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Quallenteppich im Golf von Triest: Klimawandel verschiebt Fortpflanzungszyklus der Lungenquallen

Hunderttausende Lungenquallen behindern die Fischerei, während Experten einen Zusammenhang mit steigenden Wassertemperaturen feststellen.

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Quallenteppich im Golf von Triest: Klimawandel verschiebt Fortpflanzungszyklus der Lungenquallen
Hunderttausende Lungenquallen behindern die Fischerei, während Experten einen Zusammenhang mit steigenden WassertemperatCredit · kaernten.ORF.at

Die Fakten

  • Im Golf von Triest bedeckt ein dichter Teppich aus Lungenquallen (Rhizostoma pulmo) die Meeresoberfläche.
  • Die Quallen sind bis zu 20 Meter unter Wasser in Zehntausenden Exemplaren anzutreffen.
  • Der Fortpflanzungszyklus der Quallen hat sich durch den Klimawandel um ein bis zwei Monate nach vorne verschoben.
  • 80 Fischerboote von Muggia bis Grado konnten in den letzten Tagen nicht ausfahren.
  • Eine einzelne Lungenqualle mit 40 cm Durchmesser kann über 10 kg wiegen.
  • Der Bora-Wind könnte die Quallen nach Süden treiben, aber auch neue Quallen an die Oberfläche bringen.

Ein Teppich aus Quallen legt die Fischerei lahm

Ein dichter Teppich aus Lungenquallen hat sich im Golf von Triest ausgebreitet und legt die Fischerei in der Region lahm. 80 Fischerboote von Muggia bis Grado können seit Tagen nicht auslaufen, weil sich die Quallen in ihren Netzen verfangen und diese beschädigen. Die regionalen Fischereigenossenschaften berichten von massiven Schäden: Die Tiere mit einem Durchmesser von bis zu 40 Zentimetern wiegen jeweils über zehn Kilogramm, und Hunderte bis Tausende von ihnen werden in den Netzen hochgezogen, was zu Rissen und Ertragseinbußen führt.

Lungenquallen: Harmlos für Menschen, aber eine Plage für die Fischerei

Die Lungenqualle, wissenschaftlich Rhizostoma pulmo, ist eine typische Art der oberen Adria. Für Badende stellt sie kein großes Gesundheitsrisiko dar: Der Kontakt verursacht lediglich Hautirritationen, vergleichbar mit Brennnesseln. Massimo Avian vom nationalen Institut für Ozeanographie und Geophysik (OGS) bestätigt, dass die Quallen harmlos sind. Dennoch sind die Auswirkungen auf die Fischerei verheerend, da die Netze durch das Gewicht der Quallen zerstört werden.

Klimawandel verschiebt Fortpflanzungszyklus um Monate

Die ungewöhnlich hohe Konzentration von Quallen ist kein Zufall. Avian erklärt, dass der Klimawandel den Fortpflanzungszyklus der Medusen beeinflusst. Früher traten die Jungtiere in der Lagune von Grado im Juli und August auf; jetzt sind sie bereits in den Monaten davor zu finden. Die höheren Wassertemperaturen haben den Zyklus um ein bis zwei Monate nach vorne verschoben, was zu den aktuellen Massenvorkommen führt.

Bora-Wind als Hoffnungsträger mit doppelter Wirkung

Die Fischer hoffen auf den Bora-Wind, der die Quallen nach Süden treiben könnte, sodass die Boote wieder ausfahren können. Doch Avian warnt vor einer Kehrseite: Der Wind könnte das Wasser aufwirbeln und neue Quallen an die Oberfläche bringen, was die Situation kurzfristig verschlimmern könnte. Die langfristige Lösung bleibt ungewiss.

Ein seltenes Naturphänomen mit faszinierenden Bildern

Drohnenaufnahmen, die in den letzten Tagen in Fernsehen und sozialen Medien gezeigt wurden, dokumentieren das Ausmaß der Invasion. Die Bilder zeigen einen scheinbar endlosen Teppich aus Quallen, der sich über den Golf erstreckt. Das Phänomen zieht Schaulustige an, die die seltene Naturerscheinung bestaunen. Vor drei Jahren hatte noch der sogenannte Meeresschleim (Mucilaggine) das Quallenvorkommen deutlich reduziert – ein weiteres Zeichen für die wechselhaften Bedingungen in der Adria.

Keine einfache Lösung in Sicht

Die aktuelle Quallenplage zeigt, wie empfindlich das marine Ökosystem auf Temperaturveränderungen reagiert. Während der Bora-Wind kurzfristig Erleichterung bringen könnte, bleibt die grundlegende Ursache – die Erwärmung des Meeres – bestehen. Die Fischerei in der Region steht vor einer ungewissen Zukunft, falls solche Massenvorkommen häufiger auftreten. Experten wie Avian betonen, dass die Verschiebung des Fortpflanzungszyklus ein eindeutiges Signal des Klimawandels ist, das langfristige Anpassungen erfordert.

Das Wichtigste

  • Lungenquallen im Golf von Triest behindern die Fischerei massiv; 80 Boote können nicht ausfahren.
  • Die Quallen sind für Menschen harmlos, verursachen aber Netze-Schäden durch ihr Gewicht.
  • Der Klimawandel hat den Fortpflanzungszyklus der Quallen um ein bis zwei Monate nach vorne verschoben.
  • Der Bora-Wind könnte die Quallen vertreiben, aber auch neue an die Oberfläche bringen.
  • Drohnenaufnahmen zeigen das Ausmaß des Phänomens, das Schaulustige anzieht.
  • Die Häufung solcher Quallenexplosionen ist ein Indikator für die Erwärmung der Adria.
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