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Gaza-Hilfsflotte auf Kreta gestrandet: Israelische Marine stoppte 20 Boote in internationalen Gewässern

Rund 30 Schiffe der „Global Sumud Flotilla“ erreichten den Hafen Ierapetra, nachdem die israelische Marine Dutzende Boote abgefangen und 175 Aktivisten festgenommen hatte.

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Gaza-Hilfsflotte auf Kreta gestrandet: Israelische Marine stoppte 20 Boote in internationalen Gewässern
Rund 30 Schiffe der „Global Sumud Flotilla“ erreichten den Hafen Ierapetra, nachdem die israelische Marine Dutzende BootCredit · ORF

Die Fakten

  • Die israelische Marine fing in der Nacht zum Donnerstag mehr als 20 Schiffe der Flotte ab.
  • 175 Aktivisten wurden festgenommen und nach Griechenland gebracht.
  • 30 Boote legten am Freitag im Hafen von Ierapetra auf Kreta an.
  • Die Flotte war am 12. April aus Barcelona ausgelaufen und sollte rund 70 Schiffe und 1.000 Personen umfassen.
  • Deutschland und Italien riefen Israel zur „uneingeschränkten Achtung des Völkerrechts“ auf.
  • Israel wirft der Flotte Verbindungen zur Hamas vor und brachte zwei Aktivisten zu Befragungen nach Israel.
  • Im Vorjahr wurde eine ähnliche Flotte mit Greta Thunberg gestoppt; über 300 Aktivisten wurden festgesetzt.

Flotte erreicht Kreta nach israelischem Eingriff

Rund zweieinhalb Wochen nach dem Auslaufen ihrer meisten Schiffe ist der Großteil der Gaza-Hilfsflotte vorerst auf der griechischen Insel Kreta gestrandet. 30 Boote der „Global Sumud Flotilla“ trafen am Freitag im Hafen von Ierapetra im Südosten Kretas ein. Zuvor hatte die israelische Marine in der Nacht zum Donnerstag mehr als 20 Schiffe abgefangen und 175 Menschen festgenommen – in internationalen Gewässern, was internationale Kritik auslöste. Die Organisatoren der Flotte teilten mit, die Flottille habe sichere Gewässer erreicht und formiere sich derzeit neu. Sie sei bereit, ihre Reise fortzusetzen, „um die illegale Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen“. Die israelische Marine hatte die Boote vor der griechischen Küste gestoppt. Griechenland erklärte sich bereit, die Festgenommenen aufzunehmen und ihre Rückreise in die Herkunftsländer zu ermöglichen.

Israelische Marine handelt in internationalen Gewässern

Die israelische Marine stoppte die Schiffe in internationalen Gewässern vor Kreta, was für scharfe Kritik sorgte. Deutschland und Italien wandten sich mit einer Erklärung an Israel: „Wir rufen zur uneingeschränkten Achtung des geltenden Völkerrechts sowie zur Unterlassung unverantwortlicher Handlungen auf.“ Zugleich verteidigten Berlin und Rom die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, „im Einklang mit dem Völkerrecht und internationalen Standards humanitäre Hilfe im Gazastreifen zu leisten“. Israel betont dagegen, die Operation sei im Einklang mit dem Völkerrecht verlaufen und es habe keine Verletzten gegeben. Die Organisatoren der Flotte werfen Israel ein gewaltsames Vorgehen vor. Israels Außenministerium teilte mit, dass zwei Aktivisten zu Befragungen nach Israel gebracht würden. Einem Mann werde vorgeworfen, Verbindungen zu einer Terrororganisation zu haben; einem weiteren werden illegale Aktivitäten vorgeworfen. Details blieben zunächst offen.

Flotte will Blockade durchbrechen – Israel sieht Hamas-Verbindung

Die Flotte soll Hilfsgüter in den seit 2007 von einer Seeblockade betroffenen Gazastreifen bringen. Sie versteht sich selbst aber auch als Protestaktion „gegen die israelische Militärgewalt dort“ – unter dem Slogan „Die Welt steht auf für Palästina“. Israel sieht die Initiative hingegen von der palästinensischen Terrororganisation Hamas gesteuert, die sie als humanitäres Projekt tarnen soll. Israel veröffentlichte Dokumente, die eine Beteiligung der Hamas an der Finanzierung und Durchführung der Flottille belegen sollen. Die ersten Schiffe waren am 12. April aus dem Hafen Barcelona in Spanien ausgelaufen. Laut Organisatoren sollte die Flotte an die 70 Schiffe und 1.000 Personen umfassen. Nach dem israelischen Eingriff erreichten nur 30 Boote Kreta. Wie lange die Aktivistenflotte in Ierapetra bleiben wird, war zunächst unklar.

Zahlen und Fakten zur aktuellen und vorherigen Flotte

Die israelische Marine fing in der Nacht zum Donnerstag mehr als 20 Schiffe ab und nahm 175 Menschen fest. Griechenland erklärte sich bereit, die Festgenommenen aufzunehmen; sie wurden am Freitag zum kleinen Hafen von Atherinolakos im Südosten Kretas gebracht und sollten später nach Heraklion reisen. Die Organisatoren der Flotte gaben an, die Flottille habe sichere Gewässer erreicht. Daten eines Online-Trackers der Initiatoren sowie des Schiffsverfolgungssystems Marine Traffic bestätigten, dass Teile des Bootsverbands in die Bucht von Ierapetra eingelaufen sind. Bereits im vergangenen Jahr war eine ähnliche, aber nur halb so große Gaza-Flotte von Barcelona aufgebrochen. Die Flotte mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg, unterstützt von Prominenten wie Susan Sarandon und Liam Cunningham, konnte sich im Oktober nur bis auf etwa 70 Seemeilen dem Gazastreifen nähern. Fast alle der ursprünglich 45 Schiffe wurden von der israelischen Marine abgefangen; Bilder zeigten Soldaten mit Waffen im Anschlag. Mehr als 300 Aktivisten wurden in Israel festgesetzt und nach Tagen freigelassen, darunter vier aus Österreich, unter ihnen der Ex-Skirennläufer Julian Schütter.

Internationale Reaktionen und offene Fragen

Die Aktion der israelischen Marine sorgte international für Kritik. Deutschland und Italien appellierten an Israel, das Völkerrecht zu achten. Die Organisatoren der Flotte werfen Israel ein gewaltsames Vorgehen vor, während Israel betont, die Operation sei völkerrechtskonform verlaufen. Die Flotte will ihre Reise fortsetzen, doch Israel wird dies kaum zulassen. Die israelische Marine hatte bereits im Vorjahr die Flotte gestoppt und die Besatzungen festgesetzt. Unklar bleibt, wie lange die 30 Boote in Ierapetra bleiben werden und ob sie einen erneuten Versuch unternehmen werden, die Blockade zu durchbrechen. Die israelischen Behörden haben zwei Aktivisten zu Befragungen nach Israel gebracht, was die Spannungen weiter verschärfen könnte. Die Vorwürfe gegen die beiden Männer wurden nicht näher erläutert.

Bedeutung der Flotte im Kontext der Gaza-Blockade

Die wiederholten Versuche, die Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen, zeigen die anhaltende humanitäre Krise und die politische Pattsituation. Die Blockade besteht seit 2007, als die Hamas die Kontrolle über den Gazastreifen übernahm. Israel rechtfertigt die Blockade mit Sicherheitsinteressen, während Kritiker sie als illegal und kollektive Bestrafung ansehen. Die „Global Sumud Flotilla“ ist nicht nur ein humanitärer Konvoi, sondern auch ein politisches Statement. Die Beteiligung internationaler Aktivisten und die wiederholten Konfrontationen mit der israelischen Marine lenken die Aufmerksamkeit auf die Lage in Gaza. Ob die Flotte ihr Ziel erreichen wird, bleibt fraglich – die israelische Marine hat ihre Entschlossenheit gezeigt, die Blockade durchzusetzen, auch unter Inkaufnahme diplomatischer Verstimmungen.

Das Wichtigste

  • Die israelische Marine stoppte über 20 Schiffe der Gaza-Hilfsflotte in internationalen Gewässern und nahm 175 Aktivisten fest.
  • 30 Boote erreichten den Hafen Ierapetra auf Kreta; die Flotte will die Reise fortsetzen, um die Blockade zu durchbrechen.
  • Deutschland und Italien kritisierten Israel und riefen zur Achtung des Völkerrechts auf.
  • Israel wirft der Flotte Verbindungen zur Hamas vor und brachte zwei Aktivisten zu Befragungen nach Israel.
  • Im Vorjahr wurde eine ähnliche Flotte mit Greta Thunberg gestoppt; über 300 Aktivisten wurden festgesetzt.
  • Die Blockade des Gazastreifens besteht seit 2007; die Flotte ist sowohl humanitärer Konvoi als auch politischer Protest.
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