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1. Mai 2025: DGB ruft unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ zu Kundgebungen auf

Während die Teilnehmerzahlen sinken, kämpfen Gewerkschaften mit schrumpfenden Mitgliederzahlen und neuen Herausforderungen durch Digitalisierung, Klimawandel und geopolitische Krisen.

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1. Mai 2025: DGB ruft unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ zu Kundgebungen auf
Während die Teilnehmerzahlen sinken, kämpfen Gewerkschaften mit schrumpfenden Mitgliederzahlen und neuen HerausforderungCredit · Mint

Die Fakten

  • Der DGB ruft für den 1. Mai 2025 unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ zu politischen Kundgebungen auf.
  • 2024 stiegen die Reallöhne um 3,1 Prozent – das größte Plus seit 2008; 2025 legten sie um 1,9 Prozent zu.
  • 2025 wurden in der deutschen Industrie über 120.000 Stellen gestrichen.
  • Der Organisationsgrad der DGB-Gewerkschaften sank von 20,4 Prozent (2010) auf 16,5 Prozent (2024).
  • An der zentralen DGB-Kundgebung in Berlin nahmen 2025 nur noch 11.000 Menschen teil, 1960 waren es 750.000.
  • Der Ursprung des 1. Mai liegt im US-amerikanischen Generalstreik von 1886 zur Durchsetzung des Achtstundentags.
  • In Deutschland wurde der 1. Mai erstmals 1919 zum Feiertag erklärt, 1933 von den Nationalsozialisten instrumentalisiert.

Ein Feiertag im Wandel: Von der Arbeiterbewegung zur gesellschaftlichen Debatte

Am 1. Mai 2025 ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erneut zu politischen Kundgebungen auf. Das diesjährige Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ bringt die wachsende Kluft zwischen Kapital und Arbeit auf den Punkt. Der Tag der Arbeit, der in Deutschland seit 1946 gesetzlicher Feiertag ist, hat seine Wurzeln in den USA – genauer im Generalstreik von 1886, als rund 400.000 Arbeiter für den Achtstundentag kämpften. Doch die heutige Bedeutung des 1. Mai geht weit über historische Reminiszenzen hinaus. Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahrzehnten fundamental verändert: Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel und geopolitische Krisen stellen Arbeitnehmervertretungen vor neue Herausforderungen. Die Forderungen nach fairen Löhnen, bindenden Tarifverträgen und der Beibehaltung des Achtstundentags bleiben aktuell, doch sie werden ergänzt durch Debatten über Künstliche Intelligenz, Energiesicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.

Wirtschaftskrise und Arbeitsplatzverlust: Die Lage am Arbeitsmarkt

Die deutsche Wirtschaft steckt in einer Krise. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt 2023 und 2024 gesunken war, stieg es 2025 nur minimal um 0,2 Prozent. Besonders betroffen ist das verarbeitende Gewerbe: 2025 wurden in der Industrie über 120.000 Stellen gestrichen. Die exportorientierte Wirtschaft leidet unter weltweit zunehmenden Zöllen, Handelsbeschränkungen und Lieferkettenproblemen, die durch Kriege und Krisen ausgelöst wurden. Die Reallöhne hingegen zeigen eine positive Entwicklung: Nach einem Rückgang von 4 Prozent im Jahr 2022 – verursacht durch die hohe Inflation infolge des Ukraine-Kriegs – stiegen sie 2024 um 3,1 Prozent, das größte Plus seit 2008. Im vergangenen Jahr legten sie um weitere 1,9 Prozent zu. Doch die Angst vor einer erneuten Inflation wächst, da die Preise für Sprit und Energie infolge des Irankriegs deutlich gestiegen sind.

Schrumpfende Mitgliederzahlen und sinkende Mobilisierung

Die Mobilisierung für die Mai-Kundgebungen fällt den DGB-Gewerkschaften zunehmend schwerer. Während 1960 in West-Berlin noch 750.000 Menschen dem Demonstrationsaufruf folgten, nahmen 2025 an der offiziellen Kundgebung vor dem Roten Rathaus nur noch 11.000 Menschen teil. Insgesamt beteiligten sich im vergangenen Jahr rund 310.000 Menschen an den gut 420 Versammlungen und Veranstaltungen des DGB. Parallel dazu sinkt der Organisationsgrad der Gewerkschaften: Seit 2010 fiel er von 20,4 Prozent auf 16,5 Prozent im Jahr 2024. Dieser Trend spiegelt den gesellschaftlichen Wandel wider, aber auch die wachsende Konkurrenz durch neue Beschäftigungsformen und die Fragmentierung der Arbeitswelt.

Machtungleichgewicht und prekäre Beschäftigung: Die Rolle der Gewerkschaften

Fast alle Erwerbsarbeitsverhältnisse sind durch ein Ungleichgewicht zugunsten der Arbeitgeber geprägt. Gewerkschaften organisieren und vertreten die Interessen der Beschäftigten und tragen zum Ausgleich dieses Machtungleichgewichts bei. Trotz vieler erkämpfter Rechte prägt die Machtasymmetrie bis heute Arbeitsverhältnisse – und teilweise scheint sich die rechtliche Situation für bestimmte Beschäftigtengruppen sogar zu verschlechtern. Besonders betroffen sind schlechtbezahlte Dienstleistungen, die über Internetplattformen organisiert werden (wie Essensliefer- oder Fahrdienste), Leiharbeit und prekäre Beschäftigungsformen in wenig kontrollierten Segmenten des Arbeitsmarktes, etwa an Schlachthöfen. Gewerkschaften setzen sich für bessere Bedingungen ein, indem sie Tarifverhandlungen führen, Streiks organisieren und Betriebsräte sowie Unternehmensmitbestimmung fördern.

Historische Wurzeln und politische Instrumentalisierung

Der Ursprung des 1. Mai liegt in den USA, wo der „Moving Day“ – der Stichtag für den Abschluss oder die Beendigung von Arbeitsverträgen – zum Symbol des Kampfes für den Achtstundentag wurde. Am 3. Mai 1886 eskalierte die Situation auf dem Haymarket Square in Chicago, als eine Bombe geworfen wurde und die Polizei das Feuer eröffnete. Dieser blutige Zwischenfall prägte die Arbeiterbewegung nachhaltig. In Deutschland wurde der 1. Mai 1919 erstmals zum Feiertag erklärt, nachdem die Sozialdemokraten an die Macht gekommen waren. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten den Tag ab 1933 für ihre Zwecke, zerschlugen die Gewerkschaften und machten ihn zum „Tag der nationalen Arbeit“. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der 1. Mai Feiertag, aber sein politischer Charakter blieb erhalten – bis heute.

Internationale Perspektive: Der 1. Mai in anderen Ländern

Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Teilen Europas, Nord- und Südamerikas, Afrikas und Asiens ist der 1. Mai ein gesetzlicher oder regionaler Feiertag. In China wird Beschäftigten ein arbeitsfreier Tag gewährt, wenn der Feiertag auf ein Wochenende fällt. Im Vereinigten Königreich und Irland heißt der Tag „Labour Day“, ebenso in den USA und Kanada – dort wird er jedoch am ersten Montag im September gefeiert. Die unterschiedlichen Traditionen zeigen, wie tief der Kampf um Arbeitnehmerrechte in den nationalen Kulturen verankert ist. Während in Deutschland der 1. Mai oft mit politischen Kundgebungen und Maiwanderungen verbunden ist, steht in anderen Ländern eher der arbeitsfreie Tag im Vordergrund. Doch die zentralen Forderungen nach fairen Arbeitsbedingungen und sozialer Gerechtigkeit verbinden die Arbeiterbewegungen weltweit.

Ausblick: Neue Herausforderungen für die Gewerkschaftsbewegung

Die Gewerkschaften stehen vor der Aufgabe, ihre Relevanz in einer sich wandelnden Arbeitswelt zu bewahren. Die Digitalisierung, der Klimawandel und die geopolitischen Spannungen verändern nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch die Erwartungen der Beschäftigten. Die Forderungen nach flexiblen Arbeitszeiten, Homeoffice und Weiterbildungsmöglichkeiten gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig müssen die Gewerkschaften neue Wege finden, um Mitglieder zu gewinnen und zu mobilisieren. Die sinkenden Teilnehmerzahlen bei den Mai-Kundgebungen sind ein Alarmzeichen. Doch die Erfahrung gelebter Solidarität und demokratischer Praxis, die mit Arbeitskämpfen und Betriebsratsarbeit verbunden ist, bleibt ein wichtiges Gut für den sozialen Zusammenhalt. Die Frage ist, ob es den Gewerkschaften gelingt, dieses Erbe in die Zukunft zu tragen.

Das Wichtigste

  • Der DGB ruft am 1. Mai 2025 unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ zu Kundgebungen auf.
  • Die deutsche Wirtschaft steckt in einer Krise: Das BIP wuchs 2025 nur um 0,2 Prozent, und in der Industrie wurden über 120.000 Stellen gestrichen.
  • Die Reallöhne stiegen 2024 um 3,1 Prozent – das größte Plus seit 2008 –, doch die Inflation könnte aufgrund des Irankriegs wieder anziehen.
  • Der Organisationsgrad der DGB-Gewerkschaften sank von 20,4 Prozent (2010) auf 16,5 Prozent (2024), die Teilnehmerzahlen bei den Mai-Kundgebungen sind drastisch gesunken.
  • Der 1. Mai hat seinen Ursprung im US-amerikanischen Generalstreik von 1886 für den Achtstundentag und wurde in Deutschland 1919 zum Feiertag erklärt.
  • Gewerkschaften bleiben wichtige Akteure, um Machtungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt auszugleichen und demokratische Teilhabe zu fördern.
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