Commerzbank kündigt 3000 weitere Stellenstreichungen an
Im Abwehrkampf gegen die Unicredit setzt die Commerzbank auf höhere Gewinnziele und schärft ihre Sparpläne.
GERMANY —
Die Fakten
- Commerzbank baut bis 2030 konzernweit rund 3000 Vollzeitstellen ab.
- Insgesamt sind damit bis Ende 2027 6900 Stellenstreichungen geplant (3900 + 3000).
- Die Commerzbank peilt für 2026 einen Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro an.
- Bis 2030 sollen die Gewinne auf 5,9 Milliarden Euro steigen.
- Unicredit hält knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile.
- Der deutsche Staat besitzt noch rund 12 Prozent der Anteile an der Commerzbank.
- Im ersten Quartal 2026 erzielte die Commerzbank einen Überschuss von 913 Millionen Euro.
Commerzbank verschärft Sparpläne im Übernahmekampf
Die Commerzbank will ihre Eigenständigkeit unterstreichen und hat ihre Sparpläne verschärft. Als Reaktion auf den Druck der italienischen Unicredit kündigte der Dax-Konzern an, bis 2030 konzernweit rund 3000 weitere Vollzeitstellen abzubauen. Diese Maßnahme ergänzt die bereits im Februar 2025 angekündigten Kürzungen von 3900 Stellen bis Ende 2027. Ziel ist es, Investoren von der Zukunftsfähigkeit des Instituts zu überzeugen und sich als unabhängige Einheit zu positionieren. Parallel zu den Stellenstreichungen sollen jedoch in „Wachstums- und Zukunftsfeldern“ neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Ende 2025 beschäftigte die Commerzbank weltweit 39.867 Vollzeitkräfte. Die nun angekündigten zusätzlichen Kürzungen sind Teil einer umfassenderen Strategie zur Steigerung der Profitabilität, die auch ehrgeizigere Gewinnziele vorsieht. Die Commerzbank befindet sich im Fadenkreuz der italienischen Großbank Unicredit, deren Chef Andrea Orcel die operative Leistung der Deutschen wiederholt kritisiert und eine Gefährdung der mittel- bis langfristigen Existenz des Instituts ohne Neuausrichtung konstatiert hatte. Die Unicredit, die bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile kontrolliert, plant ein Tauschangebot, um ihren Einfluss auszubauen.
Ehrgeizige Gewinnziele sollen Investoren überzeugen
Im Rahmen ihrer überarbeiteten Strategie hat die Commerzbank ihre Gewinnprognosen deutlich angehoben. Für das laufende Jahr 2026 rechnet das Frankfurter Geldhaus nun mit einem Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro, 200 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Die ambitionierten Ziele sehen eine weitere Steigerung auf 4,6 Milliarden Euro bis 2028 und 5,9 Milliarden Euro bis 2030 vor. Diese gesteckten finanziellen Ziele sollen die Attraktivität der Commerzbank für Anleger erhöhen und ihre Fähigkeit unter Beweis stellen, auch ohne die Unicredit erfolgreich zu wirtschaften. Die Bank betont, dass gleichzeitig in zukunftsträchtige Bereiche investiert und dort Personal aufgestockt werden soll, um die strategische Neuausrichtung zu untermauern. Die Unicredit selbst verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen historischen Höchstgewinn von 3,2 Milliarden Euro. Dies unterstreicht die finanzielle Stärke des italienischen Konkurrenten, der im Falle einer Übernahme bereits ein Umbauprogramm für die Commerzbank vorgelegt hat.
Finanzergebnisse im ersten Quartal 2026 übertreffen Erwartungen
Die Commerzbank hat im ersten Quartal 2026 eine positive Geschäftsentwicklung verzeichnet, die sowohl das Vorjahresergebnis als auch die Erwartungen von Analysten übertraf. Das operative Ergebnis belief sich auf rund 1,36 Milliarden Euro, während der Reingewinn 913 Millionen Euro erreichte. Beide Kennzahlen lagen damit etwa zehn Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals. Diese Ergebnisse sind bemerkenswert, da sie trotz der laufenden Kosten für den bereits angekündigten Stellenabbau erzielt wurden. Im Gesamtjahr 2025 hatte die Commerzbank mit einem Gewinn von gut 2,6 Milliarden Euro ihren Rekordgewinn aus dem Vorjahr (knapp 2,7 Milliarden Euro) nur knapp verfehlt. Die positive Entwicklung im ersten Quartal 2026 stärkt die Position der Commerzbank im aktuellen Marktumfeld und liefert Argumente für die eigene Strategie, die auf unabhängiges Wachstum und gesteigerte Profitabilität abzielt.
Widerstand gegen die Unicredit formiert sich
Das Management, der Betriebsrat und die Belegschaft der Commerzbank wehren sich seit Monaten entschieden gegen die als „feindlich“ empfundene Taktik der Unicredit und ihres Chefs Andrea Orcel. Sie sehen die Unabhängigkeit der Bank bedroht und kämpfen für deren Erhalt. Auch die Bundesregierung positioniert sich klar gegen eine feindliche Übernahme. Der deutsche Staat, der die Commerzbank in der Finanzkrise 2008/2009 mit erheblichen Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält weiterhin gut 12 Prozent der Anteile an dem Dax-Konzern. Diese Beteiligung unterstreicht das strategische Interesse des Bundes an der Stabilität und Eigenständigkeit der Bank. Die Auseinandersetzung zwischen Commerzbank und Unicredit spitzt sich zu, während die Commerzbank versucht, durch eigene Leistung und strategische Weichenstellungen ihre Unabhängigkeit zu sichern.
Ausblick: Ein Kampf um die Zukunft der Commerzbank
Die Commerzbank steht im Zentrum eines strategischen Ringens, das ihre Zukunft maßgeblich bestimmen wird. Durch die Ankündigung weiterer Stellenstreichungen und ambitionierter Gewinnziele versucht das Institut, seine Widerstandsfähigkeit und Attraktivität zu demonstrieren, um einer möglichen Übernahme durch die Unicredit entgegenzuwirken. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, da die Unicredit plant, durch ein Tauschangebot weitere Anteile zu erwerben. Die Reaktion des Marktes und der Aktionäre auf die Strategieänderungen der Commerzbank sowie auf das Angebot der Unicredit wird die weitere Entwicklung maßgeblich beeinflussen. Die Haltung der Bundesregierung, die eine feindliche Übernahme ablehnt, könnte ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Die Commerzbank setzt alles daran, zu beweisen, dass sie allein profitabler und zukunftsfähiger ist als unter dem Dach eines italienischen Konkurrenten.
Das Wichtigste
- Die Commerzbank plant den Abbau von zusätzlichen 3000 Vollzeitstellen bis 2030, was die Gesamtzahl der geplanten Kürzungen auf 6900 bis Ende 2027 erhöht.
- Ziel der Maßnahmen ist es, die Profitabilität zu steigern und Investoren von der eigenständigen Zukunftsfähigkeit der Bank zu überzeugen, insbesondere im Kontext des Interesses der Unicredit.
- Die Bank hat ihre Gewinnziele für die kommenden Jahre signifikant angehoben und peilt bis 2030 einen Überschuss von 5,9 Milliarden Euro an.
- Die Unicredit, die bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile hält, drängt auf eine Übernahme und hat ein Umbauprogramm veröffentlicht.
- Die deutsche Bundesregierung lehnt eine feindliche Übernahme der Commerzbank ab und hält selbst noch rund 12 Prozent der Anteile.
- Ergebnisse des ersten Quartals 2026 zeigen eine positive operative Entwicklung mit einem Überschuss von 913 Millionen Euro, was die Erwartungen übertraf.




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