BASF trotzt Krise: Gewinn steigt dank Staatsgarantie und China-Boom
Der Chemiekonzern verzeichnet ein unerwartet solides Quartal, profitiert von der Nahost-Krise und treibt trotz Stellenabbau in Ludwigshafen den Ausbau in China voran.

GERMANY —
Die Fakten
- BASF erzielte im ersten Quartal 2025 einen Umsatz von 16 Milliarden Euro, ein Rückgang um drei Prozent im Jahresvergleich.
- Der Nettogewinn stieg um knapp 15 Prozent auf 927 Millionen Euro, begünstigt durch eine Staatsgarantie von 800 Millionen Euro für frühere Russlandaktivitäten.
- Das operative Ergebnis (Ebitda) vor Sondereinflüssen sank um sechs Prozent auf 2,36 Milliarden Euro, übertraf aber die Analystenerwartungen.
- In China wuchs der Umsatz um über 25 Prozent, getrieben durch den neuen Verbundstandort Zhanjiang.
- Seit Anfang 2024 sind am Stammsitz Ludwigshafen rund 2.800 Stellen gestrichen worden; weltweit sank die Mitarbeiterzahl um 5.000 auf 106.428.
- BASF hält an den Jahreszielen fest und erwartet eine Preissetzungsmacht im zweiten Quartal, besonders bei Kunststoffen.
- Der Konzern plant den Verkauf von 4.400 Werkswohnungen, davon 3.300 als Gesamtpaket, um die Bilanz zu stärken.
- Die Hauptversammlung beschloss eine unveränderte Dividende von 2,25 Euro je Aktie.
Überraschender Gewinnsprung trotz schrumpfender Umsätze
Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat für das erste Quartal 2025 ein überraschend solides Ergebnis vorgelegt. Der Umsatz sank zwar um drei Prozent auf 16 Milliarden Euro, doch unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um knapp 15 Prozent auf 927 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereinflüssen ging um knapp sechs Prozent auf 2,36 Milliarden Euro zurück, blieb aber über den Erwartungen der Analysten. Finanzvorstand Dirk Elvermann sprach von einem „anspruchsvollen Marktumfeld“, in dem BASF „Widerstandsfähigkeit bewiesen“ habe. Der Gewinnanstieg ist maßgeblich auf eine Zahlung des Bundes aus Staatsgarantien für frühere Russlandaktivitäten der Tochter Wintershall DEA in Höhe von 800 Millionen Euro zurückzuführen, wie Elvermann erläuterte.
Nahost-Krise als Chance: BASF profitiert von Ölpreis und Engpässen
Trotz der massiven Unsicherheiten durch den Iran-Krieg und steigender Ölpreise hält BASF an seinen Jahreszielen fest. Aus Analystensicht könnte der Konzern sogar von den Folgen des Konflikts profitieren, da er im Gegensatz zur chinesischen Konkurrenz nicht von Öllieferungen aus dem Persischen Golf abhängig ist. Eine Sperrung der Straße von Hormus könnte zu weltweiten Engpässen bei Kunststoffen führen, was BASF zur Anhebung der Verkaufspreise nutzen dürfte. „Wir sind optimistisch für das zweite Quartal. Wir sehen in vielen unserer Geschäftsbereiche eine Preissetzungsmacht, die sich nun entfalten wird“, sagte Finanzchef Dirk Elvermann. Der Konzern profitiere in der aktuellen Krise von seiner globalen Aufstellung und lokalen Lieferketten. „Bislang sehen wir in dieser Krise keine Lieferengpässe für uns“, so Elvermann. Die Produktversorgung sei auch für das zweite Quartal gesichert, da BASF über eine eigene Organisation für den internen Rohstoffhandel weltweit verfügt.
China-Expansion: Milliardeninvestition in Zhanjiang trotz Kritik
Während das Verkaufsvolumen in Nord- und Südamerika im ersten Quartal zurückging, steigerte BASF die verkaufte Menge im Asien-Pazifik-Raum – allen voran in China mit einem Umsatzplus von gut 25 Prozent. Getragen wird das Wachstum vom neuen Verbundstandort Zhanjiang, der erst im März eröffnet wurde. Die Investition von fast neun Milliarden Euro in das Megawerk in China steht in scharfem Kontrast zum Sparkurs am Stammsitz Ludwigshafen, wo seit 2024 rund 2.800 Stellen gestrichen wurden. Konzernchef Markus Kamieth verteidigte die Milliardeninvestition auf der Hauptversammlung: „Wir produzieren dort ausschließlich für den lokalen Markt und verlagern keine Produktion aus Deutschland nach Asien.“ BASF habe in China zuletzt einen Umsatz von rund acht Milliarden Euro erzielt, in den USA fast das Doppelte, in Europa etwa das Dreifache. Perspektivisch soll das Chinageschäft ähnlich groß werden wie das USA-Geschäft, kündigte Kamieth an. „China steht für rund die Hälfte des globalen Chemiemarkts.“
Stellenabbau und Sparprogramm: Ludwigshafen unter Druck
Der größte Standort des Dax-Konzerns in Ludwigshafen bleibt das Herz von BASF, doch die Belastungen sind enorm. „Für unsere Mannschaft in Ludwigshafen ist das keine einfache Zeit“, sagte Vorstandschef Markus Kamieth auf der Hauptversammlung in Mannheim. Er räumte ein: „Ich weiß, dass die Schlagzahl sehr hoch ist.“ BASF kämpft mit einer zu geringen Auslastung am Stammwerk und hat mehrere Sparprogramme aufgelegt. Seit Anfang 2024 sind bei der BASF SE in Ludwigshafen rund 2.800 Stellen weggefallen. Weltweit beschäftigte der Konzern Ende des ersten Quartals 106.428 Menschen, rund 5.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Stammwerk arbeiten mit etwa 33.000 Beschäftigten rund ein Drittel der weltweiten Belegschaft. Fortlaufend würden mindestens 1,5 Milliarden Euro jährlich in den Erhalt und neue Anlagen in Ludwigshafen investiert, erklärte Kamieth. Dennoch werde es weitere Einschnitte in allen Bereichen geben. Bestimmte Dienstleistungen etwa bei Personal, Finanzen und Digitalisierung würden künftig verstärkt aus Indien bezogen.
Verkauf von Werkswohnungen zur Bilanzstärkung
Vorstandsmitglied Katja Scharpwinkel verteidigte den geplanten Verkauf von Tausenden Werkswohnungen der BASF-Tochter Wohnen und Bauen. Der Chemiekonzern wolle sich in seiner wirtschaftlichen Situation auf das Kerngeschäft konzentrieren. Es handele sich um einen hochwertigen Wohnungsbestand, dessen Verkauf einen erheblichen Beitrag zur Stärkung der BASF-Bilanz leisten könne. Konkret geht es um 1.100 Eigentumswohnungen, die an verschiedene einzelne Käufer verkauft werden sollen, sowie 3.300 Wohnungen, die als Gesamtpaket an einen Kaufinteressenten gehen werden. Scharpwinkel versicherte, die bestehenden Mietverhältnisse würden bestehen bleiben. Aktionärsschützer forderten das Management auf, nicht nur den neuen Standort China hochzufahren, sondern auch Europa als zukunftsfähigen Heimathafen zu sichern. Die Hauptversammlung beschloss eine unveränderte Dividende von 2,25 Euro je Aktie.
Branchenerholung in Sicht? Warnung vor übertriebenen Hoffnungen
In der deutschen Chemieindustrie mehren sich die Signale für eine zumindest kurzfristig anhaltende Erholung. Mehrere Großanbieter wie BASF und die Wacker Chemie berichten über gute Geschäfte im ersten Quartal, vor allem seit dem Ausbruch des Irankriegs Anfang März. Beim Weltmarktführer BASF sind die Auftragsbücher derzeit gut gefüllt, und der Konzern kann erstmals seit Monaten wieder die Preise bei wichtigen Produkten erhöhen. Das Management gibt sich optimistisch fürs zweite Quartal, auch weil der Konzern mindestens bis Ende Juni seine Versorgung mit Rohstoffen gesichert sieht. Ähnlich schätzt Wacker Chemie die Lage ein: Die Münchener haben nach einem überraschend besseren ersten Quartal die Umsatzprognose für 2026 angehoben. Doch Topmanager und Branchenexperten warnen vor übertriebenen Hoffnungen auf eine echte Trendwende in der kriselnden Branche. Die strukturellen Probleme – hohe Energiekosten, schwache Nachfrage und globaler Wettbewerbsdruck – bleiben bestehen.
Ausblick: BASF setzt auf globale Aufstellung und Preissetzungsmacht
BASF hält trotz der massiven Unsicherheiten durch den Iran-Krieg und steigender Ölpreise an seinen Jahreszielen fest. Finanzvorstand Dirk Elvermann betonte die Bedeutung der Größe des Konzerns als entscheidende Quelle der Widerstandsfähigkeit. „Wir sind optimistisch für das zweite Quartal. Wir sehen in vielen unserer Geschäftsbereiche eine Preissetzungsmacht, die sich nun entfalten wird.“ Der Konzern profitiere in der aktuellen Krise von seiner globalen Aufstellung und lokalen Lieferketten. „Bislang sehen wir in dieser Krise keine Lieferengpässe für uns“, so Elvermann. Die Produktversorgung sei auch für das zweite Quartal gesichert. Die langfristige Strategie von BASF bleibt jedoch umstritten: Während der Konzern in China massiv investiert und dort auf Wachstum setzt, kämpft der Stammsitz Ludwigshafen mit Stellenabbau und Kostendruck. Ob sich die Rechnung aufgeht, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.
Das Wichtigste
- BASF erzielte im ersten Quartal einen überraschenden Gewinnanstieg von 15 Prozent, gestützt durch eine Staatsgarantie von 800 Millionen Euro.
- Der Konzern profitiert von der Nahost-Krise, da er unabhängig von Ölimporten aus dem Persischen Golf ist und Preiserhöhungen bei Kunststoffen durchsetzen kann.
- Das China-Geschäft wuchs um 25 Prozent, angetrieben durch den neuen Verbundstandort Zhanjiang, während in Ludwigshafen 2.800 Stellen gestrichen wurden.
- BASF investiert jährlich mindestens 1,5 Milliarden Euro in den Standort Ludwigshafen, verlagert aber Dienstleistungen nach Indien.
- Der Verkauf von 4.400 Werkswohnungen soll die Bilanz stärken, bestehende Mietverhältnisse bleiben bestehen.
- Trotz kurzfristiger Erholungssignale warnen Experten vor übertriebenen Hoffnungen auf eine Trendwende in der Chemiebranche.




