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Rekordsprung an den Zapfsäulen: Spritpreise steigen kurz vor Tankrabatt drastisch

Am Mittag verteuerten sich Diesel und Benzin so stark wie nie seit Einführung der 12-Uhr-Regel – der ADAC meldet einen Sprung von bis zu 17,7 Cent pro Liter.

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Rekordsprung an den Zapfsäulen: Spritpreise steigen kurz vor Tankrabatt drastisch
Am Mittag verteuerten sich Diesel und Benzin so stark wie nie seit Einführung der 12-Uhr-Regel – der ADAC meldet einen SCredit · Ntv

Die Fakten

  • Am 1. Mai tritt in Deutschland der Tankrabatt von 16,7 Cent pro Liter in Kraft.
  • Am 29. April stieg der Dieselpreis zwischen 11:45 und 12:15 Uhr um 17,7 Cent pro Liter, E10 um 15,4 Cent.
  • Der April wird voraussichtlich der teuerste Tankmonat aller Zeiten: E10-Durchschnitt 2,11 Euro, Diesel 2,27 Euro pro Liter.
  • Inflationsbereinigt (Basis 2020) liegen die Preise bei 1,68 Euro für E10 und 1,81 Euro für Diesel – unter den Höchstständen von 2011/2012.
  • Die Ölpreise waren zuletzt auf den höchsten Stand seit 2022 gestiegen.
  • Tankstellen sind nicht verpflichtet, den Rabatt sofort weiterzugeben; der Rabatt gilt nur für Benzin, das nach Mitternacht die Raffinerien verlässt.
  • Friedrich Heinemann (ZEW) stellt die Frage, warum die Politik „so schnell das Scheckbuch zückt“ angesichts der relativierten Belastung.

Mittagssprung mit Rekordwerten

Kurz vor dem Start des Tankrabatts am 1. Mai haben die Spritpreise in Deutschland einen beispiellosen Sprung nach oben gemacht. Zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr verteuerte sich Diesel im bundesweiten Durchschnitt um 17,7 Cent pro Liter, wie der ADAC mitteilt. Bei Superbenzin der Sorte E10 betrug der Anstieg 15,4 Cent. Es ist der höchste jemals gemessene Mittagssprung seit Einführung der 12-Uhr-Regel. Vor und nach dem Sprung lagen beide Kraftstoffe deutlich über den Preisen des Vortages. Dies deutet darauf hin, dass auch der Tagesdurchschnitt spürbar steigen dürfte. Am Mittwoch hatte sich der Anstieg der Ölpreise – die zuletzt auf den höchsten Stand seit 2022 kletterten – im Tagesdurchschnitt noch kaum bemerkbar gemacht: E10 legte um 0,3 Cent auf 2,106 Euro zu, Diesel sank sogar leicht um 0,4 Cent auf 2,196 Euro.

Tankrabatt: Wirkung ungewiss

Ab Mitternacht gilt der Steuerrabatt von 16,7 Cent pro Liter. Ob er ausreicht, um den Dieselpreis unter die Zwei-Euro-Marke zu drücken, ist fraglich. Bei E10 stehen die Chancen besser. Allerdings sind die Tankstellen nicht verpflichtet, die Ermäßigung sofort weiterzugeben – zumal der Rabatt nur für Benzin gilt, das nach dem 1. Mai die Raffinerien und großen Tanklager verlässt. Manche Beobachter erwarten daher, dass die Preise erst allmählich fallen. Seit gut einer Woche steigen die Spritpreise tendenziell an. Bei E10 war der Tagesdurchschnitt am Mittwoch den achten Tag in Folge gestiegen, bei Diesel gab es zuvor sechs Anstiege in Folge. Diesel war vor einer Woche noch fast 7 Cent billiger, E10 um mehr als vier Cent.

April wird teuerster Tankmonat aller Zeiten

Der April wird voraussichtlich der teuerste Tankmonat aller Zeiten. Für die ersten 29 Tage errechnet der ADAC einen Durchschnittspreis von rund 2,11 Euro für E10 und 2,27 Euro für Diesel. Beides wären klare Rekorde. Die bisherigen Höchststände lagen bei 2,07 Euro für E10 im März 2022 und 2,16 Euro für Diesel im vergangenen März. Nur ein extremer Preissturz am letzten Apriltag könnte die neuen Rekorde noch verhindern. In der Spitze war Diesel so teuer wie nie, Benzin verpasste seinen Rekord aus dem Jahr 2022 nur knapp. Autofahrer, die jetzt mehr als 100 Euro für eine Tankfüllung ausgeben, werden durch diese Zahlen kaum getröstet.

Inflationsbereinigt relativiert sich die Belastung

Bereinigt um die zwischenzeitliche Inflation sehen die Preise anders aus. Das allgemeine Preisniveau lag im April gut 25 Prozent höher als im Durchschnitt des Jahres 2020, wie vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Rechnet man die Spritpreise auf das Preisniveau von 2020 um, ergeben sich für E10 nur 1,68 Euro pro Liter, für Diesel 1,81 Euro. Vergleicht man diese preisbereinigten Werte mit den Monatspreisen seit Anfang 2011, liegt der Dieselpreis zwar immer noch hoch, aber deutlich unter dem Hoch von umgerechnet 1,98 Euro im März 2022. E10 fällt im Vergleich zu früheren Preisen sogar noch weiter zurück: Inflationsbereinigt war der Kraftstoff nicht nur in der Anfangsphase des Ukrainekrieges teurer, sondern auch über lange Zeiträume in den Jahren 2011 und 2012.

Ökonom hinterfragt politische Reaktion

Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) weist darauf hin, dass Sprit gemessen an der allgemeinen Preisentwicklung in den 2010er-Jahren „kontinuierlich billiger geworden“ sei. „Dann kamen die zwei Preisschübe, in der Energiekrise nach Russlands Überfall und jetzt. Aber noch zur Jahreswende lagen die preisbereinigten Spritkosten mehr als zehn Prozent unter dem Niveau von Anfang der 2010er.“ Berücksichtige man zudem, dass die Kaufkraft zugelegt habe und der Spritverbrauch pro PS rückläufig sei, relativiere sich die effektive Belastung der Autofahrer stark. Dies werfe die Frage auf, warum die Politik „so schnell das Scheckbuch zückt“. Die Aussage stellt die Dringlichkeit des Tankrabatts in Frage, auch wenn die aktuellen Nominalpreise für viele Autofahrer schmerzhaft sind.

Ausblick: Preise könnten erst zeitverzögert sinken

Wie schnell der Tankrabatt an den Zapfsäulen ankommt, bleibt unklar. Da er nur für Benzin gilt, das nach Mitternacht die Raffinerien verlässt, könnte es Tage dauern, bis die niedrigeren Steuersätze vollständig weitergegeben werden. Die Tankstellen sind nicht verpflichtet, den Rabatt sofort zu gewähren. Autofahrer können auf die Preisentwicklung im Verlauf des Aprils schauen: Zuletzt lagen die Preise ein gutes Stück unter den Hochs rund um Ostern. Selbst diese Höchststände sehen inflationsbereinigt weniger drastisch aus: Bei Diesel werden aus 2,447 Euro am 7. April umgerechnet 1,95 Euro, bei E10 aus 2,192 Euro am 6. April 1,75 Euro. Ob der Tankrabatt die erhoffte Entlastung bringt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Das Wichtigste

  • Der Mittagssprung am 29. April war der höchste seit Einführung der 12-Uhr-Regel: Diesel +17,7 Cent, E10 +15,4 Cent.
  • Der April wird voraussichtlich der teuerste Tankmonat aller Zeiten mit Durchschnittspreisen von 2,11 Euro (E10) und 2,27 Euro (Diesel).
  • Inflationsbereinigt (Basis 2020) liegen die Preise mit 1,68 Euro (E10) und 1,81 Euro (Diesel) unter den Höchstständen von 2011/2012.
  • Der Tankrabatt von 16,7 Cent pro Liter tritt am 1. Mai in Kraft, doch Tankstellen müssen ihn nicht sofort weitergeben.
  • Ökonom Friedrich Heinemann (ZEW) relativiert die Belastung und hinterfragt die schnelle politische Reaktion.
  • Die Preise könnten erst zeitverzögert sinken, da der Rabatt nur für Benzin ab Raffinerieaustritt nach Mitternacht gilt.
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