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Alex Zanardi mit 59 Jahren gestorben – eine Ikone des Kampfgeists

Der ehemalige Formel-1-Pilot und zweifache Paralympics-Sieger erlag den Folgen eines Handbike-Unfalls; die Sportwelt trauert um eine außergewöhnliche Persönlichkeit.

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Alex Zanardi mit 59 Jahren gestorben – eine Ikone des Kampfgeists
Der ehemalige Formel-1-Pilot und zweifache Paralympics-Sieger erlag den Folgen eines Handbike-Unfalls; die Sportwelt traCredit · BBC

Die Fakten

  • Alex Zanardi starb am Freitag, den 1. Mai 2025, im Alter von 59 Jahren.
  • Er verlor 2001 bei einem Champ-Car-Unfall auf dem Lausitzring beide Beine.
  • Zanardi gewann 2012 in London zwei Goldmedaillen im Handbike bei den Paralympics.
  • 2016 in Rio holte er eine weitere Gold- und eine Silbermedaille.
  • 2020 erlitt er bei einem Handbike-Staffelrennen in der Toskana schwere Kopfverletzungen.
  • Zanardi fuhr zwischen 2005 und 2009 in der WTCC für BMW und gewann vier Rennen.
  • Er wurde 1997 und 1998 Meister der Champ-Car-Serie in den USA.
  • Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali würdigte ihn als „inspirierende Persönlichkeit“.

Ein Leben zwischen zwei Unfällen

Alessandro „Alex“ Zanardi ist tot. Der italienische Rennfahrer und Paralympionike starb am Freitagabend im Kreis seiner Familie, wie seine Angehörigen mitteilten. „Alex ist friedlich eingeschlafen, umgeben von der Zuneigung seiner Angehörigen“, hieß es in der Erklärung. Eine genaue Todesursache wurde nicht genannt. Zanardi wurde 59 Jahre alt. Sein Tod markiert das Ende eines Lebens, das von zwei schweren Unfällen geprägt war – und von einer beispiellosen Rückkehr in den Spitzensport. Der in Bologna geborene Zanardi war nicht nur ein erfolgreicher Motorsportler, sondern wurde nach einer Doppelamputation zum Symbol für Willenskraft und Durchhaltevermögen.

Der Unfall auf dem Lausitzring und das Comeback

Im September 2001 verunglückte Zanardi bei einem Rennen der Champ-Car-Serie auf dem Lausitzring schwer. Nach einem Boxenstopp verlor er die Kontrolle über seinen Wagen und wurde von einem anderen Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit erfasst. Die Ärzte amputierten ihm beide Beine. Zanardi selbst bezeichnete diesen Einschnitt später als „einen der leuchtendsten Augenblicke“ seines Lebens: Er habe etwas überstanden, „das nicht nur entgegen jeder Wahrscheinlichkeit ist. Laut Wissenschaft hatte ich nicht den Hauch einer Chance.“ Bereits zwei Jahre nach dem Unfall stieg er wieder in einen Rennwagen. Mit speziell umgebauten Fahrzeugen von BMW – Gas Bremse mit der Beinprothese – nahm er an der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) teil. 2005 gewann er den Titel in der italienischen Superturismo-Meisterschaft, wurde Dritter in der Tourenwagen-Europameisterschaft und feierte in Oschersleben seinen ersten WTCC-Sieg. Insgesamt vier Rennen in der WTCC gewann er für BMW.

Erfolge auf zwei Rädern: Paralympische Goldmedaillen

Parallel zu seiner Motorsportkarriere entdeckte Zanardi das Handbike für sich. Auch hier erreichte er die Weltspitze: Bei den Paralympischen Spielen 2012 in London gewann er zwei Goldmedaillen. Vier Jahre später in Rio de Janeiro folgten eine weitere Gold- und eine Silbermedaille. Insgesamt brachte er es auf vier paralympische Goldmedaillen. Seine Erfolge machten ihn weit über den Motorsport hinaus bekannt. Die italienische Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“ schrieb: „Der Rennfahrer und Paralympionike, der Italien gelehrt hat, niemals aufzugeben.“

Der zweite schwere Unfall 2020

Im Juni 2020 verunglückte Zanardi erneut schwer. Bei einem Handbike-Staffelrennen in der Toskana kollidierte er mit einem entgegenkommenden Lastwagen und erlitt schwere Gesichts- und Schädelverletzungen. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt und schwebte lange in Lebensgefahr. Erst anderthalb Jahre später, Ende 2021, konnte er das Krankenhaus verlassen. Seitdem lebte er weitgehend zurückgezogen. Der Unfall beendete seine aktive Sportkarriere. Sein letzter Rennstart im Motorsport war 2019 gewesen: ein Gaststart in der DTM in Misano sowie ein Einsatz beim Dream Race der DTM und Super GT. Im Januar desselben Jahres war er zudem beim 24-Stunden-Rennen in Daytona am Steuer eines BMW M8 GTE an den Start gegangen.

Reaktionen aus der Sportwelt und Politik

Die Nachricht von Zanardis Tod löste weltweit Trauer aus. Die Formel 1 würdigte ihn als „Helden größten Kalibers“. Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali, ebenfalls Italiener, sagte: „Er stand vor Herausforderungen, die jeden anderen zum Aufgeben gebracht hätten, doch er blickte stets nach vorne – immer mit einem Lächeln und einer unerschütterlichen Entschlossenheit, die uns alle inspirierte. Auch wenn sein Verlust tief zu spüren ist, bleibt sein Vermächtnis ungebrochen.“ Fußballclubs wie Inter Mailand und Juventus Turin kondolierten in den sozialen Netzwerken. Auch die italienische Politik reagierte: Ministerpräsidentin Giorgia Meloni würdigte Zanardi als außergewöhnlichen Menschen, der „jede Prüfung des Lebens in eine Lektion in Mut, Stärke und Würde verwandeln konnte“. Im Fahrerlager des Formel-1-Rennens in Miami herrschte bedrückte Stimmung. Für das erste Rennen des GT World Challenge Europe Sprint Cup in Brands Hatch wurde eine Schweigeminute angekündigt.

Ein Vermächtnis jenseits des Sports

Alex Zanardis Leben war eine Abfolge von Rückschlägen und Triumphen, die ihn zu einer der inspirierendsten Figuren des internationalen Sports machten. Vom Formel-1-Pilot zum Champion in den USA, von der Doppelamputation zum Paralympics-Sieger – sein Weg zeigte eine unerschütterliche Entschlossenheit, die weit über die Rennstrecke hinausstrahlte. „Er war wirklich eine inspirierende Persönlichkeit – als Mensch und als Athlet“, schrieb Domenicali. „Seine außergewöhnliche Stärke werde ich immer in mir tragen.“ Die Motorsport- und die gesamte Sportwelt trauern um einen Mann, der bewies, dass selbst die schwersten Schicksalsschläge in Siege verwandelt werden können.

Das Wichtigste

  • Alex Zanardi starb am 1. Mai 2025 im Alter von 59 Jahren.
  • Er überlebte zwei schwere Unfälle: 2001 mit Beinamputation, 2020 mit schweren Kopfverletzungen.
  • Zanardi gewann vier paralympische Goldmedaillen im Handbike (2012, 2016).
  • Im Motorsport triumphierte er als zweifacher Champ-Car-Meister und WTCC-Rennsieger für BMW.
  • Sein Leben gilt als Symbol für Mut und Durchhaltevermögen über den Sport hinaus.
  • Die Formel 1, Fußballclubs und die italienische Regierung würdigten ihn öffentlich.
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