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Evan Osnos über die Angst der Ultrareichen: „Warum hat ein Mensch mit so viel Geld solche Angst?“

Der Pulitzerpreisträger erforscht in seinem neuen Buch die Welt der Milliardäre – von Gigayachten bis zu Weltuntergangsplänen.

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Evan Osnos über die Angst der Ultrareichen: „Warum hat ein Mensch mit so viel Geld solche Angst?“
Der Pulitzerpreisträger erforscht in seinem neuen Buch die Welt der Milliardäre – von Gigayachten bis zu WeltuntergangspCredit · T-Online

Die Fakten

  • Evan Osnos ist zweifacher Pulitzerpreisträger und Staff Writer beim New Yorker.
  • Sein Buch „Yacht oder nicht Yacht“ erschien im Verlag C. H. Beck.
  • Gigajachten über 100 Meter Länge kosten üblich mehr als 250 Millionen Dollar.
  • Das teuerste Kunstwerk „Salvator Mundi“ wurde für 450 Millionen Dollar ersteigert.
  • Die 134 Meter lange Gigajacht „Serene“ kostete rund 500 Millionen Dollar.
  • Osnos berichtet von einem Milliardär, der bei Frühstücken mit Gästen die Zeitungsanzahl manipuliert.
  • Reiche Männer diskutierten laut Osnos über Fluchtpläne beim „Ende Amerikas“ und mögliche Pilotenangriffe.
  • Osnos besuchte Mark Zuckerberg in seiner Villa und recherchierte in Monaco und Neuseeland.

Die Yacht als ultimatives Statussymbol

Die Welt der Superreichen ist klein, verschwiegen und politisch mächtiger denn je. Nur wenige kennen sie so gut wie US-Journalist und Pulitzerpreisträger Evan Osnos. Für sein neues Buch „Yacht oder nicht Yacht“ besuchte er Mark Zuckerberg in seiner Villa, recherchierte auf Gigajachten in Monaco und in Luxusbunkern in Neuseeland. Gigajachten, also Yachten mit mehr als 100 Meter Länge, sind die teuersten Objekte, die ein reicher Mensch kaufen kann – teurer als Kunstwerke oder Immobilien. Preise von mehr als 250 Millionen Dollar sind üblich. Das teuerste Kunstwerk aller Zeiten, „Salvator Mundi“, soll für 450 Millionen Dollar von Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman ersteigert worden sein – und heute in seiner 134 Meter langen Gigajacht „Serene“ hängen. Kaufpreis der Jacht: rund 500 Millionen Dollar. Das zeigt die Dimensionen.

Die Psychologie des Luxus: Hedonistische Tretmühle

Auf die Frage, ob sich Glück kaufen lasse, antwortet Osnos: „Nun, man kann sich ganz sicher Vergnügen kaufen. Es gibt dieses unbestreitbare Gefühl der Befriedigung, das sich beim Kauf von etwas Neuem einstellt. Aber so einfach ist es nicht, denn Zufriedenheit ist nur ein vorübergehender Zustand.“ Er verweist auf das psychologische Phänomen der „hedonistischen Tretmühle“, in der sich Menschen zeit ihres Lebens plagen. Diese Dynamik treibt die Reichen zu immer größeren Yachten. „Wer in dieser Welt will denn bitte die kleinere Yacht haben? Ganz sicher niemand, der sich auch eine größere leisten kann“, sagt Osnos. Konkurrenzdruck und Statusdenken spielen eine wesentliche Rolle.

Skurrile Einblicke: Zeitungskampf und Weltuntergangsängste

Osnos schildert skurrile und beunruhigende Einblicke in die Welt der Ultrareichen. Ein Eigentümer einer riesigen Yacht lädt gerne andere Reiche zur Übernachtung ein. Morgens beim Frühstück lässt er dann zu wenige Zeitungsexemplare auslegen. „Was dann passiert, ist für diesen Mann so etwas wie Unterhaltung: Wer ergattert eine Zeitung? Und wer zieht den Kürzeren?“ Noch beunruhigender ist eine Unterhaltung reicher Männer, die darüber sinnierten, was beim drohenden Ende Amerikas zu tun wäre. Die naheliegende Lösung: in die Privatflieger steigen und sich in Sicherheit bringen. Doch dann kamen die Probleme: „Was ist, wenn der Pilot uns nicht mitnehmen will? Was, wenn er uns angreift?“ Solche Fragen trieben diese Leute um. Osnos erkannte, dass diese Reichen bereits in einer ganz anderen Dimension über die Zukunft nachdenken.

Verbindungen zwischen Tech-Milliardären und Trump

Osnos hat erforscht, welche Regeln in der Welt der Ultrareichen herrschen und was manche Tech-Milliardäre wie Elon Musk mit Donald Trump verbindet. Die Methode Trump und die Angst der Reichen vor Kontrollverlust sind zentrale Themen. Die Weltpolitik ist brandgefährlich, doch das Vermögen der Reichen wächst und wächst. Das eindringlichste Symbol dafür schwimmt auf dem Wasser: Yachten werden immer größer, an Bord herrscht unvorstellbarer Luxus.

Politische Konsequenzen extremer Ungleichheit

Osnos spricht eine Warnung in Zeiten eines Donald Trump aus. Die Konzentration von Reichtum und Macht in den Händen weniger birgt Risiken für die Demokratie. Die Ultrareichen bereiten sich auf den Weltuntergang vor, während die Gesellschaft mit den Folgen extremer Ungleichheit kämpft. Wie die Politik diese Entwicklung begrenzen könnte, bleibt eine offene Frage.

Das Wichtigste

  • Evan Osnos' Buch „Yacht oder nicht Yacht“ enthüllt die Psychologie und Ängste der Superreichen.
  • Gigajachten sind teurer als Kunstwerke; die „Serene“ kostete 500 Millionen Dollar.
  • Reiche nutzen Statussymbole wie Yachten, um Konkurrenz und Status zu demonstrieren.
  • Die Angst vor dem Weltuntergang treibt Milliardäre zu Fluchtplänen, die Misstrauen gegenüber dem Personal offenbaren.
  • Die Verbindung zwischen Tech-Milliardären und Donald Trump zeigt die politische Macht der Ultrareichen.
  • Extreme Ungleichheit gefährdet demokratische Strukturen und erfordert politische Gegenmaßnahmen.
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