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Südkorea stürzt China: Erste WM-Niederlage des Tischtennis-Serienmeisters seit 26 Jahren

Das chinesische Herren-Team verliert in London mit 1:3 gegen Südkorea – eine Zäsur, die sich mit dem Rücktritt von Ma Long und Fan Zhendong bereits abgezeichnet hatte.

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Südkorea stürzt China: Erste WM-Niederlage des Tischtennis-Serienmeisters seit 26 Jahren
Das chinesische Herren-Team verliert in London mit 1:3 gegen Südkorea – eine Zäsur, die sich mit dem Rücktritt von Ma LoCredit · Spiegel

Die Fakten

  • China verliert erstmals seit 26 Jahren ein WM-Spiel, zuletzt 2000 im Finale gegen Schweden.
  • Südkorea besiegt China in der Gruppenphase der Team-WM in London mit 3:1.
  • Ma Long und Fan Zhendong beendeten ihre Karrieren in der Nationalmannschaft nach Olympiasiegen und Weltmeistertiteln.
  • Nur zwei chinesische Spieler stehen noch in den Top Ten der Weltrangliste: Wang Chuqin und ein weiterer.
  • Oh Junsung (19) holte für Südkorea den entscheidenden Punkt gegen Lin Shidong.
  • China trat ohne Spitzenspieler Wang Chuqin gegen Südkorea an.
  • Deutschlands Männer gewannen überraschend gegen Japan (3:2), verloren aber gegen Frankreich (1:3).

Ein historischer Sieg in der Wembley-Arena

Die chinesische Tischtennis-Nationalmannschaft der Männer hat zum ersten Mal seit 26 Jahren ein WM-Spiel verloren. In ihrem zweiten Gruppenspiel der Team-Weltmeisterschaft in London unterlag die seit Jahrzehnten dominierende Weltmacht Südkorea mit 1:3. Die letzte Niederlage auf diesem Niveau datiert vom WM-Finale 2000 in Kuala Lumpur, als Schweden den Titel holte. Der Sieg der Koreaner kam nicht völlig überraschend, doch dass er bereits am ersten Turniertag der gesetzten Teams eintreten würde, hatte kaum jemand erwartet. China hatte zuvor Gastgeber England mit 3:0 besiegt, wobei Liang Jingkun gegen Connor Green über fünf Sätze gehen musste. Gegen Südkorea verzichteten die Chinesen auf ihren Spitzenspieler Wang Chuqin und setzten auf Lin Shidong, Liang Jingkun und Zhou Qihao. Auch die Koreaner ließen ihren besten Mann Jang Woojin auf der Bank.

Der Verlauf der Begegnung

Lin Shidong brachte China mit einem glatten 3:0-Sieg gegen Lim Jangwon in Führung. Doch Oh Junsung glich für Südkorea aus, indem er Liang Jingkun besiegte. An Jaehyun bezwang im dritten Einzel Zhou Qihao und brachte Südkorea in Führung. Der 19-jährige Oh Junsung zeigte auch in seinem zweiten Match gegen Lin Shidong keine Nerven und machte den Sack mit 3:1 zu. Damit war die erste große Überraschung dieser WM perfekt. „Die Chinesen suchen noch ein bisschen ihre Form und sind ohne ihren Spitzenspieler angreifbarer“, analysierte Richard Prause, Sportvorstand des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). „Wir wissen, dass die WM ein langes Turnier ist. Ich bin gespannt auf die Aufstellung der Chinesen gegen Schweden am Sonntag.“

Der Niedergang einer Ära

Dass die chinesische Dominanz bei den Männern bröckelt, hatte sich in den vergangenen Monaten abgezeichnet. Mit Ma Long und Fan Zhendong, die beide für den 1. FC Saarbrücken in der Bundesliga spielten, beendeten die Einzel-Weltmeister und Olympiasieger von 2015 bis 2024 ihre Karrieren in der Nationalmannschaft. Neben dem aktuellen Weltmeister Wang Chuqin gibt es nur noch einen weiteren chinesischen Spieler in den Top Ten der Weltrangliste. „Ich will nicht sagen, dass der Serienweltmeister China ins Straucheln geraten ist. Aber er wirkt ein bisschen angreifbarer“, sagte Prause. „Die Chinesen sind nicht unkaputtbar. Auch sie müssen mit ihren Kräften haushalten. Sie haben eine sehr junge Generation. Und auch in China fallen die Talente nicht von den Bäumen.“

Neuer WM-Modus unter Kritik

In London, wo 1926 die erste Tischtennis-WM ausgetragen wurde, führte der Weltverband ITTF zum Jubiläum einen vielfach kritisierten neuen Modus ein. In der ersten Woche spielen bei Männern und Frauen jeweils 56 Mannschaften in 14 Vierergruppen zunächst die 24 Teilnehmer der K.o.-Runde aus. Die besten sieben Teams der Welt sowie Gastgeber England greifen erst an diesem Wochenende ins Turnier ein. Sie spielen in zwei weiteren Vierergruppen lediglich ihre Platzierung in der Setzliste für die ab Montag beginnende K.o.-Runde aus. Der deutsche Verband beschwerte sich vor der WM in einem offiziellen Brief an die ITTF über das Format. Es sei zu lang, zu kompliziert und belaste die Spieler zu stark. „Das neue WM-System ist sehr schwierig“, sagte auch der frühere Weltranglistenerste Dimitrij Ovtcharov. „Du kannst die ersten drei Spiele verlieren und immer noch Weltmeister werden. Du kannst aber auch alle drei gewinnen und hast noch nichts erreicht.“

Deutschland mit gemischtem Auftakt

Die deutschen Männer sorgten zunächst für eine Überraschung, indem sie den Titelkandidaten Japan mit 3:2 besiegten. Am Abend verloren Dang Qiu, Benedikt Duda und Dimitrij Ovtcharov jedoch mit 1:3 gegen Europameister Frankreich. Die deutschen Frauen hatten einen leichteren Auftakt: Die Europameisterinnen von 2025 besiegten Frankreich mit 3:1 und England mit 3:0. „Bei der EM habe ich das erste Spiel auch mit 3:2 gewonnen und danach war es eine sensationelle EM. Hoffen wir, dass es sich hier auch so entwickelt“, sagte die 19-jährige Annett Kaufmann nach ihrem ersten Turniereinsatz gegen die Gastgeberinnen. Ausscheiden können die deutschen Teams nach ihrer Gruppenphase noch nicht.

Ausblick auf die kommenden Spiele

Südkorea führt nach dem ersten Tag die Tabelle der Gruppe 1 an, während China auf dem zweiten Platz liegt. Schweden, das sowohl gegen Südkorea als auch gegen England gewonnen hat, steht an der Spitze. Am Sonntag um 13:30 Uhr kommt es zum Duell zwischen China und Schweden, das richtungsweisend für den weiteren Turnierverlauf sein könnte. Die südkoreanischen Damen hingegen haben bisher enttäuscht: Sie kassierten gegen Taiwan und Rumänien Niederlagen und stehen auf dem letzten Platz ihrer Gruppe. Spitzenspielerin Shin Yubin verlor ihre beiden Einzel gegen Taiwan und wurde gegen Rumänien geschont.

Eine neue Ära im Tischtennis?

Die Niederlage Chinas gegen Südkorea markiert möglicherweise den Beginn einer neuen Ära im Herren-Tischtennis. Über Jahrzehnte war die chinesische Mannschaft nahezu unschlagbar, doch der Rücktritt von Legenden wie Ma Long und Fan Zhendong hat eine Lücke hinterlassen, die die junge Generation noch nicht füllen kann. Die Konkurrenz, angeführt von Südkorea, Schweden und auch Deutschland, hat aufgeholt. Ob China seine Dominanz zurückgewinnen kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Zunächst einmal müssen die Chinesen am Sonntag gegen Schweden bestehen, um nicht frühzeitig unter Druck zu geraten. Die Tischtenniswelt blickt gespannt nach London.

Das Wichtigste

  • China verliert erstmals seit 26 Jahren ein WM-Spiel – gegen Südkorea mit 1:3.
  • Der Rücktritt von Ma Long und Fan Zhendong schwächt die chinesische Mannschaft erheblich.
  • Nur zwei chinesische Spieler stehen in den Top Ten der Weltrangliste.
  • Der neue WM-Modus wird von Spielern und Verbänden kritisiert.
  • Deutschlands Männer besiegen Japan, verlieren aber gegen Frankreich; die Frauen starten mit zwei Siegen.
  • Südkorea führt Gruppe 1 an, China trifft am Sonntag auf Schweden.
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