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Sant'Efisio-Prozession ohne Ochsen: Rinderkrankheit erzwingt historische Änderung

Zum ersten Mal seit 1943 wird die Statue des Heiligen nicht von Ochsen gezogen, sondern von Gläubigen getragen – eine Folge der Knotigen Hautkrankheit, die die Nutzung der Tiere verbietet.

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Sant'Efisio-Prozession ohne Ochsen: Rinderkrankheit erzwingt historische Änderung
Zum ersten Mal seit 1943 wird die Statue des Heiligen nicht von Ochsen gezogen, sondern von Gläubigen getragen – eine FoCredit · L'Unione Sarda.it

Die Fakten

  • Die Sant'Efisio-Prozession feiert ihr 370-jähriges Bestehen.
  • Erstmals seit 1943 wird die Statue nicht von Ochsen gezogen, sondern von Bruderschaftsmitgliedern getragen.
  • Grund ist die Knotige Hautkrankheit (Lumpy Skin Disease), die ein Verbot der Ochsennutzung erzwungen hat.
  • Vier Wächter statt der üblichen zwei bewachen die Statue; eine Milizeskorte begleitet den Zug.
  • 160 Pferde aus sardischen Volksgruppen nehmen teil.
  • Bürgermeister Massimo Zedda übergibt die Vertretung der Stadt an seinen Stellvertreter Giovanni Porrà.
  • Die Prozession beginnt an der Kirche von Stampace und endet in Nora, dem Ort des Martyriums.
  • Am 4. Mai kehrt die Prozession vor Mitternacht nach Cagliari zurück.

Ein Fest ohne Ochsen: Die Sant'Efisio-Prozession im Wandel

Am heutigen Morgen begann in Cagliari die 370. Sant'Efisio-Prozession – doch anders als in den vergangenen Jahrhunderten. Die Statue des Kriegermärtyrers, der der Überlieferung nach die Stadt von der Pest befreite, wird nicht von Ochsen gezogen, sondern von den Schultern der Bruderschaftsmitglieder getragen. Grund ist die Knotige Hautkrankheit (Lumpy Skin Disease), eine Rinderkrankheit, die ein Verbot der Ochsennutzung erzwungen hat. Betroffen sind jene Ochsen, die die Traccas ziehen sollten – die traditionellen Wagen, die in diesem Jahr zwar ausgestellt, aber nicht in der Prozession mitgeführt werden – und vor allem die beiden Tiere, die vor das Joch des königlichen Wagens gespannt werden sollten. Der Heilige reist nun auf einer Sänfte, getragen von seinen Brüdern. Vier Wächter (statt der üblichen zwei) und eine Milizeskorte sichern den Zug.

Ein Drama vor dem Fest: Tod einer Pilgerin

Noch bevor die Prozession ihren Anfang nahm, ereignete sich ein tragischer Vorfall. Elena Siddi, 55 Jahre alt, aus Sarroch, erlitt auf der Via Santa Margherita einen tödlichen Schlaganfall, als sie mit dem Auto ihres Mannes zu einem Gruppentreffen fuhr. Die Nachricht verbreitete sich schnell unter den versammelten Gläubigen, die dennoch entschlossen waren, das Fest wie geplant durchzuführen. Der Erzbischof von Cagliari, Monsignore Giuseppe Baturi, spendete den im Kloster der Salesianer versammelten Gruppen seinen Segen. Die Prozession begann planmäßig um 8:30 Uhr mit dem Altar-Nos-Spaziergang.

Giovanni Porrà: Der Mann hinter dem Altar Nos

Nach 45 Tagen intensiver Vorbereitung war der „Alter Nos“ bereit für den großen Tag. Giovanni Porrà, Stellvertretender Bürgermeister, erreichte die Via San Paolo und begab sich zum Rathaus in der Via Roma. Die vergangenen Wochen waren für ihn eine Herausforderung: Er trainierte mit Armeeangehörigen und baute eine vertrauensvolle Beziehung zu Iebe auf, der Stute, die ihn zum zweiten Mal in Folge begleiten wird. Ein gutes Einvernehmen zwischen Reiter und Pferd ist unerlässlich, um einen so ereignisreichen Tag zu meistern. Porrà verbarg seine Gefühle nicht, sandte aber eine klare Botschaft der Unterstützung für die von der Rinderdermatitis betroffenen Bauern. Die Krankheit habe die Ochsenhaltung in diesem Jahr zum Erliegen gebracht und das Ritual in ein neues Gewand gehüllt.

Marco Viola: 48 Jahre Hingabe an den Heiligen

Seit 48 Jahren verfolgt Marco Viola unermüdlich das Fest des Heiligen Efisio. Er ist der Anführer des Zuges der Miliz des Heiligen. An seiner Seite reitet Orchidea, eine zwölfjährige Stute, die ihn während des gesamten Festes begleitet und eskortiert. Für Viola ist jede Ausgabe etwas Besonderes, und die Arbeit hört nie auf: Es vergehe kein Augenblick im Jahr, in dem seine Gedanken nicht bei Sant'Efisio seien. Hinter ihm, während des Marsches zum Rathaus, folgen die anderen Milizionäre zu Pferd – insgesamt vierzehn. Bewaffnet mit Schwertern und Arkebusen, bewachen sie den Weg des Heiligen.

Historische Parallelen: Wenn die Tradition weichen muss

Die diesjährige Änderung ist nicht die erste in der Geschichte der Prozession. Bereits 1943, als Cagliari von Bombenangriffen verwüstet wurde, musste das Fest in abgewandelter Form stattfinden. Auch nach dem Ersten Weltkrieg und zuletzt 2020, als Covid ganz Italien lahmlegte, gab es Anpassungen. Die Knotige Hautkrankheit, die 2026 als „Pest“ bezeichnet wird, zwingt nun erneut zu einer Veränderung. Die Prozession beginnt traditionell an der Kirche von Stampace, wo der Ritus von der Erzbruderschaft des Gonfalone weitergegeben wird, und führt nach Nora, dem Ort des Martyriums. Am 4. Mai kehrt sie vor Mitternacht zurück, damit das Gelübde erfüllt werden kann.

Ein farbenprächtiges Spektakel trotz Widrigkeiten

Trotz der Änderungen bleibt das Fest ein farbenprächtiges Spektakel. 160 Pferde aus den Volksgruppen ganz Sardiniens sind anwesend, ebenso wie die traditionellen Kostüme und Sa Ramadura, ein Blumenregen, der den Heiligen begleitet. Bürgermeister Massimo Zedda äußerte Vertrauen in die Zuneigung und den Respekt der Gläubigen entlang der Pilgerroute – sowohl für die restaurierte Statue als auch für das Engagement derer, die die Sänfte tragen werden. Heute Vormittag übergab Zedda die Vertretung der Stadt an seinen Stellvertreter Giovanni Porrà. Die Prozession ist ein lebendiges Zeugnis des Glaubens, das sich den Herausforderungen der Zeit anpasst, ohne seinen Kern zu verlieren.

Das Wichtigste

  • Die Sant'Efisio-Prozession in Cagliari findet 2026 ohne Ochsen statt – eine historische Premiere seit 1943.
  • Ursache ist die Knotige Hautkrankheit, die ein Nutzungsverbot für Rinder erzwungen hat.
  • Die Statue des Heiligen wird von Bruderschaftsmitgliedern getragen, vier Wächter und eine Milizeskorte sichern den Zug.
  • Giovanni Porrà führt den Altar Nos an und unterstützt die betroffenen Bauern.
  • Marco Viola, seit 48 Jahren dabei, führt die Miliz zu Pferd an.
  • Trotz der Änderungen bleiben die traditionellen Kostüme, 160 Pferde und der Blumenregen Sa Ramadura Teil des Festes.
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