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Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Unsicherheit über das Schicksal der Passagiere

Ein tödliches Hantavirus auf der „Hondius“ zwingt zur humanitären Entscheidung, während die Herkunft des Erregers unklar bleibt.

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Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Unsicherheit über das Schicksal der Passagiere
Ein tödliches Hantavirus auf der „Hondius“ zwingt zur humanitären Entscheidung, während die Herkunft des Erregers unklarCredit · ORF

Die Fakten

  • Drei Passagiere der „Hondius“ sind bisher an einem Hantavirus gestorben.
  • Das Schiff mit fast 150 Menschen an Bord darf nun die Kanarischen Inseln anlaufen.
  • Der Arzt des Schiffes, in kritischem Zustand, wird per Flugzeug auf die Kanaren gebracht.
  • Die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia bestätigte, dass alle verbleibenden Passagiere asymptomatisch sind.
  • Argentinien entsendet Experten zur Untersuchung von Nagetieren in Ushuaia.
  • Hantaviren werden von Nagetieren übertragen und können grippeähnliche Symptome bis hin zu Nierenversagen verursachen.

Unsichere Lage für die „Hondius“

Die Lage für das Kreuzfahrtschiff „Hondius“, das von einem tödlichen Hantavirus betroffen ist, bleibt angespannt. Nachdem Spanien zunächst die Einfahrt in einen kanarischen Hafen genehmigt hatte, drohten die Kanarischen Inseln mit einer Verweigerung des Andockens. Die Situation änderte sich, als das spanische Gesundheitsministerium mitteilte, dass das Schiff nun Kurs auf die Kanarischen Inseln nehmen dürfe. An Bord befinden sich knapp 150 Menschen. Zuvor ankerte das Schiff vor Kap Verde, wo die Kapazitäten für eine angemessene Hilfe als unzureichend eingeschätzt wurden. Der Präsident der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo, begründete die anfängliche Ablehnung mit dem Mangel an „ausreichenden Informationen, um die Öffentlichkeit zu beruhigen und ihre Sicherheit zu gewährleisten“. Er hatte umgehend ein Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez ersucht, um die Angelegenheit zu erörtern. Am Dienstagnachmittag gab die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia bekannt, dass alle verbleibenden Passagiere an Bord keine Symptome aufwiesen. Nicht-spanische Staatsbürger würden nach der Ankunft auf Teneriffa in ihre Heimatländer zurückgeführt und müssten sich in Spanien nicht in Quarantäne begeben. Die 14 spanischen Staatsbürger sollen per Flugzeug in ein Madrider Krankenhaus gebracht werden, wo sie unter Quarantäne gestellt werden.

Humanitäre Entscheidung und internationale Abstimmung

Die Entscheidung zur Aufnahme der Passagiere wurde in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU getroffen, basierend auf internationalem Recht und humanitären Prinzipien. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hatte das Schiff eingehend untersucht, um festzustellen, welche Personen dringend von Kap Verde aus in Sicherheit gebracht werden müssten. Das spanische Ministerium erklärte, die WHO habe bestätigt, dass Kap Verde den Einsatz nicht eigenständig durchführen könne. Die Kanarischen Inseln seien daher der nächstgelegene Ort mit den erforderlichen Kapazitäten. Spanien sehe sich in einer „moralischen und rechtlichen Verpflichtung“, diesen Menschen zu helfen, darunter auch mehrere spanische Staatsbürger. Die Regierung in Madrid stimmte auch der Verlegung des Arztes der „Hondius“ zu, der sich in einem kritischen Zustand befindet. Er soll in den kommenden Stunden mit einem Lazarettflugzeug auf die Kanarischen Inseln geflogen werden. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte erneut, dass das Risiko für die allgemeine Bevölkerung derzeit als gering eingeschätzt werde.

Die Opfer und die vermutete Infektionskette

Bislang sind drei Passagiere der unter niederländischer Flagge fahrenden „Hondius“ gestorben. Unter den Verstorbenen ist ein älteres niederländisches Ehepaar sowie eine Frau aus Deutschland, wie der Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions mitteilte. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben bestätigten Erkrankungsfällen aus. Die WHO berichtete zudem, dass drei Erkrankte zur medizinischen Behandlung in die Niederlande ausgeflogen worden seien. Es wird vermutet, dass die Infektionskette von dem mittlerweile verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging, das sich möglicherweise vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt hat. Angesichts der Möglichkeit, dass der Ausbruch seinen Ursprung in Argentinien haben könnte, haben die argentinischen Behörden die Entsendung von Experten nach Ushuaia angekündigt. Diese sollen dort nach einer „möglichen Präsenz des Virus“ in der Nagetierpopulation suchen, wie das argentinische Gesundheitsministerium mitteilte.

Hantavirus: Übertragung und Krankheitsbild

Hantaviren werden primär durch Nagetiere wie Mäuse und Ratten verbreitet, die selbst in der Regel nicht erkranken. Die Viren werden über den Kot infizierter Nager ausgeschieden. Eine Infektion beim Menschen erfolgt durch den Kontakt mit diesen Ausscheidungen, insbesondere wenn getrockneter Kot aufgewirbelt wird und die Erreger eingeatmet werden. Auch Bisse von infizierten Nagern können zur Ansteckung führen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei den in Europa und Asien vorkommenden Virustypen laut Robert Koch-Institut (RKI) nicht bekannt. Eine Ausnahme bildet der hochvirulente südamerikanische Virustyp ANDV, bei dem eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nicht ausgeschlossen werden kann. Ob die Betroffenen auf der „Hondius“ diesen Virustyp hatten, ist derzeit unklar. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin hält diese Möglichkeit angesichts der Herkunft des Schiffes aus Südargentinien für ernst zu nehmend. Die Inkubationszeit kann bis zu fünf Wochen betragen. Es gibt keinen Impfstoff, und verfügbare Medikamente können nur die Symptome lindern. Die Krankheit beginnt oft grippeähnlich mit hohem Fieber, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen. Spätere Phasen können zu Blutdruckabfall und Nierenversagen führen. Amerikanische Virenstämme können zudem Lungenödeme und akutes Lungenversagen verursachen.

Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland

Hantavirus-Erkrankungen treten in Deutschland regional unterschiedlich häufig auf und schwanken von Jahr zu Jahr, abhängig von der Nagetierpopulation. In den vergangenen zehn Jahren wurden zwischen 143 und 1.747 Erkrankungen pro Jahr gemeldet. Zu den Gebieten mit erhöhtem Infektionsrisiko zählen laut Friedrich-Loeffler-Institut unter anderem die Schwäbische Alb, der Raum Osnabrück, Unterfranken, der Odenwald, Oberschwaben, die Fränkische Alb, der Bayerische Wald, Osthessen und Westthüringen. Die Krankheit, die durch mitteleuropäische Hantavirus-Typen verursacht wird, verläuft zunächst grippeähnlich. In einer späteren Phase können jedoch Nierenfunktionsstörungen bis hin zum akuten Nierenversagen auftreten. Infektionen mit amerikanischen Virenstämmen bergen das Risiko von Lungenkomplikationen wie Lungenödemen und akutem Lungenversagen.

Das Wichtigste

  • Drei Menschen starben an den Folgen einer Hantavirus-Infektion auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“.
  • Die Passagiere werden nach einer humanitären Entscheidung auf den Kanarischen Inseln an Land gehen.
  • Die Herkunft des Hantavirus-Ausbruchs wird in Argentinien untersucht.
  • Hantaviren werden durch Nagetiere übertragen und können schwere Krankheitsverläufe verursachen.
  • Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist bei den in Europa vorkommenden Virustypen unwahrscheinlich, aber bei südamerikanischen Stämmen möglich.
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