Deportiert nach Mexiko: Kubaner sitzen in Tapachula fest – ohne Papiere, ohne Arbeit, ohne Perspektive
Hunderte Migranten, die teils Jahrzehnte in den USA lebten, werden nach Mexiko abgeschoben und in der Grenzstadt Tapachula gestrandet – sie dürfen die Stadt nicht verlassen.

GERMANY —
Die Fakten
- Rolando, Chirino und Luis sind Kubaner, die 30, 40 bzw. 60 Jahre in den USA lebten.
- Chirino arbeitete 40 Jahre als Elektriker in Miami, Luis führte eine Tankstelle, Rolando gründete eine Klimaanlagenfirma.
- Die drei wurden von ICE festgenommen – wegen Bagatelldelikten wie Kiffen im Park oder Verkehrsverstößen.
- Nach Monaten in Abschiebezentren wurden sie nach Mexiko überstellt und per Bus in den Süden des Landes gebracht.
- Mexiko ist von den USA als sicheres Drittland eingestuft und nimmt monatlich bis zu 30.000 Abgeschobene auf.
- In Tapachula dürfen die Migranten die Stadt nicht verlassen; bei Flucht droht Abschiebung nach Guatemala innerhalb von 72 Stunden.
- Die lokale Behörde hat nur sieben Bearbeiter für 30.000 Asylanträge.
- Luis erhält seine monatliche Rente von 2.200 US-Dollar nicht mehr.
Gestrandet auf dem Hauptplatz von Tapachula
Rolando, Chirino und Luis wissen nicht, wohin mit sich. Täglich treffen sich die drei Kubaner mit Hunderten anderen Migranten auf dem Hauptplatz von Tapachula, sitzen herum und träumen von ihrer Wahlheimat USA. Chirino vermisst seinen Enkel. Er war 1980 nach Miami gekommen und arbeitete dort 40 Jahre als Elektriker. Luis ärgert sich, dass er seine monatliche Rente von 2.200 US-Dollar nicht mehr bekommt. Er war 1966 mit seinem Vater nach Miami geflohen und führte dort seine eigene Tankstelle. Rolando lebte seit 1995 in Florida; seine fünf Kinder führen jetzt das von ihm gegründete Unternehmen für Klimaanlagen weiter. Alle drei waren vor dem Sozialismus in Kuba geflohen und hatten sich in den USA ein Leben aufgebaut.
Ein kleiner Fehler, der alles änderte
Alle drei haben einen kleinen Fehler gemacht, der ihnen zum Verhängnis wurde. Die US-Einwanderungsbehörde ICE, die seit Monaten für ihr brutales Vorgehen gegen Migranten in der Kritik steht, hatte sie am Arbeitsplatz besucht oder auf die Behörde bestellt: Rolando, weil er vor 30 Jahren beim Kiffen im Park erwischt wurde; Luis, weil er gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen hat; Chirino, weil er schon wegen Rauschmitteldelikten in Haft saß. Nach der Festsetzung durch ICE folgten Monate in Abschiebezentren, wo ihnen ihre Papiere weggenommen wurden. Dann die Übergabe an Mexiko und eine tagelange Busfahrt von der Nordgrenze in den Süden des Landes.
Mexiko als sicheres Drittland – eine Sackgasse
Mexiko ist von den USA als sicheres Drittland eingestuft und eines der wichtigsten Zielländer für die Abschiebung von Migranten aus den USA. Schon unter der demokratischen Vorgängerregierung von Joe Biden wurde eine Vereinbarung getroffen, mit der Mexiko sich bereit erklärte, monatlich bis zu 30.000 Menschen aufzunehmen. Anders als zu Zeiten Bidens kommen heute kaum noch Migranten aus anderen Staaten Lateinamerikas illegal über die mexikanische Grenze, die Mexiko direkt wieder in ihre Heimatländer zurückschicken kann. Jetzt kommen vor allem aus den USA abgeschobene Migranten nach Mexiko.
Tapachula – vom Nadelöhr zum Gefängnis
Die Abgeschobenen werden in Städte wie Tapachula gebracht. Die Stadt ganz im Süden Mexikos liegt an der Grenze zu Guatemala. Jahrelang galt der Ort als Nadelöhr für die Migration aus Mittelamerika, eine Transitzone, in der die wenigsten lange blieben. Heute ist das anders: Die hier Gestrandeten dürfen die Stadt nicht verlassen. „Wenn ich aus Tapachula weggehe, nehmen sie mich fest und schieben mich nach 72 Stunden nach Guatemala ab“, sagt Rolando, der gerne in den touristischen Küstenort Cancún ziehen würde, das „Miami Mexikos“, wie er sagt. Denn hier in Tapachula gebe es keine Arbeit: „Das hier ist ein Gefängnis“.
Überforderte Behörden: Sieben Bearbeiter für 30.000 Asylanträge
Die lokale Behörde in Tapachula hat nur sieben Bearbeiter für 30.000 Asylanträge. Das bedeutet monatelange Wartezeiten für die Migranten, die ohne Papiere und ohne Arbeitserlaubnis festsitzen. Sie können weder in ihre Herkunftsländer noch in die USA zurückkehren. Viele Migranten aus Drittstaaten werden nach Mexiko deportiert und dort in den Süden des Landes verbracht. Die teils brachialen Abschiebungen haben das Leben vieler Migranten in den USA verändert und Angst ausgelöst.
Ein Leben im Limbo – ohne Perspektive
Rolando, Chirino und Luis sind nur drei von Tausenden, die im Abschiebe-Limbo stecken. Sie haben jahrzehntelang in den USA gelebt, Steuern gezahlt, Familien gegründet – und wurden wegen geringfügiger Vergehen abgeschoben. Ihre Rente, ihre Unternehmen, ihre Kinder sind in den USA zurückgeblieben. Die US-Regierung unter Präsident Trump steht seit Monaten für ihr brutales Vorgehen gegen Migranten in der Kritik. Die Betroffenen werden oft überraschend aus ihrem Alltag gerissen und ohne Vorwarnungen inhaftiert und schließlich abgeschoben – nicht in ihre Heimatländer, sondern in sogenannte sichere Drittstaaten. Doch das Ziel wird zur Sackgasse: Tausende Migranten aus Kuba, Haiti und Venezuela dürfen die Ankunftsorte nicht verlassen.
Das Wichtigste
- Die USA schieben Migranten nicht in ihre Heimatländer ab, sondern in sichere Drittstaaten wie Mexiko, das monatlich bis zu 30.000 Menschen aufnimmt.
- In Tapachula, Südmexiko, sitzen Tausende Abgeschobene fest – sie dürfen die Stadt nicht verlassen, haben keine Papiere und keine Arbeit.
- Selbst langjährige US-Bewohner mit Familien und Unternehmen werden wegen Bagatelldelikten abgeschoben.
- Die lokale Behörde ist mit sieben Bearbeitern für 30.000 Asylanträge völlig überfordert.
- Die Betroffenen können weder in die USA zurück noch in ihre Herkunftsländer – sie stecken in einem rechtlichen und humanitären Vakuum.







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