Volkswagen-Aktie nahe Jahrestief: Elektroverkäufe brechen in China um 64 Prozent ein
Der Autobauer kämpft mit massiven Überkapazitäten und einer operativen Marge von nur 2,8 Prozent, während ein neues Vehicle-to-Grid-Angebot ab dem vierten Quartal 2026 Hoffnung geben soll.
GERMANY —
Die Fakten
- VW-Vorzugsaktie notiert bei 85,94 Euro, 21,28 Prozent unter 52-Wochen-Hoch von 109,15 Euro.
- Elektroverkäufe in China brachen im ersten Quartal 2026 um 64 Prozent ein.
- In den USA sanken die E-Auto-Verkäufe um 80 Prozent auf nur 4.000 Einheiten.
- Operative Marge 2025 betrug 2,8 Prozent; Ziel für 2026: 4 bis 5,5 Prozent.
- Werk in Hefei ruht bis zu 14 Stunden täglich wegen Überkapazitäten.
- Vehicle-to-Grid-Angebot ab Q4 2026 geplant; bis zu 900 Euro Vergütung pro Jahr.
- 52-Wochen-Tief der VW-Aktie liegt bei 83,24 Euro, aktuell 3,97 Prozent darüber.
- Analysten-Kursziel im Schnitt 117,00 Euro; RBC nennt 131 Euro.
Kursrutsch und bärische Signale
Die Volkswagen-Vorzugsaktie hat in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste auf fast 20 Prozent, der Kurs bewegt sich um 85,94 Euro – nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 83,24 Euro. Am 30. April 2026 fiel das Papier sogar bis auf 82,66 Euro, ein neues Jahrestief. Das charttechnische Bild gibt wenig Anlass zur Hoffnung: Das sogenannte Todeskreuz ist bestätigt, der 50-Tage-Durchschnitt hat den 200-Tage-Durchschnitt von oben nach unten durchschnitten. Zudem brach der Kurs zuletzt wieder unter die wichtige 90-Euro-Marke, der Relative-Stärke-Index liegt bei 36 und signalisiert anhaltende Schwäche.
Elektroabsatz bricht in Kernmärkten ein
Im ersten Quartal 2026 lieferte Volkswagen weltweit rund 2,05 Millionen Fahrzeuge aus, knapp 4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders dramatisch ist die Lage in China: Die Elektroverkäufe stürzten um 64 Prozent ab. In den USA wurden bis März gerade einmal 4.000 E-Autos verkauft, ein Rückgang von 80 Prozent. Als Konsequenz stellt Volkswagen die US-Produktion des ID.4 ein und setzt stattdessen auf klassische Verbrenner-SUVs vom Typ Atlas. Lichtblicke gibt es in Europa und Südamerika, wo der Konzern leichte Zuwächse verzeichnen konnte. Der Marktanteil heimischer Hersteller bei Elektroautos in Deutschland rutschte im März auf 56 Prozent, während ausländische Anbieter wie BYD von der neuen E-Auto-Prämie profitieren.
Überkapazitäten und Werksschließungen im Raum
Volkswagen kämpft mit massiven Überkapazitäten, insbesondere im chinesischen Werk Hefei, wo die Bänder teils bis zu 14 Stunden täglich ruhen. CEO Oliver Blume schließt Werksschließungen inzwischen nicht mehr grundsätzlich aus, spricht aber von intelligenteren Lösungen. Eine Option ist, in China entwickelte Modelle in europäischen Werken zu fertigen, um die Auslastung zu verbessern. Die operative Marge lag 2025 bei mageren 2,8 Prozent; für 2026 peilt der Vorstand 4 bis 5,5 Prozent an – Analysten hatten zuletzt 5,3 Prozent erwartet.
Vehicle-to-Grid: Strom aus der Autobatterie verkaufen
Ab dem vierten Quartal 2026 will Volkswagen gemeinsam mit seiner Tochter Elli ein Vehicle-to-Grid-Angebot auf den Markt bringen. Die Idee: Elektroautobesitzer können den in ihrer Fahrzeugbatterie gespeicherten Strom ins öffentliche Netz einspeisen und dafür eine Vergütung erhalten. Laut Marktschätzungen sind bis zu 900 Euro pro Jahr möglich. Vorregistrierungen sollen ab Juni möglich sein. Das Paket umfasst Fahrzeug, App, Stromtarif, Smart Meter, bidirektionale Wallbox und Installation. Rund eine Million Fahrzeuge in Europa sind technisch bereits dafür vorbereitet; mit der kommenden Softwareversion ID.6 soll die Funktion auf weitere Modelle ausgeweitet werden.
Quartalszahlen und Ausblick
Am 10. März 2026 legte Volkswagen die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Der Gewinn je Aktie betrug 6,29 Euro, nach 6,24 Euro im Vorjahresquartal. Der Umsatz sank um 4,73 Prozent auf 83,24 Milliarden Euro. Die Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 werden voraussichtlich am 24. Juli 2026 präsentiert. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten Experten ein EPS von 19,98 Euro. Der Aufsichtsrat tagt parallel, und die Märkte warten gespannt auf Entscheidungen zur strategischen Neuausrichtung. Analysten sehen beim durchschnittlichen Kursziel von 117,00 Euro Potenzial, RBC nennt sogar 131 Euro – doch das Chartbild spricht derzeit gegen einen Einstieg, solange die Aktie unter 95 Euro bleibt.
Das Wichtigste
- Die VW-Aktie notiert nahe ihrem 52-Wochen-Tief und zeigt klar bärische Chartmuster.
- Elektroverkäufe in China und den USA sind massiv eingebrochen, was zu Produktionsanpassungen führt.
- Überkapazitäten und eine niedrige operative Marge belasten das Unternehmen; Werksschließungen sind nicht ausgeschlossen.
- Das Vehicle-to-Grid-Angebot ab Q4 2026 könnte neue Einnahmequellen erschließen, aber die kurzfristige Trendwende bleibt fraglich.
- Die Quartalszahlen am 30. April und die Aufsichtsratsentscheidungen sind richtungsweisend für die weitere Kursentwicklung.
- Die Bewertung ist auf aktuellem Niveau günstig, doch charttechnische Widerstände bei 95 Euro verhindern eine Erholung.






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