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Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Passagiere werden evakuiert

Schwere Vorwürfe gegen die Reederei nach tödlichen Hantavirus-Fällen auf der „MV Hondius“. Weltweite Suche nach Kontaktpersonen läuft.

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Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Passagiere werden evakuiert
Schwere Vorwürfe gegen die Reederei nach tödlichen Hantavirus-Fällen auf der „MV Hondius“. Weltweite Suche nach KontaktpCredit · ORF

Die Fakten

  • Drei Todesfälle im Zusammenhang mit Hantavirus auf der „MV Hondius“ bestätigt.
  • Fünf von acht Verdachtsfällen sind offizielle Hantavirus-Fälle laut WHO.
  • Rund 30 Passagiere verließen das Schiff in St. Helena nach dem ersten Todesfall.
  • Das Schiff erreicht Teneriffa voraussichtlich am Sonntag zur Evakuierung.
  • Hantavirus-Fälle in Argentinien haben sich seit Juni 2025 verdoppelt.
  • Klimawandel könnte Ausbreitung der Reisratte begünstigen.

Schwere Vorwürfe gegen die Reederei

Schwere Vorwürfe richten sich gegen die Betreiber des Kreuzfahrtschiffs „MV Hondius“, auf dem ein tödlicher Hantavirus-Ausbruch gemeldet wurde. Ein Video, das der BBC zugespielt wurde, zeigt den Kapitän, der am 12. April den Tod eines Passagiers bekannt gab. Er versicherte den Anwesenden, dass die verstorbene Person „nicht infektiös“ sei und eines natürlichen Todes gestorben sei. Diese Darstellung steht im krassen Gegensatz zu den späteren Entwicklungen, die zu mehreren Todesfällen führten. Der türkische Reiseblogger Ruhi Cenet, der das Video aufnahm, äußerte sich bestürzt. Er kritisiert, dass die Schiffsbesatzung in den ersten Wochen nicht die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen habe. Zwar könne er der Mannschaft keine vollständige Schuld geben, da sie offenbar nicht besser informiert war, doch hätte die Crew die Möglichkeit einer ansteckenden Krankheit in Betracht ziehen müssen, so Cenet gegenüber der BBC. Der Alltag an Bord sei nach dem ersten Todesfall weitgehend normal weitergegangen, berichtete Cenet der AFP. Aufnahmen zeigten Passagiere, die sich unbeschwert am Buffet aufhielten. Er und sein Kameramann hätten sich daraufhin zum Schutz in Selbstisolation begeben.

Tödlicher Ausbruch und weltweite Suche nach Kontaktpersonen

Drei Menschen sind inzwischen an den Folgen des Virusausbruchs auf der „MV Hondius“ gestorben. Darunter befindet sich die Ehefrau des ursprünglich verstorbenen 70-jährigen Niederländers und eine deutsche Staatsbürgerin. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte am Donnerstag, dass fünf von acht Verdachtsfällen, einschließlich der Todesfälle, als offizielle Hantavirus-Fälle gelten. Die übrigen drei Fälle werden weiterhin als Verdachtsfälle eingestuft. Die Betreiberfirma Oceans Expeditions gab am Donnerstag bekannt, dass „niemand mehr an Bord“ Symptome aufweise. Dennoch läuft weltweit eine aufwendige Suche nach Kontaktpersonen. Diese gestaltet sich besonders schwierig, da laut Angaben der Reederei rund 30 Passagiere bei einem Zwischenstopp auf der Atlantikinsel St. Helena das Schiff verlassen haben. Die WHO hat jedoch eine klare Entwarnung bezüglich einer größeren Epidemie gegeben. „Das ist nicht der Beginn einer Epidemie. Das ist nicht der Beginn einer Pandemie“, erklärte WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove. „Das ist kein Covid.“

Ursprung des Erregers und Zunahme in Argentinien

Nach dem Ausbruch auf der „MV Hondius“ wird intensiv nach dem genauen Ursprung des Hantavirus in Argentinien geforscht. Es wird vermutet, dass die Infektionen mit dem Andesvirus, einer besonders gefährlichen Variante des Hantavirus, in der Region ihren Anfang nahmen. Seit Juni 2025 haben sich die gemeldeten Fälle in Argentinien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum etwa verdoppelt. Ein möglicher Infektionsort ist die argentinische Stadt Ushuaia, wo einige Passagiere von Bord gegangen sind. Das Gebiet wird von Experten auf eine „mögliche Präsenz des Virus“ untersucht, wie das argentinische Gesundheitsministerium mitteilte. Auch die Patagonischen Anden, die das verstorbene niederländische Paar vor seiner Reise mit dem Kreuzfahrtschiff besucht hat, gelten als potenzieller Ansteckungsort. Das argentinische Gesundheitsministerium meldete in der vergangenen Woche 101 Hantavirus-Infektionen seit Juni 2025, was einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die geografische Ausbreitung der Infektionsorte hat ebenfalls zugenommen; während früher primär die südlichen Ausläufer Patagoniens als Risikogebiete galten, werden nun 83 Prozent der Fälle im äußersten Norden Argentiniens verzeichnet.

Klimawandel als Faktor für die Ausbreitung

Experten vermuten, dass der Klimawandel eine Rolle bei der Zunahme der Hantavirus-Fälle spielen könnte. Extreme Wetterereignisse wie Dürren und heftige Regenfälle begünstigen offenbar die Ausbreitung der Reisratte, dem Hauptwirt des Virus. Diese Tiere können den Erreger auf den Menschen übertragen. Die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch, die beim Andesvirus möglich ist, wurde erstmals in den 1990er-Jahren festgestellt. Diese Fähigkeit des Virus erhöht das Risiko einer schnellen Verbreitung in Populationen, insbesondere auf engem Raum wie einem Kreuzfahrtschiff. Die genauen Mechanismen, wie sich das Virus auf dem Schiff verbreitet hat und welche Rolle die einzelnen Passagiere spielten, sind Gegenstand laufender Untersuchungen. Die Tatsache, dass die Infektionen in Argentinien zunehmen, deutet jedoch auf eine Verbindung zum Ursprungsort der Reise hin.

Evakuierung auf Teneriffa geplant

Das vom Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ ist derzeit auf dem Weg von den Kapverdischen Inseln zu den Kanarischen Inseln. Es wird erwartet, dass das Schiff spätestens am Sonntag in Teneriffa eintrifft. Von dort aus sollen die rund 150 Passagiere ab Montag von Bord gehen. Für die Ausschiffung und Rückführung der Passagiere sind spezielle Vorkehrungen getroffen worden. Sie sollen über den internationalen Flughafen Teneriffa Süd in eigens dafür eingesetzten Maschinen in ihre jeweiligen Heimatländer ausgeflogen werden. Dies soll eine geordnete und sichere Rückreise gewährleisten und gleichzeitig die Ausbreitung des Virus weiter eindämmen. Die spanischen Behörden arbeiten eng mit den Reedereien und den Gesundheitsorganisationen zusammen, um die Evakuierung reibungslos zu gestalten. Die Suche nach Kontaktpersonen von Passagieren, die bereits in St. Helena ausgestiegen sind, wird parallel fortgesetzt.

Das Wichtigste

  • Ein Hantavirus-Ausbruch auf der „MV Hondius“ führte zu mindestens drei Todesfällen.
  • Die Reederei steht wegen mangelnder Vorsichtsmaßnahmen und irreführender Kommunikation in der Kritik.
  • Weltweit wird nach rund 30 Passagieren gesucht, die nach dem ersten Todesfall das Schiff in St. Helena verlassen haben.
  • Das Schiff wird zur Evakuierung der verbleibenden Passagiere nach Teneriffa beordert.
  • Die Zahl der Hantavirus-Infektionen in Argentinien hat sich seit Juni 2025 verdoppelt.
  • Klimatische Veränderungen werden als möglicher Faktor für die Ausbreitung des Virus in Argentinien diskutiert.
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