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Olaf Thon wird 60: Vom 6:6-Helden zum Schalker Vereinsidol

Der Weltmeister von 1990, der mit 18 Jahren im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayern München drei Tore erzielte, prägte eine ganze Fußball-Ära.

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Olaf Thon wird 60: Vom 6:6-Helden zum Schalker Vereinsidol
Der Weltmeister von 1990, der mit 18 Jahren im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayern München drei Tore erzielte, prägte eineCredit · Eurosport

Die Fakten

  • Olaf Thon feiert am 1. Mai 2024 seinen 60. Geburtstag.
  • Am 2. Mai 1984 erzielte er im DFB-Pokal-Halbfinale für Schalke 04 gegen Bayern München drei Tore; das Spiel endete 6:6 nach Verlängerung.
  • Thon wechselte 1988 für 3,8 Millionen D-Mark zu Bayern München – damals der teuerste Transfer der Bundesligageschichte.
  • Er wurde 1990 in Rom Weltmeister, gewann mit Bayern München die Deutsche Meisterschaft, den UEFA-Pokal und den DFB-Pokal.
  • Nach sechs Jahren bei Bayern kehrte Thon zu Schalke 04 zurück und ist heute Leiter der Traditionsmannschaft.
  • Sein erstes Länderspiel bestritt er nach nur 16 Bundesligaspielen; insgesamt absolvierte er 19 Jahre als Profi.

Die Nacht, die alles veränderte

Es war der 2. Mai 1984, ein Mittwoch, an dem es in Gelsenkirchen nicht nur vom Himmel regnete. Im Parkstadion traf der Zweitligist FC Schalke 04 auf den Bundesligisten Bayern München – ein DFB-Pokal-Halbfinale, das als das wohl unglaublichste Spiel der deutschen Pokalgeschichte in die Annalen eingehen sollte. 70.000 Zuschauer waren gekommen, das ZDF übertrug live. Nach 120 Minuten stand es 6:6 – und ein 18-jähriger Schalker, Olaf Thon, hatte drei Tore erzielt, das letzte in der 120. Minute. Die Fans stürmten den Platz, trugen den Helden auf den Schultern. Am nächsten Tag wusste die halbe Fußball-Welt, wer Olaf Thon war. Im legendären Interview mit Reporter Rolf Töpperwien gestand der Teenager, dass er noch in Bayern-Bettwäsche schlafe – eine Enthüllung, die seiner Popularität keinen Abbruch tat.

Vom Verletzungsfiasko zur Rückkehr in die Nationalmannschaft

Nach dem 6:6 schied Schalke im Wiederholungsspiel mit 2:3 aus, doch Thons Stern war aufgegangen. Zwei Jahre später, im September 1986, sah sich Königsblau auf einem aufsteigenden Ast. Die Mannschaft von Trainer Rolf Schafstall hatte gerade das Derby gegen Borussia Dortmund mit 2:1 gewonnen, und Präsident Dr. Hans-Joachim Fenne freute sich über mehr als 40.000 Zuschauer, die die chronisch klammen Kassen mit 660.000 D-Mark füllten. Doch Thon hatte ein persönliches Verletzungsfiasko bei der Weltmeisterschaft in Mexiko hinter sich. Ein Muskelfaserriss zwang ihn zur vorzeitigen Abreise, was Teamchef Franz Beckenbauer verstimmt hatte. Nach einer Aussprache war der „Kaiser“ jedoch versöhnt: „Olaf ist eine feste Größe im Team. Er ist jetzt an der Reihe.“ Thon rechtfertigte das Vertrauen umgehend: In Kopenhagen köpfte er das 1:0 und bereitete den Treffer von Klaus Allofs zum 2:0-Endstand vor.

Der spektakuläre 4:3-Sieg in Düsseldorf – ein Vorbote des Niedergangs

Am 27. September 1986 gastierte Schalke bei Fortuna Düsseldorf. Begleitet von 12.000 Fans legte die Mannschaft einen furiosen Start hin: Michael Blättel traf in der 3. Minute, Thon glich nur vier Minuten später aus, Jürgen Wegmann drehte die Partie, Bernd Dierßen und Mathias Schipper erhöhten vor der Pause auf 4:1. Doch nach der Halbzeit ließ die Konzentration nach. Fortuna verkürzte durch Manfred Bockenfeld und Ralf Dusend auf 3:4, und erst eine vergebene Chance von Blättel in der Schlusssekunde bewahrte Schalke vor dem Punktverlust. Trainer Schafstall war erzürnt: „Ich habe in der Pause noch gewarnt: Werdet jetzt nicht überheblich. Aber plötzlich wollten sie mit Spitze und Hacke zaubern.“ Präsident Fenne sprach auf der Jahreshauptversammlung von einem „richtig guten Weg“, doch der Schein trog. Bis Ende November gewann Schalke kein Spiel mehr, rutschte auf Platz 13 ab – schlechter als im Vorjahr. In der Folgesaison trat Schafstall zurück, und 1988 stieg Schalke zum dritten Mal aus der Bundesliga ab.

Der teuerste Transfer der Bundesligageschichte und die Rückkehr zu den Wurzeln

Nach dem Abstieg 1988 blieb Thon keine Wahl: Er verließ seinen Herzensverein und wechselte zu Bayern München. Die Ablösesumme von 3,8 Millionen D-Mark war damals der teuerste Transfer der Bundesligageschichte. In München reifte Thon zum Weltstar: 1990 wurde er in Rom Weltmeister, gewann die Deutsche Meisterschaft, den UEFA-Pokal und den DFB-Pokal. Doch im Herzen blieb er stets Schalker. Nach sechs Jahren kehrte er zu dem Verein zurück, dessen Repräsentant er heute ist. Als Leiter der Traditionsmannschaft ist er vor allem organisatorisch tätig und spielt gelegentlich noch mit. „Vereinstreue war für ihn kein leerer Wahn“, heißt es. Sein größtes Glück? „Dass ich trotz meiner vielen Verletzungen 19 Jahre Profi sein durfte.“

Eine Karriere zwischen zwei Epochen des Fußballs

Thon erlebte den Wandel des Fußballs hautnah: Sein erstes Länderspiel wurde nur im Radio übertragen, sein Abschiedsspiel live auf Sat.1. Für seinen ersten Sieg gab es zwei Punkte, für den letzten drei. Sein Debüt gab er in einem Stadion, seinen Abschied in einer Arena. Als er mit 17 Jahren in der 2. Liga für Schalke debütierte, dachte niemand an Live-Übertragungen. Der große Fußballboom kam erst mit der deutschen Wiedervereinigung, dem WM-Triumph 1990 und dem Aufkommen der Privatsender. Thon war Teil dieses Booms und bewahrte sich dennoch die Werte einer älteren Zeit. Er selbst sagte halb im Spaß, halb im Ernst: „Nach dem 6:6 hätte ich eigentlich aufhören müssen, besser ging es nicht.“ Gut, dass er weiterspielte – für das 6:6 gab es keinen Pokal, aber Thon sammelte fleißig Titel und Meriten.

Das Wichtigste

  • Olaf Thon wurde durch das legendäre 6:6 im DFB-Pokal-Halbfinale 1984 gegen Bayern München über Nacht zum Star.
  • Trotz Verletzungsproblemen bei der WM 1986 kehrte er in die Nationalmannschaft zurück und wurde 1990 Weltmeister.
  • Der 4:3-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf 1986 war ein kurzes Highlight vor dem sportlichen Niedergang Schalkes.
  • Mit 3,8 Millionen D-Mark Ablöse war Thon 1988 der teuerste Transfer der Bundesligageschichte.
  • Nach sechs Jahren bei Bayern München kehrte er zu Schalke 04 zurück und ist heute Leiter der Traditionsmannschaft.
  • Seine Karriere spiegelt den Wandel des Fußballs von den 1980er Jahren bis zur Kommerzialisierung wider.
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