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Georg Baselitz, der Maler, der die Welt auf den Kopf stellte, ist tot

Der 88-jährige Künstler, bekannt für seine expressiven, auf dem Kopf stehenden Gemälde, starb am Donnerstag in Salzburg.

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Georg Baselitz, der Maler, der die Welt auf den Kopf stellte, ist tot
Der 88-jährige Künstler, bekannt für seine expressiven, auf dem Kopf stehenden Gemälde, starb am Donnerstag in Salzburg.Credit · SRF

Die Fakten

  • Georg Baselitz starb am Donnerstag im Alter von 88 Jahren.
  • Er wurde 1938 als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz geboren.
  • 1969 malte er sein erstes auf dem Kopf stehendes Bild, „Der Wald auf dem Kopf“.
  • 1963 wurden zwei seiner Werke wegen sexueller Symbolik beschlagnahmt, das Verfahren später eingestellt.
  • In den 1980er Jahren zählte er zu den bestbezahlten deutschen Künstlern.
  • 2004 erhielt er den Praemium Imperiale, der als Kunst-Nobelpreis gilt.
  • Baselitz lebte zuletzt hauptsächlich in Salzburg.

Ein Leben in Unruhe und Rebellion

Georg Baselitz, einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart, ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 88 Jahren, wie sein Atelier bestätigte. Der Maler und Bildhauer hinterlässt ein Werk, das von innerer Unruhe und dem Bruch mit Konventionen geprägt ist. Baselitz wurde 1938 als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz geboren. Er wuchs in einer zerstörten Ordnung auf, wie er selbst sagte: in eine zerstörte Landschaft, ein zerstörtes Volk, eine zerstörte Gesellschaft hineingeboren. Diese Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit prägte sein Leben und seine Kunst. Nach einem abgebrochenen Kunststudium in Ost-Berlin wechselte er nach West-Berlin, wo er sein Studium abschloss. Schon früh sorgte er für Skandale: 1963 wurden zwei seiner Werke mit sexueller Symbolik aus einer Berliner Galerie beschlagnahmt, ein Gerichtsverfahren wurde später eingestellt.

Der Durchbruch mit dem Kopfstand

International bekannt wurde Baselitz mit seinen auf dem Kopf stehenden Bildern. 1969 malte er „Der Wald auf dem Kopf“ – das erste Werk, bei dem er das Motiv umdrehte. Diese Methode wurde zu seinem Markenzeichen und prägte seine Kunst über Jahrzehnte. Baselitz blieb stets der figürlichen Malerei treu; Abstraktion lehnte er ab. Seine expressiven, grob gepinselten Gemälde stellten Normen und Gewissheiten infrage. „Meine Bilder sind, wenn Sie so wollen, Schlachten“, sagte er 2013. In den 1980er Jahren zählte er neben Gerhard Richter und Anselm Kiefer zu den höchstbezahlten deutschen Künstlern. 2004 wurde er mit dem Praemium Imperiale ausgezeichnet, der als Kunst-Nobelpreis gilt.

Ein streitbarer Geist und Provokateur

Baselitz war nicht nur für seine Kunst bekannt, sondern auch für seine provokativen Aussagen. 2013 behauptete er, Männer seien grundsätzlich bessere Künstler, und nannte Frauen wie Paula Modersohn-Becker Ausnahmen. Donald Trump bezeichnete er 2018 als „vernünftigen Politiker“. Seine Ablehnung der DDR und ihres Regimes war zeitlebens stark. 1977 zog er Bilder von der Documenta in Kassel zurück, weil auch DDR-Künstler ausstellen sollten. In den 1980er Jahren legte er seine Professur an der Hochschule der Künste in Berlin nieder – aus Protest gegen die Berufung des Dresdener Malers Volker Stelzmann. 2022 stieß Baselitz eine Diskussion über NS-Kunst in Museen an. Er kritisierte einen „Konsens des Verschweigens“ im Umgang mit Werken aus der NS-Zeit.

Späte Jahre in Salzburg und ungebrochene Schaffenskraft

Bis ins hohe Alter bewahrte sich Baselitz seine künstlerische Energie. Zu seinem 80. Geburtstag richtete die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel eine Retrospektive ein. Baselitz bestand darauf, neue Werke zu zeigen – Rückblicke fand er langweilig. 2010 gestaltete er die erste Künstlerausgabe der WELT. Zuletzt lebte der Künstler hauptsächlich in Salzburg, wo er ab 2013 seinen Lebensmittelpunkt hatte. Sein Tod markiert das Ende einer Ära der deutschen Nachkriegskunst. Baselitz hinterlässt ein Œuvre, das die Kunstwelt nachhaltig verändert hat.

Das Wichtigste

  • Georg Baselitz starb im Alter von 88 Jahren in Salzburg.
  • Er revolutionierte die Malerei mit seinen auf dem Kopf stehenden Bildern, beginnend 1969.
  • Seine Kunst war geprägt von der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit.
  • Baselitz war ein streitbarer Künstler, der mit provokativen Aussagen und Aktionen immer wieder Debatten auslöste.
  • Er zählte zu den bestbezahlten und einflussreichsten deutschen Künstlern der Gegenwart.
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