Économie

Wall Street trotzt Big-Tech-Verlusten: S&P 500 schließt erstmals über 7.200 Punkten

Trotz deutlicher Kursverluste bei Microsoft, Meta und Nvidia erreichen die US-Indizes neue Rekordstände – getrieben von starken Einzelwerten und robusten Konjunkturdaten.

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Wall Street trotzt Big-Tech-Verlusten: S&P 500 schließt erstmals über 7.200 Punkten
Trotz deutlicher Kursverluste bei Microsoft, Meta und Nvidia erreichen die US-Indizes neue Rekordstände – getrieben von Credit · Der Aktionär

Die Fakten

  • Der S&P 500 schließt bei 7.209 Punkten und damit erstmals über der Marke von 7.200 Zählern.
  • Der Dow Jones legt um 1,62 Prozent auf 49.652 Punkte zu.
  • Der Nasdaq steigt um 0,89 Prozent auf 24.892 Punkte und markiert neue Höchststände.
  • Microsoft verliert rund 3,9 Prozent, Meta rund 8,7 Prozent nach Bekanntgabe massiv steigender KI-Investitionen.
  • Alphabet gewinnt rund 10 Prozent nach starken Quartalszahlen.
  • Caterpillar springt nach überzeugenden Zahlen zeitweise zweistellig und stützt den Dow.
  • Das US-BIP wächst im ersten Quartal annualisiert um 2 Prozent, etwas schwächer als erwartete 2,3 Prozent.
  • Der Ölpreis (Brent) steigt zeitweise auf über 126 Dollar pro Barrel, belastet die Märkte aber nicht.

Rekordjagd trotz Gegenwind

Die US-Börsen haben am Donnerstag eine bemerkenswerte Rally hingelegt – und das, obgleich einige der größten Technologiekonzerne herbe Verluste verzeichneten. Der S&P 500 schloss bei 7.209 Punkten und damit erstmals oberhalb der runden Marke von 7.200 Zählern. Der Dow Jones legte um 1,62 Prozent auf 49.652 Punkte zu, der Nasdaq gewann 0,89 Prozent und erreichte mit 24.892 Punkten ebenfalls ein neues Rekordhoch. Die positive Entwicklung ist umso erstaunlicher, als Schwergewichte wie Microsoft und Meta nach ihren Quartalszahlen deutlich nachgaben. Microsoft verlor rund 3,9 Prozent, Meta sogar 8,7 Prozent. Auch Nvidia gab ohne direkte Unternehmensmeldungen um mehr als 4 Prozent nach. Grund für die Verluste bei Meta und Microsoft sind vor allem die massiv steigenden Investitionen in KI-Infrastruktur, die bei Anlegern Skepsis auslösen.

Starke Einzelwerte als Zugpferde

Die Verluste der Tech-Giganten wurden jedoch durch starke Einzeltitel mehr als wettgemacht. Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, legte nach überzeugenden Quartalszahlen um rund 10 Prozent zu und hob die Stimmung im Technologiesektor. Caterpillar sprang nach soliden Geschäftszahlen zeitweise zweistellig und stützte den Dow Jones maßgeblich. Diese Gegenbewegung zeigt, dass die Märkte breiter aufgestellt sind als in den vergangenen Monaten, in denen die Kursentwicklung stark von einigen wenigen Tech-Werten abhing. Die Anleger belohnen Unternehmen mit soliden Bilanzen und positiven Ausblicken, unabhängig von der Branche.

Makroökonomische Entlastung

Die positive Marktentwicklung wird durch ein freundlicheres makroökonomisches Umfeld gestützt. Die US-Wirtschaft zeigte sich im ersten Quartal robust: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs annualisiert um 2 Prozent, wie das Bureau of Economic Analysis in einer ersten Schätzung mitteilte. Zwar blieb das Wachstum hinter den Erwartungen der Ökonomen zurück, die mit 2,3 Prozent gerechnet hatten, doch es bedeutet eine deutliche Beschleunigung gegenüber dem Vorquartal, als das Plus nur 0,5 Prozent betragen hatte. Gleichzeitig sorgte ein Rückgang der Ölpreise für Entlastung bei den Inflationserwartungen. Zuvor waren die Rohölpreise aufgrund des Iran-Konflikts auf ein Vierjahreshoch gestiegen – Brent-Kontrakte zur Lieferung im Juni notierten zeitweise bei über 126 Dollar pro Barrel. Die Entspannung an den Ölmärkten nahm Druck von den Inflations- und Zinserwartungen.

Starker Monatsabschluss trotz Unsicherheiten

Der April endete für die US-Börsen überraschend stark. Der S&P 500 gewann im Monatsverlauf mehr als 10 Prozent und verzeichnete den besten Monat seit 2020. Der Nasdaq legte sogar um über 15 Prozent zu, der Dow Jones um rund 7 Prozent. Damit haben sich die Indizes deutlich von den Tiefs des ersten Quartals erholt. Getrieben wurde die Rally vor allem von der anhaltenden KI-Euphorie und soliden Unternehmenszahlen. Doch das Umfeld bleibt fragil: Der Iran-Konflikt, schwankende Energiepreise und die Geldpolitik der US-Notenbank sorgen weiterhin für Unsicherheit. Die Anleger scheinen diese Risiken jedoch vorerst zu ignorieren.

Nachbörsliche Überraschungen bei Speicherchips und Software

Nach Börsenschluss sorgten mehrere Unternehmen für Aufsehen. Der Speicherchip-Spezialist Sandisk übertraf die Erwartungen deutlich: Der Umsatz lag im dritten Quartal bei 5,95 Milliarden Dollar, während Analysten nur mit 4,72 Milliarden gerechnet hatten. Die Marge fiel mit 78,4 Prozent klar besser aus als prognostiziert. Besonders beeindruckend ist der Ausblick: Für das vierte Quartal stellte Sandisk Erlöse von bis zu 8,25 Milliarden Dollar in Aussicht, getrieben vor allem durch das Datacenter-Geschäft. Auch Western Digital legte nachbörslich Zahlen vor und übertraf die Erwartungen. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,72 Dollar (Prognose: 2,37 Dollar), der Umsatz erreichte 3,34 Milliarden Dollar. Die Marge stieg auf 50,5 Prozent, der freie Cashflow fiel besser aus als erwartet. Für das laufende Quartal stellte Western Digital einen Umsatz von rund 3,65 Milliarden Dollar in Aussicht, was einem Wachstum von über 40 Prozent im Jahresvergleich entspräche. Trotz der soliden Zahlen gaben beide Aktien nachbörslich zunächst leicht nach.

Atlassian schießt nach oben

Ein echtes Ausrufezeichen setzte der Softwarekonzern Atlassian. Die Aktie schoss nachbörslich zeitweise um rund 20 Prozent nach oben. Das Unternehmen übertraf die Erwartungen deutlich: Der Umsatz stieg um 32 Prozent auf 1,79 Milliarden Dollar und lag klar über den Prognosen. Der bereinigte Gewinn je Aktie betrug 1,75 Dollar, während Analysten nur mit 1,34 Dollar gerechnet hatten. Besonders das Cloud-Geschäft wuchs weiter stark und trug zur Verbesserung der Margen bei. Die Zahlen von Atlassian unterstreichen den anhaltenden Trend zur Digitalisierung und Cloud-Nutzung, der vielen Softwareunternehmen zugutekommt.

Ausblick: Zwischen Euphorie und Risiken

Die aktuellen Kursgewinne zeigen, dass die Anleger bereit sind, über kurzfristige Rückschläge bei einzelnen Tech-Werten hinwegzusehen, solange die Gesamtrichtung stimmt. Die Kombination aus robusten Konjunkturdaten, sinkenden Ölpreisen und starken Unternehmensbilanzen hat die Märkte beflügelt. Doch die Risiken sind nicht verschwunden. Der Iran-Konflikt könnte jederzeit wieder aufflammen und die Ölpreise in die Höhe treiben. Die Geldpolitik der Fed bleibt ein Unsicherheitsfaktor, insbesondere falls die Inflation wieder anziehen sollte. Zudem zeigen die Verluste bei Microsoft und Meta, dass selbst die größten Tech-Konzerne nicht immun gegen Skepsis sind, wenn ihre Ausgaben für KI-Infrastruktur zu stark steigen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Rally nachhaltig ist oder ob die alten Risiken wieder in den Vordergrund rücken.

Das Wichtigste

  • Der S&P 500 schließt erstmals über 7.200 Punkten, der Nasdaq erreicht ein neues Rekordhoch.
  • Microsoft und Meta verlieren deutlich aufgrund massiv steigender KI-Investitionen, während Alphabet und Caterpillar zulegen.
  • Das US-BIP wächst im ersten Quartal um annualisiert 2 Prozent, etwas schwächer als erwartet, aber deutlich stärker als im Vorquartal.
  • Die Ölpreise sinken nach zwischenzeitlichen Höchstständen und entlasten die Inflationserwartungen.
  • Sandisk und Western Digital übertreffen die Erwartungen mit starken Quartalszahlen und optimistischen Ausblicken.
  • Atlassian legt nachbörslich um rund 20 Prozent zu, getrieben von starkem Cloud-Wachstum und verbesserten Margen.
  • Trotz der Rally bleiben geopolitische Risiken und geldpolitische Unsicherheiten bestehen.
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