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Patrick Fischer spricht nach Covid-Skandal und Entlassung

Der ehemalige Eishockey-Nationaltrainer äussert sich erstmals öffentlich zu seinem gefälschten Zertifikat und den Folgen.

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Patrick Fischer spricht nach Covid-Skandal und Entlassung
Der ehemalige Eishockey-Nationaltrainer äussert sich erstmals öffentlich zu seinem gefälschten Zertifikat und den FolgenCredit · Watson

Die Fakten

  • Patrick Fischer wurde als Eishockey-Nationaltrainer entlassen.
  • Fischer fälschte ein Covid-Zertifikat für die Reise zu den Olympischen Spielen 2022.
  • Er wurde wegen Urkundenfälschung verurteilt.
  • Ein Interview mit Fischer wurde versehentlich zu früh veröffentlicht.
  • Fischer wird Ende Juni in Vaduz einen Vortrag halten.
  • Sein Vortragsthema ist "Resilienz im Sturm".
  • Er wird als "Leadership-Coach und ehemaliger Nationaltrainer" angekündigt.

Erste öffentliche Äusserung nach dem Skandal

Drei Wochen nach seiner Entlassung als Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft hat sich Patrick Fischer erstmals öffentlich zu den Vorkommnissen geäussert. In einem Interview, das eigentlich erst nach der WM hätte erscheinen sollen, bricht der 50-Jährige sein Schweigen. Die Wirtschaftszeitung «Der Leader» führte das Gespräch, das nun aufgrund einer Panne vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangte. Fischer bezeichnete seine Entlassung als einen «tiefen Einschnitt» und betonte, dass die Schuldfrage nicht im Vordergrund stehen dürfe. Er erklärte, dass Rückschläge Teil des Lebens seien und man die nötige Ausdauer und Entschlossenheit aufbringen müsse, um sich von seiner Mission nicht abbringen zu lassen. Der ehemalige Nationaltrainer sieht sich selbst als Opfer seines eigenen Optimismus und seines Vertrauens in Mitmenschen. Er sei über seinen Wert, sich selbst treu zu bleiben, gestolpert. Fischer nutzte die vergangenen Monate intensiv zur Selbstreflexion und betont die persönliche Bedeutung des Themas Resilienz, da er selbst erlebt habe, was es bedeutet, neu anzufangen.

Der Weg zur Entlassung: Gefälschtes Zertifikat und Verurteilung

Der Auslöser für Fischers Entlassung war die Enthüllung, dass er vor den Olympischen Spielen 2022 ein gefälschtes Covid-Zertifikat nutzte, um nach China zu reisen. Dieses Vorgehen war ihm unerlaubt und führte schliesslich zu seiner Suspendierung. Ein Jahr nach den Spielen wurde Patrick Fischer wegen Urkundenfälschung verurteilt. Diese Beichte legte er bei einem Mittagessen dem SRF-Journalisten Pascal Schmitz gegenüber ab. Schmitz beabsichtigte, diese Information zu veröffentlichen, doch Fischer und der Verband kamen ihm mit einer eigenen Stellungnahme zuvor. Fischer selbst reflektiert, dass er durch sein Vertrauen in andere und seine eigene Offenheit in eine schwierige Situation geraten sei. Er habe gelernt, dass Klarheit schütze, eine Erkenntnis, die er aus eigener Erfahrung gewonnen hat.

Öffentliche Auftritte und neue berufliche Pläne

Trotz des Skandals und seiner Entlassung plant Patrick Fischer, weiterhin öffentlich aufzutreten. Er hat bereits Vorträge für den kommenden Juni angesetzt und wird für jeden Auftritt eine vierstellige Summe erhalten. Diese geplanten Auftritte sind Teil von Veranstaltungen, bei denen er als Redner fungieren soll. Er möchte Führungskräfte begleiten, nicht als allwissender Experte, sondern als jemand, der selbst schwierige Zeiten durchgestanden hat. Sein Fokus liegt dabei auf dem Thema Resilienz und dem Neuanfang nach Krisen. Fischer möchte seine Erfahrungen nutzen, um anderen zu helfen, mit Herausforderungen umzugehen. Seine neue Rolle als Coach und Redner soll ihm ermöglichen, aus seiner persönlichen Krise gestärkt hervorzugehen und andere auf ihrem Weg zu unterstützen.

Versehentliche vorzeitige Veröffentlichung des Interviews

Eine weitere unerfreuliche Begebenheit ereignete sich im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Interviews. Patrick Stahl von der Eventagentur Skunk AG bestätigte gegenüber den Medien, dass die Publikation zu früh erfolgte. Die vereinbarte Sperrfrist wurde versehentlich nicht eingehalten. Das Interview war Teil von Aufnahmen für eine Zeitungsbeilage, die im Rahmen eines Unternehmertags im Juni stattfinden sollte. Die Veröffentlichung war ursprünglich für Ende Mai oder Anfang Juni vorgesehen. Durch das Missachten der Sperrfrist wurde das Interview nun vorzeitig zugänglich gemacht. Diese Panne sorgte für zusätzliche Aufmerksamkeit rund um die Person Patrick Fischers und seine öffentliche Rückkehr. Die Agentur Skunk AG bedauerte das Versehen und erklärte, dass die vereinbarten Fristen nicht berücksichtigt worden seien.

Brisanter Moderator und Kollege des Enthüllers

Besonders pikant an Fischers bevorstehendem öffentlichen Auftritt ist die Moderation des Anlasses. Der «Unternehmertag» im liechtensteinischen Vaduz am 30. Juni wird von SRF-Moderator Tobias Müller geleitet. Müller ist bekannt für das Wissenschaftsmagazin «Einstein». Dies wirft eine besondere Konstellation auf, da sein SRF-Kollege Pascal Schmitz der Journalist war, der den Skandal um Fischers Covid-Zertifikat aufdeckte. Schmitz hatte die Information nach einem vertraulichen Gespräch mit Fischer erhalten. Die Aufdeckung führte zu einem erheblichen «Shitstorm» gegen Schmitz, woraufhin das SRF ihn vorübergehend vom Sender nahm. Fischer wird beim «Unternehmertag» ein halbstündiges Referat zum Thema «Resilienz im Sturm» halten und wird als «Leadership-Coach und ehemaliger Nationaltrainer» angekündigt. Es ist gut möglich, dass er in seinem Vortrag auf den Eklat und die Zeit seiner Entlassung eingehen wird.

Fischers Reflexion über Vertrauen und Klarheit

In den vergangenen Monaten hat Patrick Fischer intensiv über die Themen Vertrauen und Klarheit nachgedacht. Aus seiner persönlichen Erfahrung heraus zieht er die Schlussfolgerung, dass Klarheit schützt. Dies ist eine direkte Lehre aus der Situation, die zu seinem Rauswurf führte. Er reflektiert, dass er über seinen eigenen Optimismus und sein Vertrauen in Mitmenschen gestolpert sei. Dieser Glaube an das Gute im Menschen führte ihn offenbar dazu, die Tragweite seines Handelns zu unterschätzen oder die Konsequenzen zu verdrängen. Fischers Wunsch, weiterhin öffentlich aufzutreten und Vorträge zu halten, zeigt seinen Willen, mit den Konsequenzen seines Handelns umzugehen und aus ihnen zu lernen. Er möchte seine Erfahrungen als Lehrmaterial nutzen, um andere zu stärken und zu leiten.

Das Wichtigste

  • Patrick Fischer, ehemaliger Schweizer Eishockey-Nationaltrainer, äussert sich erstmals öffentlich nach seiner Entlassung wegen eines gefälschten Covid-Zertifikats.
  • Fischer wurde wegen Urkundenfälschung verurteilt, nachdem er das Zertifikat für die Reise zu den Olympischen Spielen 2022 nutzte.
  • Ein Interview mit Fischer wurde versehentlich zu früh veröffentlicht, was zu weiterer medialer Aufmerksamkeit führte.
  • Er plant, als Leadership-Coach und Redner aufzutreten, mit einem Fokus auf Resilienz und Neuanfang.
  • Sein erster öffentlicher Auftritt findet Ende Juni in Vaduz statt, moderiert von SRF-Moderator Tobias Müller.
  • Fischer reflektiert über Vertrauen, Optimismus und die Bedeutung von Klarheit nach seiner persönlichen Krise.
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