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Buckelwal Timmy in der Nordsee freigelassen – Peilsender sendet nur sporadisch

Nach tagelangem Transport verließ der Wal am Samstagmorgen die Barge, doch die erhofften Trackingdaten bleiben unvollständig und geben Anlass zur Sorge.

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Buckelwal Timmy in der Nordsee freigelassen – Peilsender sendet nur sporadisch
Nach tagelangem Transport verließ der Wal am Samstagmorgen die Barge, doch die erhofften Trackingdaten bleiben unvollstäCredit · BILD

Die Fakten

  • Der Buckelwal Timmy verließ am Samstag, 2. Mai 2026, um 9 Uhr die Barge im Skagerrak, etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt.
  • Der Peilsender sendet nur sporadisch; möglicherweise wurde er bei der Freilassung beschädigt.
  • Die „Fortuna B“ hat Kurs auf Skagen genommen und erreichte gegen 17:38 Uhr den Schlepper „Robin Hood“ vor Hirtshals.
  • Der Wal war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden und lag rund zwei Drittel der 60 Tage in Flachwasserzonen.
  • Umweltminister Till Backhaus kritisierte, dass die vereinbarten Peildaten nicht übermittelt wurden.
  • Der Wal schwamm nach der Freilassung westwärts, eine wichtige Voraussetzung für den Weg in den Atlantik.

Freilassung im Skagerrak – ein erster Erfolg mit offenen Fragen

Am Samstagmorgen um 9 Uhr verließ der Buckelwal Timmy die geflutete Barge, die ihn von der Ostseeinsel Poel in die Nordsee gebracht hatte. Der Konvoi befand sich zu diesem Zeitpunkt im Skagerrak, rund 70 Kilometer von der dänischen Stadt Skagen entfernt. Tierärztin Anne Herrschaft, die den Moment aus der Ferne verfolgte, sagte: „Mir ist zum Heulen zumute.“ Auch ihre Kollegin Kirsten Tönnies zeigte sich gerührt. Doch die Freude über die geglückte Freilassung wird getrübt durch technische Probleme: Der an der Rückenflosse befestigte GPS-Tracker sendet nur sporadisch Signale. Möglicherweise wurde er beschädigt, als Timmy die Barge verließ. Die empfangenen Daten deuten darauf hin, dass sich der Wal in die richtige Richtung bewegt – nach Westen, wie die Investorin Karin Walter-Mommert bestätigte. Dennoch bleiben die Positionsdaten lückenhaft.

Verzögerter Transport und widrige Bedingungen

Der Transport war am Freitag ins Stocken geraten. Am Übergang zwischen Nord- und Ostsee türmten sich bei Windstärke 6 bis zu 1,5 Meter hohe Wellen auf – zu hoch für die Barge. Das Schleppschiff drehte ab und fuhr langsam Richtung Süden, um ruhigeres Wasser zu suchen. Am Abend bewegte sich der Wal gegen 19:20 Uhr zielstrebig in Richtung Ausgang der Barge, blieb aber bis Samstagvormittag. Ob der Ort der Freilassung optimal war oder ob der Kapitän zu früh das Kommando gab, ist noch unklar. Das Team der privaten Initiative hatte den Aussetzpunkt unter Berücksichtigung von Wetter, Wellen und Strömungen sorgfältig gewählt. Ein Reporter vor Ort berichtete, der Wal habe zunächst einige Runden um die Begleitboote gedreht, bevor er nach Westen abschwamm.

Fehlende Trackingdaten verärgern das Umweltministerium

Die angekündigten Senderdaten zu Timmys Weg fehlten auch am Samstagmittag weiter. Eva Klaussner-Ziebarth, Sprecherin des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern, teilte mit, die Peildaten seien mehrfach angefordert worden, lägen aber noch immer nicht vor. Umweltminister Till Backhaus äußerte sich verärgert: „Was mich wirklich ärgert, ist ausdrücklich: Es war vereinbart, dass uns die Daten übermittelt werden, damit wir ihn auch begleiten können. Uns sind bis heute keine Daten zur Verfügung gestellt worden.“ Die Rechtsanwältin der privaten Initiative, Constanze von der Meden, erklärte, es könnten vorerst keine Angaben zur Schwimmrichtung gemacht werden. Welche Probleme es konkret gab, blieb zunächst unklar. Sie hatte zuvor betont, dass die Positionsdaten nur den Teammitgliedern der Initiative und dem Umweltministerium zur Verfügung gestellt würden – nicht der Öffentlichkeit.

Kritik an der Professionalität des Rettungsteams

Der Meeresbiologe Fabian Ritter warnte bereits vor den Konsequenzen eines möglichen Senderausfalls. „Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das ‚Rettungsteam‘“, betonte er. „Es gab bisher genug Anlässe, an der Professionalität des Teams zu zweifeln, dies wäre der folgenschwerste.“ Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen. Am Dienstag war er vor der Insel Poel in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete.

Weiterer Verlauf und offene Fragen

Die „Fortuna B“ fährt mit 2,1 Knoten (knapp 4 km/h) weiter und hat Kurs auf Skagen genommen. Gegen 17:38 Uhr erreichte sie den Schlepper „Robin Hood“, der vor der dänischen Küste nahe der Stadt Hirtshals liegt. Ob die leere Barge umgekoppelt wird oder ob die „Robin Hood“ Wal-Helfer aufnimmt, ist weiterhin unklar. Ob Timmy tatsächlich den Weg in den Atlantik findet, bleibt abzuwarten. Die westwärtige Schwimmrichtung ist eine wichtige Voraussetzung, um über günstige Strömungen dorthin zu gelangen. Ein Reporter von WELT-TV, Gerrit Schröder, fasste zusammen: „Es gibt einen Peilsender, der uns sagen wird, ob der Wal überlebt.“

Eine Rettung, die noch keine ist

Trotz der gelungenen Freilassung gilt der Wal noch nicht als gerettet. Die unvollständigen Trackingdaten erschweren die Überwachung, und die Frage nach der Professionalität des Teams bleibt im Raum. Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen über die Koordination zwischen privaten Initiativen und staatlichen Stellen auf. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Timmy die Reise in den Atlantik überlebt. Bis dahin bleibt die Hoffnung, dass der Peilsender wieder verlässliche Daten liefert – und der Wal tatsächlich in die Freiheit schwimmt.

Das Wichtigste

  • Timmy wurde am 2. Mai 2026 um 9 Uhr im Skagerrak freigelassen, etwa 70 km von Skagen entfernt.
  • Der GPS-Tracker sendet nur sporadisch; eine Beschädigung bei der Freilassung wird vermutet.
  • Umweltminister Till Backhaus kritisierte die fehlende Datenübermittlung durch die private Initiative.
  • Der Wal schwamm nach Westen, was als positives Zeichen für den Weg in den Atlantik gewertet wird.
  • Die „Fortuna B“ hat Kurs auf Skagen genommen und den Schlepper „Robin Hood“ erreicht; die weiteren Schritte sind unklar.
  • Meeresbiologe Fabian Ritter äußerte Zweifel an der Professionalität des Rettungsteams.
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