Économie

AMS-Plattform: 500.000 Nutzer profitieren von vereinfachtem Zugang – Arbeitsmarkt unter Druck

Während die Zahl der offenen Stellen im März um 8,8 Prozent sinkt, verzeichnet das AMS eine gestiegene Bereitschaft, Jobs anzunehmen – und einen grundlegenden digitalen Umbau.

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AMS-Plattform: 500.000 Nutzer profitieren von vereinfachtem Zugang – Arbeitsmarkt unter Druck
Während die Zahl der offenen Stellen im März um 8,8 Prozent sinkt, verzeichnet das AMS eine gestiegene Bereitschaft, JobCredit · Heute

Die Fakten

  • Über 500.000 Menschen in Österreich nutzen bereits die neue AMS-Plattform.
  • Im März 2025 gab es 74.534 sofort verfügbare offene Stellen – ein Rückgang von 8,8 % gegenüber dem Vorjahr.
  • AMS-Vorstand Johannes Kopf spricht von gestiegener Sorge bei Arbeitssuchenden und erhöhter Bereitschaft, Stellen anzunehmen.
  • Petra Draxl, Vorständin des AMS, betont: „Für 500.000 Menschen heißt das: kein Warten mehr, kein Amtsweg.“
  • Der Anteil der Personen, die Arbeit wichtiger als Freizeit einstufen, sank von 37 % (1986) auf 22 % (2023).
  • Die Zahl der Erwerbstätigen in Österreich stieg um 750.000 auf 4,5 Millionen im selben Zeitraum.
  • Ein Klient mit 20 Jahren Erfahrung in der metall-elektrischen Industrie sucht derzeit vergeblich nach einer Stelle.

Ein digitaler Neuanfang für das AMS

Mehr als eine halbe Million Menschen in Österreich haben bereits den Umstieg auf eine neue Plattform des Arbeitsmarktservice (AMS) vollzogen, die den Zugang zu Leistungen radikal vereinfacht. „Kein Warten mehr, kein Amtsweg“, fasst AMS-Vorständin Petra Draxl den Vorteil zusammen. Der digitale Umbau im Hintergrund – nicht etwa strengere Regeln oder weniger Geld – steht im Zentrum der aktuellen Entwicklung. Die Plattform ist Teil einer umfassenden Modernisierung, die den bürokratischen Aufwand für Arbeitssuchende reduzieren soll. Während die Nutzerzahlen steigen, verändert sich jedoch auch die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt grundlegend.

Weniger offene Stellen, mehr Druck auf Bewerber

Im März 2025 verzeichnete das AMS 74.534 sofort verfügbare offene Stellen – ein Rückgang um 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Wir beobachten eine gestiegene Sorge bei Arbeitssuchenden und eine gestiegene Bereitschaft, Jobs anzunehmen“, sagt AMS-Vorstand Johannes Kopf. Noch 2022 konnten sich qualifizierte Arbeitskräfte ihre Jobs praktisch aussuchen, doch diese Zeiten sind vorbei. Vor allem Berufseinsteiger haben es heute schwerer. Ein aktueller Fall, den ein AMS-Mitarbeiter namens Liebl schildert, betrifft einen Klienten mit 20 Jahren Berufserfahrung in der metall-elektrischen Industrie, der trotz seiner Qualifikation Schwierigkeiten hat, eine Stelle zu finden.

Wertewandel: Arbeit verliert an Bedeutung

Parallel zum wirtschaftlichen Wandel zeigt sich ein gesellschaftlicher: Der Anteil der Österreicher, die Arbeit als wichtigeren Lebensbereich als Freizeit einstufen, sank von 37 Prozent im Jahr 1986 auf 22 Prozent im Jahr 2023. Gleichzeitig stieg der Anteil jener, die beide Bereiche als gleich wichtig betrachten, auf knapp 50 Prozent. Auch bei Männern hat sich die Einstellung verändert: Der Anteil derer, die Freizeit priorisieren, stieg von sechs auf 14 Prozent binnen 20 Jahren. Neuere Daten aus dem Jahr 2023 deuten auf ein ähnliches Niveau hin, wie die Forscherin Boór berichtet. Ähnliche Entwicklungen ließen sich in mehreren europäischen Ländern beobachten.

Mehr Erwerbstätige, aber veränderte Dynamik

Trotz des schwierigeren Marktes ist die Zahl der Erwerbstätigen in Österreich in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen: um 750.000 auf 4,5 Millionen. Gleichzeitig nimmt das AMS eine veränderte Rückmeldung der Betriebe wahr. „Heute sind auch wieder gute Leute am Markt“, sagt Kopf. Dies deutet darauf hin, dass die Arbeitgeber wieder mehr Auswahl haben und die Zeiten des Fachkräftemangels zumindest vorerst vorbei sein könnten. Der Wandel zeigt sich auch in der Art der Vermittlung: Die neue Plattform soll nicht nur den Zugang erleichtern, sondern auch die Effizienz der Jobsuche erhöhen.

Ausblick: Digitalisierung als Antwort auf den Druck

Die Digitalisierung des AMS kommt in einer Phase, in der der Arbeitsmarkt unter Druck steht. Die Plattform mit über 500.000 Nutzern ist ein zentraler Baustein, um die steigende Nachfrage nach Vermittlung zu bewältigen. Ob die Vereinfachung ausreicht, um die wachsende Sorge der Arbeitssuchenden zu lindern, bleibt abzuwarten. Die Kombination aus weniger offenen Stellen, gestiegener Jobbereitschaft und einem Wertewandel hin zu mehr Freizeitorientierung stellt das AMS vor neue Herausforderungen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die digitale Transformation den erhofften Effekt bringt.

Das Wichtigste

  • Über 500.000 Menschen nutzen bereits die neue AMS-Plattform, die den Zugang zu Leistungen vereinfacht.
  • Die Zahl der offenen Stellen sank im März um 8,8 % auf 74.534 – ein Zeichen für einen angespannteren Arbeitsmarkt.
  • AMS-Vorstand Johannes Kopf berichtet von gestiegener Sorge und höherer Bereitschaft, Jobs anzunehmen.
  • Der gesellschaftliche Stellenwert der Arbeit sinkt: Nur noch 22 % der Österreicher stufen Arbeit als wichtiger ein als Freizeit.
  • Trotz schwierigerer Bedingungen stieg die Zahl der Erwerbstätigen auf 4,5 Millionen – ein Plus von 750.000.
  • Die Digitalisierung des AMS ist ein zentraler Schritt, um den wachsenden Druck auf dem Arbeitsmarkt zu bewältigen.
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