Elf Jahre nach Ingas Verschwinden: BKA und Polizei starten neue Öffentlichkeitsfahndung
Mit Großplakaten, LED-Leinwänden und einem Beitrag in 'Aktenzeichen XY' wollen die Ermittler den Fall der fünfjährigen Inga wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.
GERMANY —
Die Fakten
- Inga verschwand am 2. Mai 2015 bei einem Familienbesuch in Wilhelmshof (Stendal).
- Die Polizeiinspektion Halle hat ein fünfköpfiges Cold-Case-Team eingerichtet.
- Rund 4.000 Ermittlungsansätze wurden aus ursprünglich 2.000 Spuren generiert.
- 70.000 Personendaten von Helfern, Feuerwehrkräften, Jägern und Besuchern wurden erfasst.
- Die Familie setzte 2024 auf Smoothie-Flaschen mit Ingas Foto und erhöhte die Belohnung auf 50.000 Euro.
- Im Dezember 2024 fanden Spürhunde Knochen in Uchtspringe, die sich als nicht menschlich erwiesen.
- Der Fall wurde im April 2023 von Innenministerin Tamara Zieschang an die Polizeiinspektion Halle übergeben.
Eine neue Fahndungsoffensive nach elf Jahren
Seit elf Jahren fehlt von Inga jede Spur. Doch die Ermittler geben nicht auf. Die Cold-Case-Experten der Polizei Halle starten gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) eine neue Fahndungsoffensive. Auf Großplakaten und LED-Leinwänden soll deutschlandweit an das vermisste Mädchen erinnert werden. Anlässlich des Tags der vermissten Kinder am 25. Mai ist eine verstärkte Öffentlichkeitsfahndung geplant. Auch ein Beitrag in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ ist in Vorbereitung, ein Sendetermin steht noch nicht fest. Die konkreten Maßnahmen werden derzeit zwischen Polizei und BKA abgestimmt.
Die Zusammenarbeit mit dem BKA als neuer Ermittlungsansatz
Die zuständige Ermittlungsgruppe hat sich an das Bundeskriminalamt gewandt, um dessen Möglichkeiten bei der Öffentlichkeitsfahndung zu nutzen. Ziel ist es, das öffentliche Interesse an dem Fall aufrechtzuerhalten und weitere Hinweise zu erhalten. Die erneute Öffentlichkeitsfahndung unter Einbindung des BKA wird als neuer Ermittlungsansatz gewertet. Durch die größere Reichweite erhoffen sich die Behörden, einen breiteren Kreis möglicher Hinweisgeber zu erreichen. Die Ermittler stehen in regelmäßigem Austausch mit dem BKA und der sachleitenden Staatsanwaltschaft Stendal.
Die Familie gibt die Hoffnung nicht auf
Ingas Mutter Viktoria Gehricke zeigte sich zuletzt zuversichtlich. „Ich fühle, dass mein Kind noch lebt. Für mich ist das eine Chance, dass meine Familie und ich neue Hinweise zu Inga erhalten. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass sie gefunden wird“, sagte sie anlässlich der Suche mit Smoothie-Flaschen. Bereits 2024 hatte die Familie eine ungewöhnliche Suchmethode gewählt: Das Foto ihrer Tochter wurde auf tausende Smoothie-Flaschen gedruckt, ergänzt durch ein computergeneriertes Bild, das zeigt, wie Inga heute aussehen könnte. Gleichzeitig erhöhte die Familie die Belohnung für Hinweise auf 50.000 Euro.
Tausende Spuren und ein enttäuschender Knochenfund
Die Polizei ging bislang rund 2000 Spuren und Hinweisen nach. Teiche wurden ausgepumpt, Gewässer untersucht und Gebäude mehrfach durchsucht – doch Ingas Verschwinden bleibt ein Rätsel. Aus den ursprünglich 2000 Spuren wurden inzwischen rund 4000 Ermittlungsansätze. „Davon wurden mehr als 260 bereits abgeschlossen, 630 befinden sich aktuell in Bearbeitung“, sagt Polizeisprecherin Antje Hoppen. Im Dezember 2024 waren erneut Spezialhunde im Einsatz – auf demselben Gelände, auf dem bereits kurz nach Ingas Verschwinden im Jahr 2015 gesucht worden war. Spürhunde des Vereins „Victory Recovery Dogs“ schlugen an und entdeckten Knochen in einem Waldstück bei Uchtspringe. Der Fund galt zunächst als heiße Spur, doch die Hoffnung zerschlug sich: Die Überreste stammen nicht von einem Menschen.
Die Datenflut und die digitale Aufarbeitung
Bei der Polizeiinspektion Halle ließ das fünfköpfige Cold-Case-Team zunächst sämtliche Akten digitalisieren. Die Datenmenge ist enorm: Rund 70.000 Personendaten wurden erfasst – von Helfern, Feuerwehrkräften, Jägern sowie Besuchern und Mitarbeitern des Wilhelmshofs. Zudem kooperieren die Beamten mit der privaten Initiative „inga-suche.de“, bei der Privatdetektive und Anwälte Ingas Eltern pro bono unterstützen. Der Fall wurde im April 2023 von Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) von der Polizei Stendal an die Polizeiinspektion Halle übergeben.
Ausblick: Was die neue Fahndung bringen soll
Die Ermittler hoffen, durch die großflächige Öffentlichkeitsfahndung entscheidende Hinweise zu erhalten. Geplant sind unter anderem eine stärkere Präsenz des Falls auf den Fahndungskanälen des BKA, eine Einbindung in Kampagnen rund um den „Tag der vermissten Kinder“ sowie der Einsatz von Plakaten. Die Polizei betont, dass die Zusammenarbeit mit dem BKA und die neuen Maßnahmen als frischer Ansatz in dem seit elf Jahren ungelösten Fall zu verstehen sind. Ob der Durchbruch gelingt, bleibt offen – doch die Ermittler und Ingas Familie geben die Hoffnung nicht auf.
Das Wichtigste
- Elf Jahre nach Ingas Verschwinden starten Polizei Halle und BKA eine neue Öffentlichkeitsfahndung mit Plakaten, LED-Leinwänden und einem TV-Beitrag.
- Die Familie setzte 2024 auf Smoothie-Flaschen mit Ingas Foto und erhöhte die Belohnung auf 50.000 Euro.
- Aus ursprünglich 2.000 Spuren wurden 4.000 Ermittlungsansätze; 70.000 Personendaten wurden erfasst.
- Ein Knochenfund im Dezember 2024 entpuppte sich als nicht menschlich.
- Der Fall wurde 2023 von der Polizei Stendal an die Polizeiinspektion Halle übergeben, die ein Cold-Case-Team einsetzte.
- Die Ermittler hoffen auf neue Hinweise durch die größere Reichweite der BKA-Fahndung.



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