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Fernpassstraße am 27. Juni für zwei Stunden gesperrt – Bürgerinitiativen protestieren gegen „Fernpass-Paket“

Die Behörden akzeptieren die Versammlungen aufgrund der Rechtsprechung des Landesverwaltungsgerichts und bereiten sich auf mögliche weitere Proteste im August vor.

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Fernpassstraße am 27. Juni für zwei Stunden gesperrt – Bürgerinitiativen protestieren gegen „Fernpass-Paket“
Die Behörden akzeptieren die Versammlungen aufgrund der Rechtsprechung des Landesverwaltungsgerichts und bereiten sich aCredit · tirol.ORF.at

Die Fakten

  • Sperre der B179 Fernpassstraße am Samstag, 27. Juni 2026, von 10:00 bis 12:00 Uhr.
  • Betroffene Abschnitte: Reutte/Katzenberg (Außerferner Seite) und Nassereith/Rastland (Imster Seite).
  • Angemeldete Versammlungen von Bürgerinitiativen aus den Bezirken Reutte und Imst.
  • Rechtsprechung des Landesverwaltungsgerichts verhindert ein behördliches Verbot der Versammlungen.
  • Das Land Tirol empfiehlt großräumige Umfahrung der Route während der Sperre.
  • Die Proteste richten sich gegen das „Fernpass-Paket“ der schwarz-roten Landesregierung.
  • Geplante Infrastruktur: zweite Röhre Lermoosertunnel (250 Mio. Euro, Baustart 2027) und Fernpasstunnel (160 Mio. Euro, Inbetriebnahme 2029).
  • Parallel dazu findet am 30. Mai eine Anti-Transit-Demo auf der Brennerautobahn (A13) statt, die den gesamten Brennerkorridor lahmlegt.

Zweistündige Vollsperre mitten im Reiseverkehr

Am Samstag, dem 27. Juni 2026, wird die Fernpassstraße (B179) für den gesamten Verkehr gesperrt. Von 10:00 bis 12:00 Uhr ist ein Passieren der Strecke in beide Richtungen unmöglich. Die Sperre betrifft die Abschnitte bei Reutte/Katzenberg auf der Außerferner Seite sowie bei Nassereith/Rastland auf der Imster Seite. Das Land Tirol empfiehlt Reisenden, die Fernpassroute an diesem Tag großräumig zu umfahren. Der Zeitpunkt fällt mit dem beginnenden Reiseverkehr zusammen, was die Behinderungen zusätzlich verschärft. Die Behörden arbeiten bereits an einem begleitenden Verkehrskonzept und kündigten eine umfassende Information der Bevölkerung, Reisenden und Interessensgruppen an.

Bürgerinitiativen erzwingen Sperre dank Gerichtsentscheidung

Hintergrund der Sperre sind angemeldete Versammlungen von Bürgerinitiativen aus den Bezirken Reutte und Imst. Das Land Tirol teilte mit, dass die Versammlungen aufgrund der Rechtsprechung des Landesverwaltungsgerichts nicht untersagt werden können. Daher bleibt den Behörden keine andere Wahl, als die Straße für die Dauer der Kundgebungen zu sperren. Die Bezirkshauptfrauen Katharina Rumpf (Reutte) und Eva Loidhold (Imst) erklärten, dass die Erfahrungen und Evaluierungen dieses Tages als Grundlage für die Prüfung einer weiteren angemeldeten Versammlung im reisestarken August auf beiden Seiten dienen. Dies deutet auf eine mögliche Wiederholung der Proteste hin.

Protest gegen das „Fernpass-Paket“ der Landesregierung

Die Versammlungen werden von der Bürgerinitiative „Gurgltal, Außerfern, Mieminger Plateau“ organisiert. Sie richtet sich gegen das sogenannte „Fernpass-Paket“ der schwarz-roten Tiroler Landesregierung. Die Initiative befürchtet durch das Infrastrukturprojekt eine weitere Zunahme des Verkehrs und eine zunehmende Belastung des Lebensraums. Das „Fernpass-Paket“ soll den Bezirk Reutte besser an den Tiroler Zentralraum anbinden. Vorgesehen sind unter anderem eine zweite Röhre für den Lermoosertunnel sowie der Bau des Fernpasstunnels. Die Kosten für den Lermoosertunnel belaufen sich auf 250 Millionen Euro, der Baustart ist für 2027 geplant. Der Fernpasstunnel soll 160 Millionen Euro kosten, der Spatenstich für das Südportal noch in diesem Jahr erfolgen; die Inbetriebnahme wird für 2029 erwartet. Weitere 90 Millionen Euro sind für Maßnahmen an der Strecke vorgesehen. Der Fernpasstunnel wird 1,4 Kilometer lang sein und 4,8 Kilometer Passstrecke ersetzen. Zur Finanzierung wird eine Maut- und Erhaltungsgesellschaft gegründet; die Maut für Pkw beträgt rund 14 Euro.

Brenner-Sperre am 30. Mai als Vorbote

Die Sperre auf der Fernpassstraße ist nicht die einzige Beeinträchtigung des Verkehrs in Tirol. Bereits am 30. Mai wird auf der Brennerautobahn (A13) eine Anti-Transit-Demonstration stattfinden. Diese wurde vom Bürgermeister von Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, als Privatperson angemeldet und ebenfalls nicht untersagt. An diesem Tag wird der gesamte Brennerkorridor von 11:00 bis 19:00 Uhr gesperrt – die Autobahn, die Brennerstraße (B182) und die Ellbögener Straße (L38). Die weitreichenden Auswirkungen auf den überregionalen Verkehr haben scharfe Kritik aus Bayern und Südtirol hervorgerufen. Die Asfinag hat bereits Alarm geschlagen, und Land sowie Polizei setzen auf Notmaßnahmen, um den Transitverkehr zu stoppen.

Behörden bereiten sich auf weitere Proteste vor

Die Bezirkshauptfrauen Rumpf und Loidhold kündigten an, dass die Evaluierung des 27. Juni als Grundlage für die Prüfung einer weiteren Versammlung im August dienen werde. Dies lässt erwarten, dass die Proteste gegen das „Fernpass-Paket“ anhalten könnten. Die Behörden arbeiten bereits jetzt mit der Polizei und Einsatzorganisationen an notwendigen Maßnahmen, darunter ein begleitendes Verkehrskonzept. Eine umfassende Kommunikation über die Sperre soll sicherstellen, dass Bürger, Reisende und Interessensgruppen rechtzeitig informiert werden, um die Auswirkungen zu minimieren und die Sicherheit zu gewährleisten.

Rechtliche und politische Dimensionen

Die Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts, die Versammlungen nicht zu untersagen, zeigt die rechtlichen Grenzen staatlicher Eingriffe in das Versammlungsrecht. Die Behörden müssen die Sperren hinnehmen, auch wenn sie erhebliche Verkehrsbehinderungen verursachen. Die Proteste richten sich gegen ein milliardenschweres Infrastrukturprojekt, das die Region nachhaltig verändern soll. Die Kritik aus Bayern und Südtirol an der Brenner-Sperre verdeutlicht die überregionale Bedeutung der Tiroler Transitwege. Die Entwicklungen auf der Fernpassstraße und am Brenner könnten Signalwirkung für weitere Proteste in anderen Alpenregionen haben.

Ausblick: Ein Sommer der Straßenblockaden?

Mit der Sperre am 27. Juni und der bereits feststehenden Brenner-Blockade am 30. Mai zeichnet sich ein Sommer ab, der von Protesten auf Tirols Hauptverkehrsadern geprägt sein könnte. Die Bürgerinitiativen haben angekündigt, die Erfahrungen vom Juni für eine mögliche weitere Aktion im August zu nutzen. Der reisestarke August könnte dann erneut zu massiven Behinderungen führen. Die Landesregierung steht vor der Herausforderung, einerseits das Versammlungsrecht zu respektieren, andererseits die Verkehrsinfrastruktur funktionsfähig zu halten. Die geplanten Tunnelprojekte sollen langfristig Entlastung bringen, doch die Gegner befürchten das Gegenteil. Der Konflikt zwischen Verkehrspolitik und Bürgerprotesten wird sich in den kommenden Monaten weiter zuspitzen.

Das Wichtigste

  • Die Fernpassstraße (B179) wird am 27. Juni 2026 von 10 bis 12 Uhr gesperrt – Grund sind angemeldete Versammlungen von Bürgerinitiativen gegen das „Fernpass-Paket“.
  • Die Sperre betrifft die Abschnitte Reutte/Katzenberg und Nassereith/Rastland; das Land Tirol empfiehlt großräumige Umfahrung.
  • Die Versammlungen können aufgrund der Rechtsprechung des Landesverwaltungsgerichts nicht verboten werden.
  • Die Bürgerinitiative „Gurgltal, Außerfern, Mieminger Plateau“ protestiert gegen das Infrastrukturprojekt, das Tunnelbauten für 500 Millionen Euro vorsieht.
  • Parallel dazu findet am 30. Mai eine Anti-Transit-Demo auf der Brennerautobahn statt, die den gesamten Brennerkorridor lahmlegt.
  • Die Behörden evaluieren den 27. Juni als Grundlage für mögliche weitere Proteste im August – der Sommer könnte von Blockaden geprägt sein.
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