festnahmen, während der Tag der Arbeit weltweit an Credit · Neue Zürcher Zeitung

Die Fakten

  • 14.000 Menschen demonstrierten am 1. Mai in Zürich.
  • Die Polizei nahm zehn Personen fest.
  • Der 1. Mai geht auf einen Generalstreik in Chicago 1886 zurück.
  • Bei den Haymarket Riots in Chicago kamen mehrere Menschen ums Leben.
  • 1919 wurde der 1. Mai in Deutschland erstmals bundesweiter Feiertag.
  • Die Nationalsozialisten zerschlugen am 2. Mai 1933 die freie Arbeiterbewegung.
  • In der DDR wurde der 1. Mai als Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen begangen.
  • Seit 1955 ist der 1. Mai auch Gedenktag des heiligen Josef des Arbeiters.

Krawall in Zürich: 14.000 Demonstrierende, zehn Festnahmen

In Zürich versammelten sich am 1. Mai rund 14.000 Menschen zu Demonstrationen. Die Stimmung war kämpferisch, Reden wurden gehalten – doch dann flogen Steine. Die Polizei griff ein und nahm zehn Personen fest. Die Ereignisse am Tag der Arbeit in der Schweizer Metropole zeigen, wie der Maifeiertag auch heute noch von Spannungen begleitet wird.

Die historischen Wurzeln des 1. Mai

Der Ursprung des Tags der Arbeit liegt in den USA. Mitte der 1880er Jahre rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zu einem Generalstreik am 1. Mai auf, um den Achtstundentag durchzusetzen. Vorbild war unter anderem eine große Demonstration im australischen Melbourne 1856. In den USA war der 1. Mai traditionell der „Moving Day“, an dem Arbeits- und Mietverträge endeten. Am 1. Mai 1886 eskalierte der Protest in Chicago bei den Haymarket Riots, bei denen mehrere Menschen ums Leben kamen.

Der Kampf um den Achtstundentag in Europa

In Europa streikten 1890 Arbeiter für bessere Arbeitszeiten und höhere Löhne. Sie wurden auf der Straße verprügelt, entlassen und verhaftet. 1919 wurde der 1. Mai in Deutschland erstmals als bundesweiter Feiertag zelebriert. Die Nationalsozialisten setzten am 2. Mai 1933 der freien Arbeiterbewegung ein gewaltsames Ende: Gewerkschafter wurden verhaftet, ihre Häuser zerstört und die Gewerkschaften enteignet. Doch die Bewegung ließ sich den 1. Mai nicht nehmen.

Der 1. Mai in der DDR und heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der 1. Mai in beiden deutschen Staaten gesetzlicher Feiertag. In der DDR wurde er als „Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“ mit aufwendigen Maiparaden begangen. Heute gehen in ganz Deutschland Hunderttausende Menschen zu Maikundgebungen, häufig organisiert vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der IG Metall oder Verdi. In Berlin und Hamburg kommt es am Rand der Feierlichkeiten immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Persönliche Erinnerungen an den Maifeiertag

Eine Mitschwester erinnert sich an den Satz ihres Vaters: „Mal ein Feiertag, an dem man nicht in die Kirche muss!“ In der DDR war die Maidemonstration im Dorf Pflicht, doch für Kinder war das Schmücken der Fahrräder mit bunten Krepppapierstreifen das Highlight. Abends füllte sich die Kirche freiwillig für die Maiandachten zu Ehren Marias. Seit 1955 ist der 1. Mai zudem Gedenktag des heiligen Josef des Arbeiters.

Bedeutung des Tags der Arbeit heute

Der 1. Mai lädt zum Nachdenken über den Wert der Arbeit ein – in Familien, in der westlichen Gesellschaft und weltweit. Arbeit dient dem Lebensunterhalt, aber auch der persönlichen Entwicklung und Kreativität. Gleichzeitig erinnert der Tag an die vielen Menschen, die keine Arbeit haben. Der Feiertag bietet Raum, die Errungenschaften der Arbeiterbewegung zu würdigen und zugleich die aktuellen Herausforderungen zu bedenken.

Das Wichtigste

  • In Zürich demonstrierten 14.000 Menschen, zehn wurden festgenommen.
  • Der 1. Mai erinnert an den Kampf um den Achtstundentag, der 1886 in Chicago begann.
  • 1919 wurde der 1. Mai in Deutschland bundesweiter Feiertag.
  • Die Nationalsozialisten zerschlugen 1933 die Gewerkschaften, doch der Feiertag blieb bestehen.
  • In der DDR war der 1. Mai ein propagandistischer Feiertag mit Pflichtdemonstrationen.
  • Heute wird der 1. Mai mit Kundgebungen von Gewerkschaften wie DGB, IG Metall und Verdi begangen, oft begleitet von Protesten und Polizeieinsätzen.
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