Économie

Arbeitslosigkeit in der Steiermark steigt um 3,7 Prozent – Akademiker besonders betroffen

Während die Gesamtarbeitslosigkeit moderat zunimmt, verzeichnen Hochqualifizierte einen Anstieg von 28,6 Prozent – ein Zeichen für den tiefgreifenden Wandel des Arbeitsmarktes.

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Arbeitslosigkeit in der Steiermark steigt um 3,7 Prozent – Akademiker besonders betroffen
Während die Gesamtarbeitslosigkeit moderat zunimmt, verzeichnen Hochqualifizierte einen Anstieg von 28,6 Prozent – ein ZCredit · Finanz.at

Die Fakten

  • Ende April waren 38.000 Menschen in der Steiermark arbeitslos gemeldet, ein Plus von 1.350 Personen gegenüber dem Vorjahr.
  • Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,5 Prozent, 0,2 Prozentpunkte mehr als im April 2023.
  • Unter den Akademikern wuchs die Arbeitslosigkeit um 28,6 Prozent auf 3.648 Personen.
  • 60 Prozent der zusätzlichen Arbeitslosen (811 Personen) haben einen akademischen Abschluss.
  • Die Arbeitslosigkeit bei Frauen stieg um 7,2 Prozent, bei Männern nur um 0,9 Prozent.
  • Im Bezirk Mürzzuschlag gab es mit fast 12 Prozent den stärksten Anstieg der Arbeitslosigkeit.
  • In den Branchen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Bergbau war der Zuwachs am größten.

Moderater Anstieg mit dramatischen Verschiebungen

Mit Ende April waren in der Steiermark 38.000 Menschen beim Arbeitsmarktservice als arbeitslos gemeldet. Das sind 1.350 Personen oder 3,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das AMS Steiermark spricht von einem „moderaten Anstieg der Arbeitslosigkeit“. Doch hinter dem Gesamtwert verbergen sich tiefgreifende strukturelle Veränderungen. Zählt man die Personen in AMS-Schulungen hinzu, steigt die Zahl der Beschäftigungslosen auf 46.707 – ein Plus von 1.784 oder 4 Prozent. Die geschätzte Arbeitslosenquote beträgt 6,5 Prozent, 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Hochqualifizierten: Die Arbeitslosigkeit unter Akademikern legte um 28,6 Prozent zu, auf 3.648 Personen.

Akademiker verlieren ihren Schutzschild

Von den 1.350 zusätzlich arbeitslosen Menschen verfügen 60 Prozent – 811 Personen – über einen akademischen Abschluss. „Insgesamt betrug das Arbeitslosenplus bei den Akademikern im Jahresvergleich 28,6 Prozent“, rechnete Karl-Heinz Snobe, Geschäftsführer des AMS Steiermark, vor. Akademische Abschlüsse böten auf dem Arbeitsmarkt keinen automatischen Schutz mehr vor Arbeitslosigkeit, so das AMS. Das Arbeitsmarktservice führt diese Entwicklung unter anderem auf den Einfluss Künstlicher Intelligenz zurück. KI verdränge bestehende Jobs, schaffe aber auch neue Geschäftsmodelle und höhere Produktivität. Der Arbeitsmarkt stehe weniger vor einem Einbruch als vor einem tiefgreifenden Umbruch mit stark veränderten Tätigkeitsprofilen.

Frauen und Ältere stärker betroffen, Jugendliche entlastet

Die Arbeitslosigkeit stieg im April bei Frauen mit 7,2 Prozent deutlich stärker als bei Männern, die lediglich ein Plus von 0,9 Prozent verzeichneten. Bei Menschen über 50 Jahren betrug der Anstieg 5,3 Prozent. Hingegen ging die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen um 4,2 Prozent zurück. Im Österreich-Vergleich liegt die Steiermark mit einem Plus von 3,7 Prozent über dem Bundesschnitt von 2,7 Prozent. Das größte Plus meldete Vorarlberg, während Kärnten und Oberösterreich sogar Rückgänge verzeichneten.

Regionale und branchenspezifische Unterschiede

In vier steirischen Regionen – Gleisdorf, Bruck an der Mur, Liezen und Feldbach – gab es im April weniger Arbeitslose als vor einem Jahr. In allen anderen Regionen stieg die Arbeitslosigkeit, am schwächsten in Leoben, am stärksten in Mürzzuschlag mit einem Plus von fast zwölf Prozent. Nach Branchen war der Anstieg in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Bergbau am stärksten, gefolgt von der Warenherstellung und der Energie- und Wasserversorgung. Rückgänge gab es unter anderem im Handel, Verkehr und in der Gastronomie.

Umbruch statt Einbruch: AMS setzt auf Weiterbildung

„Diese Transformation lässt sich nicht aufhalten“, betonte Karl-Heinz Snobe. Entscheidend sei, nach vorne zu modernisieren und gezielt in neue Kompetenzen zu investieren. Die steigende Arbeitslosigkeit bei Hochqualifizierten sei kein Grund zur Resignation. „Gerade ihre Stärken liegen in Anpassungsfähigkeit und Weiterentwicklung. Der Blick sollte nicht darauf gerichtet sein, was KI übriglässt, sondern darauf, welche neuen Aufgaben Menschen künftig übernehmen können.“ Das AMS Steiermark sieht die Entwicklung als Chance, den Arbeitsmarkt aktiv zu gestalten. Die Herausforderung bestehe darin, Arbeitnehmer auf die veränderten Anforderungen vorzubereiten und sie in zukunftsträchtige Bereiche zu lenken.

Das Wichtigste

  • Die Arbeitslosigkeit in der Steiermark stieg im April um 3,7 Prozent, wobei Akademiker mit einem Plus von 28,6 Prozent überproportional betroffen sind.
  • Frauen und Menschen über 50 Jahre verzeichnen stärkere Anstiege als Männer und Jugendliche.
  • Der Wandel durch Künstliche Intelligenz verändert Tätigkeitsprofile und erfordert gezielte Investitionen in neue Kompetenzen.
  • Regional ist Mürzzuschlag mit fast 12 Prozent Anstieg am stärksten betroffen, während einige Bezirke Rückgänge verzeichnen.
  • Das AMS Steiermark sieht keinen Einbruch, sondern einen tiefgreifenden Umbruch des Arbeitsmarktes.
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