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Hipp-Erpresser nach Drohung mit Rattengift in Babynahrung in Salzburg festgenommen

Ein 39-jähriger Mann soll zwei Millionen Euro in Kryptowährung gefordert haben; fünf manipulierte Gläser wurden in drei Ländern entdeckt, ein weiteres wird noch gesucht.

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Hipp-Erpresser nach Drohung mit Rattengift in Babynahrung in Salzburg festgenommen
Ein 39-jähriger Mann soll zwei Millionen Euro in Kryptowährung gefordert haben; fünf manipulierte Gläser wurden in drei Credit · BILD

Die Fakten

  • Festnahme am Samstag in Salzburg, Österreich, durch Polizei und Bundeskriminalamt.
  • Verdächtiger ist 39 Jahre alt, wird in Justizanstalt Eisenstadt überstellt.
  • Er forderte zwei Millionen Euro in Kryptowährung vom Hersteller Hipp.
  • Fünf manipulierte Gläser mit Rattengift in Österreich, Tschechien und der Slowakei gefunden.
  • In einem Glas (190g, 'Karotten mit Kartoffeln') wurden 15 Mikrogramm Rattengift nachgewiesen.
  • Die Erpresser-Mail traf Ende März bei Hipp ein, landete aber in einem selten kontrollierten Sammelpostfach.
  • Hipp informierte am 20. April öffentlich über den Erpressungsversuch und richtete einen Krisenstab ein.
  • Ein weiteres vergiftetes Glas wird in Österreich noch dringend gesucht.

Festnahme nach wochenlanger Fahndung

Die österreichische Polizei hat am Samstag einen 39-jährigen Mann im Bundesland Salzburg festgenommen, der im Verdacht steht, Babynahrung des Herstellers Hipp mit Rattengift versetzt und das Unternehmen erpresst zu haben. Die Aktion wurde von der eigens eingerichteten Sonderkommission „Soko Glas“ koordiniert. Der Verdächtige wurde noch am Samstagabend vernommen und soll im Laufe des Sonntags in die Justizanstalt Eisenstadt im Burgenland überstellt werden. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt bestätigte die Festnahme. Aus ermittlungstaktischen Gründen machten die Behörden zunächst keine weiteren Angaben zur Identität des Mannes. Ob er geständig ist, blieb unklar – er schwieg bislang zu den Vorwürfen.

Die Erpressung: Zwei Millionen Euro in Kryptowährung gefordert

Der Täter soll von Hipp zwei Millionen Euro in Kryptowährung verlangt haben. Andernfalls drohte er, in Supermärkten Babynahrung zu vergiften. Die Erpresser-Mail war bereits Ende März bei Hipp eingegangen, wie Geschäftsführer Stefan Hipp der österreichischen Zeitung „Die Presse“ sagte. Allerdings landete das Schreiben in einem Sammelpostfach, das nur alle zwei bis drei Wochen kontrolliert wird. Erst nach Entdeckung der Drohung schaltete Hipp umgehend Polizei und Behörden ein und richtete einen internen Krisenstab ein. Am 20. April machte das Unternehmen den Erpressungsversuch öffentlich.

Fünf manipulierte Gläser in drei Ländern

In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden insgesamt fünf mit Rattengift versetzte Babygläser der Marke Hipp entdeckt. Die betroffenen Artikel waren mit einem weißen Sticker am Boden gekennzeichnet. In einem in Österreich sichergestellten 190-Gramm-Gläschen der Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ fanden Ermittler 15 Mikrogramm Rattengift. Um welche Giftart es sich handelt, ist bislang nicht bekannt. Fachleute untersuchen derzeit, wie gefährlich die Substanz in der gefundenen Dosis ist. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Das in Deutschland vertriebene Sortiment war nach Angaben von Hipp nicht betroffen.

Elektronische Spur und Videoaufzeichnung führten zum Täter

Die Ermittler konnten den Verdächtigen unter anderem durch eine elektronische Spur zurückverfolgen, die seine Erpresser-E-Mail hinterlassen hatte. Zudem war der Mann auf einer Videoaufzeichnung in einem Supermarkt zu sehen. Laut Medienberichten deutet alles darauf hin, dass er allein handelte. Ein Polizeisprecher wollte dies jedoch auf Nachfrage der dpa weder bestätigen noch dementieren und verwies auf den laufenden Ermittlungsstand.

Ein vergiftetes Glas weiterhin im Umlauf

Trotz der Festnahme bleibt ein Risiko bestehen: Ein weiteres möglicherweise kontaminiertes Glas wird in Österreich noch dringend gesucht. „Der Fokus liegt jetzt darauf, dieses eine Glas noch zu finden, was leider noch nicht gelungen ist“, sagte Geschäftsführer Stefan Hipp der „Kronen Zeitung“. Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Vorsicht auf. In Österreich hatte es bereits eine groß angelegte Rückrufaktion von Hipp-Gläsern gegeben. Eltern und Großeltern wurden aufgefordert, verdächtige Produkte nicht zu verwenden.

Wiederholte Erpressungsversuche mit manipulierten Lebensmitteln

Erpressungen mit vergifteten Lebensmitteln sind kein neues Phänomen. Wiederholt waren in der Vergangenheit namhafte Unternehmen ins Visier von Tätern geraten, wobei Babynahrung bereits mehrfach Ziel entsprechender Drohungen war. Der Fall Hipp zeigt, wie verwundbar selbst große Hersteller gegenüber solchen Erpressungsversuchen sind. Die Festnahme in Österreich bringt vorläufige Entlastung, doch die Suche nach dem letzten vergifteten Glas und die toxikologische Bewertung des Rattengifts bleiben offene Punkte. Die Ermittlungen dauern an.

Das Wichtigste

  • Ein 39-jähriger Mann wurde in Salzburg festgenommen, der Hipp mit Rattengift in Babynahrung erpresst haben soll.
  • Er forderte zwei Millionen Euro in Kryptowährung; die Erpresser-Mail landete zunächst in einem wenig kontrollierten Postfach.
  • Fünf manipulierte Gläser wurden in Österreich, Tschechien und der Slowakei gefunden, eines enthielt 15 Mikrogramm Rattengift.
  • Ein weiteres vergiftetes Glas ist noch nicht gefunden und könnte weiterhin im Umlauf sein.
  • Das deutsche Sortiment war nicht betroffen; die Behörden warnen dennoch zur Vorsicht.
  • Der Fall reiht sich in eine Serie von Erpressungsversuchen mit manipulierten Lebensmitteln ein.
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