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Shitstorm gegen Benjamin Karl: Olympiasieger entschuldigt sich für „blöde“ Wortwahl

Nach einem Podcast-Interview über Rollenverteilung in der Ehe sieht sich der Snowboarder mit massiver Kritik konfrontiert und rudert zurück.

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Shitstorm gegen Benjamin Karl: Olympiasieger entschuldigt sich für „blöde“ Wortwahl
Nach einem Podcast-Interview über Rollenverteilung in der Ehe sieht sich der Snowboarder mit massiver Kritik konfrontierCredit · SRF

Die Fakten

  • Benjamin Karl, 40, zweifacher Olympiasieger im Parallelslalom, löste mit Aussagen in einem Podcast einen Shitstorm aus.
  • Er sagte, seine Frau müsse zurückstecken, weil er finanziell für die Familie verantwortlich sei und seine Termine Priorität hätten.
  • Die Podcast-Folge „Mind Games“ wurde auf Wunsch Karls offline genommen, nachdem Beleidigungen gegen ihn eskalierten.
  • Karl postete ein Foto von Frühstücksbroten als Zeichen seiner Hausarbeit und betonte, er liebe seine Frau.
  • In einem Interview mit der „Krone“ räumte Karl ein: „Ja, meine Wortwahl war blöd.“
  • Eine Geschlechterforscherin sieht in den Aussagen alte Machtmuster und strukturelle Probleme.

Podcast-Äußerungen lösen Empörung aus

Der österreichische Snowboard-Olympiasieger Benjamin Karl hat mit seinen Aussagen über die Rollenverteilung in seiner Ehe einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. In einem Podcast sprach der 40-Jährige offen über das Verhältnis zu seiner Frau und erntete dafür massive Kritik in sozialen Medien und den Medien. Die Folge des Formats „Mind Games“ wurde inzwischen auf Wunsch des Sportlers gelöscht, nachdem die Beleidigungen gegen ihn überhandgenommen hatten. Karl hatte im Gespräch erklärt, seine Frau fordere nach über 20 Jahren Ehe mehr Freiheiten, etwa gemeinsame Ferien mit Freundinnen. Er stellte klar, dass er als Hauptverdiener der Familie Priorität bei Terminen beanspruche: „Finanziell bin ich der Verantwortliche für diese vier Mäuler. Wenn ich Termine habe, dann muss das Priorität haben.“ Seine Frau habe alles bekommen, was sie sich gewünscht habe: frühe Heirat, zwei Kinder, Haus und Pool.

Kritik an Macho-Attitüde und strukturellen Problemen

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Nutzerinnen und Nutzer warfen Karl Macho-Gehabe, Egoismus und rückständiges Denken vor. Eine Userin schrieb: „Was er – wie viele Männer – dringend verstehen muss: Sie hat ihm alles ermöglicht. Ohne sie wäre er nicht, wo er ist.“ Auch der „Spiegel“ berichtete unter dem Titel „Lebensfreude? Nicht für Benjamin Karls Frau!“ über die Äußerungen. Eine Geschlechterforscherin sieht in den Aussagen alte Machtmuster und bewertet sie als strukturelles Problem, nicht als Privatangelegenheit. Paar-Coaches schlossen sich der Kritik an und warnten vor einer Verharmlosung der dahinterstehenden Ungleichheit.

Karl rudert zurück: „Wortwahl war blöd“

Angesichts der Welle der Empörung bemühte sich Karl um Schadensbegrenzung. In einer ersten Instagram-Story reagierte er trotzig: „Wenn ich euch die Wahrheit sage, passt‘s euch nicht.“ Später postete er ein Foto von selbst geschmierten Broten für seine Kinder und schrieb, er habe seiner Frau einen Kaffee gemacht. In einem Interview mit der österreichischen „Krone“ gestand er ein: „Ja, meine Wortwahl war blöd.“ Er betonte, seine Ehe werde völlig falsch dargestellt. „Glaubt irgendjemand ernsthaft, die Ehe würde 20 Jahre funktionieren und halten, wenn meine Frau permanent so unglücklich wäre?“, fragte er. Er sei kein Frauenhasser, sondern liebe Frauen, speziell seine Frau. Seine Frau dürfe jederzeit in den „Mädelsurlaub“ fahren, es müsse nur gut abgestimmt sein.

Podcast-Host bestätigt Löschung wegen Beleidigungen

Der Host des Podcasts „Mind Games“ erklärte in einer Social-Media-Story, dass die Folge auf Bitten Karls offline genommen wurde. Die Beleidigungen gegen den Sportler seien zu massiv geworden. Karl selbst zeigte sich verständnislos: „Dass Leute sich jetzt erlauben, über mein inzwischen 40-jähriges Leben aufgrund eines Fünf-Minuten-Schnipsels zu urteilen, finde ich abenteuerlich und falsch.“ Trotz der Löschung kursieren Ausschnitte des Videos weiterhin auf verschiedenen Plattformen. Die Debatte um Karls Aussagen und die zugrundeliegenden Geschlechterrollen hält an.

Hintergrund: Karls Karriere und öffentliche Wahrnehmung

Benjamin Karl ist einer der erfolgreichsten Snowboarder Österreichs. 2026 gewann er bei den Olympischen Winterspielen in Milano und Cortina zum zweiten Mal Gold im Parallelslalom und ging mit einer oberkörperfreien Jubel-Geste viral. Der 40-Jährige aus St. Pölten ist bekannt für seine Wortgewandtheit und gilt bei Journalisten als beliebter Interviewpartner. Doch nun erlebt er seinen zweiten viralen Moment in diesem Jahr – einen, auf den er gerne verzichtet hätte. Die Kontroverse zeigt, wie schnell öffentliche Äußerungen über private Beziehungen eine Eigendynamik entwickeln können, insbesondere wenn sie tradierte Rollenbilder berühren.

Ausblick: Debatte um Geschlechterrollen bleibt

Der Fall Benjamin Karl ist kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren gesellschaftlichen Diskussion über Machtverhältnisse in Partnerschaften. Während der Sportler sich um Schadensbegrenzung bemüht, bleibt die Frage nach strukturellen Ungleichheiten bestehen. Die Geschlechterforscherin, die Karls Aussagen analysierte, sieht darin ein Symptom für tief verwurzelte Muster, die über individuelle Entgleisungen hinausgehen. Ob Karls Entschuldigung und seine demonstrativen Hausarbeiten ausreichen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Episode hat eine breite Debatte über Care-Arbeit, finanzielle Abhängigkeit und die Verteilung von Freiheiten in Ehen neu entfacht.

Das Wichtigste

  • Benjamin Karls Aussagen über die Rollenverteilung in seiner Ehe lösten einen Shitstorm aus, der zur Löschung der Podcast-Folge führte.
  • Kritiker warfen ihm Macho-Gehabe vor und verwiesen auf die Care-Arbeit seiner Frau, die ihm seine Karriere ermöglicht habe.
  • Karl ruderte zurück, entschuldigte sich für seine Wortwahl und betonte, er liebe seine Frau und unterstütze ihre Freiheiten.
  • Der Fall zeigt, wie schnell private Äußerungen über Geschlechterrollen in den sozialen Medien eskalieren können.
  • Eine Geschlechterforscherin sieht in den Aussagen ein strukturelles Problem, das über den Einzelfall hinausweist.
  • Die Debatte um Machtverhältnisse in Partnerschaften und die Anerkennung von Care-Arbeit bleibt aktuell.
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