Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: "Hondius" darf nun auf Kanaren anlegen
Nach tödlichen Hantavirus-Fällen auf der "Hondius" ringen Spanien und die Kanaren um die Aufnahme des Schiffes. Die WHO verfolgt nun Flugpassagiere.

AUSTRIA —
Die Fakten
- Das Kreuzfahrtschiff "Hondius" ist von einem tödlichen Hantavirus-Ausbruch betroffen.
- Drei Passagiere, darunter ein niederländisches Ehepaar und eine deutsche Frau, sind gestorben.
- Spanien hat dem Schiff nach anfänglichem Zögern der Kanaren das Anlegen auf Teneriffa erlaubt.
- Die WHO verfolgt Passagiere eines Fluges vom 25. Oktober, die Kontakt zu Infizierten hatten.
- Insgesamt befinden sich 147 Menschen an Bord der "Hondius".
- Das Hantavirus wird normalerweise durch Nagetiere übertragen und hat eine Inkubationszeit von einer bis sechs Wochen.
Unsichere Lage für die "Hondius"
Die Situation für das Kreuzfahrtschiff „Hondius“, das von einem tödlichen Hantavirus-Ausbruch heimgesucht wird, bleibt angespannt. Nachdem Spanien zunächst die Erlaubnis für das Einlaufen in einen kanarischen Hafen erteilt hatte, widersetzten sich die Kanarischen Inseln diesem Beschluss vorerst. Das spanische Gesundheitsministerium bestätigte jedoch, dass das Schiff nun Kurs auf die Kanaren nehmen darf. Zuvor ankerte das Schiff mit fast 150 Personen an Bord vor Kap Verde, wo jedoch die Kapazitäten für eine adäquate Hilfe fehlten. Fernando Clavijo, der Präsident der Kanarischen Inseln, begründete die anfängliche Ablehnung mit einem Mangel an „ausreichenden Informationen, um die Öffentlichkeit zu beruhigen und ihre Sicherheit zu gewährleisten“. Er forderte ein dringendes Treffen mit Ministerpräsident Pedro Sanchez, um die Angelegenheit zu erörtern. Die Entscheidung, das Schiff nun doch aufzunehmen, erfolgte in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU, gestützt auf internationales Recht und humanitäre Prinzipien.
Hantavirus fordert Menschenleben
An Bord der unter niederländischer Flagge fahrenden „Hondius“ sind bisher drei Passagiere gestorben. Unter den Verstorbenen befinden sich ein älteres niederländisches Ehepaar und eine deutsche Frau. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus. Drei Infizierte wurden bereits zur medizinischen Behandlung in die Niederlande ausgeflogen. Die Infektionskette könnte von dem verstorbenen niederländischen Ehepaar ausgegangen sein, die sich möglicherweise vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben. Das Hantavirus wird typischerweise durch Kontakt mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Nagetiere übertragen. Die Inkubationszeit kann zwischen einer und sechs Wochen betragen, und die Symptome reichen von Fieber und Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Lungenentzündungen und Atemnot.
WHO sucht nach Flugpassagieren
Nach dem Ausbruch des Hantavirus auf der „MV Hondius“ leitet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine intensive Kontaktnachverfolgung ein. Im Fokus stehen dabei Passagiere eines Airlink-Fluges (4Z132) vom 25. Oktober. An Bord befand sich eine 69-jährige Niederländerin, die kurz zuvor das Kreuzfahrtschiff verlassen hatte und inzwischen verstorben ist. Die Behörden befürchten eine weitere Verbreitung des Virus vor der Evakuierung der Erkrankten. Von den ursprünglich 62 identifizierten Kontaktpersonen – darunter Flugzeugpassagiere, Flughafen- und Gesundheitspersonal sowie Hafenmitarbeiter – konnten bisher nur 42 ausfindig gemacht werden. Positiv auf das Hantavirus getestet wurde bislang niemand.
Spanien gibt grünes Licht für Teneriffa
Die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia teilte am Dienstagnachmittag mit, dass alle verbleibenden Passagiere an Bord der „Hondius“ asymptomatisch seien. Nicht-spanische Staatsbürger werden nach der Ankunft auf Teneriffa in ihre Heimatländer zurückgeführt und müssen sich in Spanien nicht in Quarantäne begeben. Die 14 spanischen Staatsbürger sollen per Flugzeug in ein Krankenhaus in Madrid gebracht werden, wo sie unter Quarantäne gestellt werden. Der Arzt des Schiffes, der sich in kritischem Zustand befindet, soll ebenfalls mit einem Lazarettflugzeug auf die Kanarischen Inseln geflogen werden. Die WHO hat bestätigt, dass Kap Verde nicht über die notwendigen Kapazitäten verfügte, um die medizinische Evakuierung durchzuführen. Die Kanarischen Inseln seien der nächstgelegene Ort mit den erforderlichen Ressourcen. Spanien sieht sich daher in einer „moralischen und rechtlichen Verpflichtung“, diesen Menschen zu helfen.
Hantavirus: Ein seltenes und atypisches Verhalten
Prof. Thomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter vom Centrum für Reisemedizin CMR, beschreibt den Ausbruch auf der „MV Hondius“ als eine „absolute Rarität“. Er erklärt, dass das Hantavirus sich hier „atypisch verhält“. Die Übertragung des Virus erfolgt normalerweise durch den Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere. Die Symptome ähneln einer schweren Grippe, können aber auch zu Lungenödeme und Nierenversagen führen. Jelinek betont, dass der Hantavirus-Ausbruch auf diesem Kreuzfahrtschiff keine Gefahr für Reisende auf anderen Kreuzfahrtschiffen darstellt. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat das Schiff eingehend untersucht, um die dringendsten Fälle zu identifizieren.
Ausblick: Humanitäre Verpflichtung und medizinische Versorgung
Die „MV Hondius“ mit insgesamt 147 Menschen an Bord – 88 Passagiere und 59 Besatzungsmitglieder – liegt weiterhin vor der Küste Kap Verdes vor Anker, während die medizinische Notlage andauert. Die Entscheidung Spaniens, dem Schiff die Ankunft auf Teneriffa zu gestatten, spiegelt eine humanitäre Verpflichtung wider, insbesondere angesichts der Tatsache, dass sich auch spanische Staatsbürger unter den Betroffenen befinden. Auf Teneriffa steht eine auf Epidemien spezialisierte Klinik zur Verfügung, um die Besatzung und Passagiere zu untersuchen und gegebenenfalls medizinisch zu versorgen. Die WHO geht davon aus, dass das Risiko für die allgemeine Bevölkerung derzeit gering ist. Dennoch bleibt die Nachverfolgung der Kontakte, insbesondere der Flugpassagiere, ein wichtiger Schritt, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die internationale Gemeinschaft und die beteiligten Gesundheitsorganisationen arbeiten eng zusammen, um die Krise zu bewältigen und die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten.
Das Wichtigste
- Das Kreuzfahrtschiff "Hondius" ist von einem tödlichen Hantavirus-Ausbruch betroffen, der drei Todesfälle forderte.
- Spanien hat dem Schiff nach anfänglichem Zögern der regionalen Behörden die Aufnahme auf Teneriffa gestattet.
- Die WHO verfolgt aktiv Passagiere eines Fluges vom 25. Oktober, die Kontakt zu Infizierten hatten.
- Das Hantavirus breitet sich normalerweise durch Nagetiere aus, und die Inkubationszeit beträgt ein bis sechs Wochen.
- Die medizinische Versorgung und die Rückführung von Passagieren sind im Gange, koordiniert durch internationale Gesundheitsorganisationen.
- Experten stufen das Hantavirus-Verhalten in diesem Fall als ungewöhnlich ein, betonen aber keine Gefahr für andere Schiffe.






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