Annett Kaufmann über Morddrohungen: „Hasskommentare sagen immer etwas über die aus, die sie schreiben“
Die 19-jährige Tischtennis-Bronzemedaillengewinnerin von Paris 2024 spricht offen über sexistische Beleidigungen und Morddrohungen im Netz und wie sie damit umgeht.
GERMANY —
Die Fakten
- Annett Kaufmann gewann bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris Bronze im Team-Wettbewerb.
- Im März 2025 machte sie Morddrohungen und Hasskommentare gegen sich öffentlich.
- Kaufmann erhält neben anderen Hassbotschaften viele extrem sexistische Kommentare.
- Vor dem ersten Spiel der Team-WM gegen Frankreich am Samstag, 11 Uhr (DYN), äußerte sie sich erneut.
- Kaufmann ist 19 Jahre alt und stammt aus Kolbermoor.
- Benedikt Duda (32) aus Bergneustadt engagierte eine Social-Media-Managerin zur Kontrolle seiner Konten.
- Der DOSB setzt seit Paris 2024 einen Hatespeech-Filter ein und arbeitet mit der ZIT zusammen.
- Der DTTB bietet betroffenen Athleten Rückhalt, Gespräche und Solidarität.
Eine Olympiasiegerin im Visier der Hater
Annett Kaufmann, die mit 19 Jahren bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris Bronze im Tischtennis-Teamwettbewerb gewann, sieht sich seit ihrem Aufstieg zur nationalen Bekanntheit einer Flut von Hasskommentaren ausgesetzt. Im März dieses Jahres machte sie die Angriffe öffentlich, darunter detaillierte Morddrohungen. „Es wurde genau geschildert, wie ich umgebracht werden soll“, sagte sie damals in einem Talkformat. Die Nachrichten, die sie erreichen, sind nicht nur bedrohlich, sondern auch zutiefst sexistisch. „Vor allem Frauen bekommen unsägliche Nachrichten, die sich auf Äußerlichkeiten beziehen. Auch ich erhalte, neben anderen Hassbotschaften, viele extrem sexistische Kommentare“, berichtete Kaufmann. Trotz der Unterstützung vieler Fans, die sie in sozialen Medien verteidigen, sei die Belastung enorm.
Kaufmanns Strategie: Humor und Distanz
Kaufmann hat einen eigenen Umgang mit den Angriffen entwickelt. „Ich stelle mir dann immer vor: Da sitzt jemand auf dem Sofa, sieht mich spielen und sagt sich: Der zeige ich es jetzt. Über solche Leute mache ich mich eher lustig“, erklärte sie der Deutschen Presse-Agentur vor dem ersten Spiel der Team-WM gegen Frankreich. Sie ist überzeugt, dass die Täter im direkten Gespräch nicht denselben Mut aufbringen würden: „Wenn diese Person vor mir stehen würde, würde sie mir das Gleiche wahrscheinlich niemals direkt ins Gesicht sagen können. Hasskommentare sagen immer etwas über die aus, die sie schreiben.“ Die 19-Jährige betont, dass sie sich nicht einschüchtern lässt. Sie lehnt es ab, den anonymen Angreifern zu viel Energie zu widmen. „Jeder darf seine Meinung haben. Hass, Morddrohungen und Sexismus kann man nicht akzeptieren. Aber ansonsten liegt es an mir selbst, wie viel Wert ich einer Meinung gebe. Und für mich hat nur die Meinung von Leuten einen Wert, die mir wichtig sind.“
Die Schattenseiten des Ruhms
Kaufmann ist sich bewusst, dass ihr Leben als Profisportlerin oft verklärt wahrgenommen wird. „Wir Sportler sind vieles gewohnt, weil wir in der Öffentlichkeit stehen. Was ich aber anhand vieler Reaktionen bei mir gemerkt habe: Vielen Leuten ist nicht bewusst, was in sozialen Netzwerken teilweise passiert. Und viele denken, dass das Leben eines Profisportlers nur Funkeln und Glitzer bedeutet“, sagte sie. Mit ihrem öffentlichen Auftreten möchte sie sensibilisieren und auf die Realität hinter den Kulissen aufmerksam machen. Auch ihr Teamkollege Benedikt Duda (32) aus Bergneustadt leidet unter den Angriffen. „Wenn man nicht gewonnen hat und dann noch solche Nachrichten bekommt von Leuten, die man nicht kennt und die sich das im normalen Leben gar nicht trauen würden, ist das noch frustrierender“, beschrieb der EM-Zweite die Situation. Bereits vor Jahresfrist gestand er: „Das hängt mir zu Hals raus.“
Unterschiedliche Abwehrmaßnahmen
Kaufmann und Duda haben verschiedene Strategien entwickelt, um sich zu schützen. Kaufmann deutete an, bei besonders schlimmen Fällen Sperranträge und Strafanzeigen zu stellen. „Wenn es wirklich schlimm wird, mache ich auch was“, sagte sie beim WM-Lehrgang in Düsseldorf. Allerdings sieht sie Grenzen: „Aber das ist bei anonymen Accounts und Fake-Profilen teilweise nicht möglich. Und ich persönlich sehe es nicht ein, diesen Leuten so viel Energie zu widmen.“ Duda hingegen hat eine Social-Media-Managerin engagiert, die seine Konten pflegt und eingehende Nachrichten kontrolliert. „Bevor ich reinschaue, frage ich immer, ob es da etwas gibt, und diese Nachrichten werden dann gelöscht. Ich bekomme das dadurch gar nicht mehr mit“, erklärte er dem SID. In der Vergangenheit musste er sogar Angriffe gegen seine gesamte Familie erdulden.
Unterstützung durch Verbände und den DOSB
Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) bietet betroffenen Athleten konservative Unterstützung. „Wir stehen unseren Spielerinnen und Spielern mit Rückhalt, Gesprächen und Solidarität bei“, betonte DTTB-Sportvorstand Richard Prause bereits 2025 nach Dudas öffentlichen Anklagen. Kaufmann kann sich vorstellen, dass der Verband in Zukunft weitere Maßnahmen ergreift: „Ich kann mir gut vorstellen, dass der DTTB da in Zukunft auch etwas machen wird.“ Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist bereits aktiv geworden. Seit den Olympischen Spielen 2024 in Paris setzt er einen sogenannten Hatespeech-Filter ein, ein KI-System, das Athleten vor anonymen Online-Attacken schützen soll. Darüber hinaus arbeitet der DOSB eng mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) zusammen.
Ausblick: Ein langer Kampf gegen die Anonymität
Die Team-WM in London stellt für Kaufmann und Duda nicht nur sportlich eine Herausforderung dar. Beide müssen befürchten, bei Misserfolgen erneut ins Visier der Hater zu geraten. Kaufmanns Offenheit hat jedoch bereits Wirkung gezeigt: Viele Reaktionen hätten ihr gezeigt, dass vielen Menschen nicht bewusst sei, was in sozialen Netzwerken passiere. Die Frage nach rechtlichen Schritten bleibt komplex. Anonyme Accounts und Fake-Profile erschweren Strafanzeigen. Dennoch bleibt Kaufmann entschlossen: Sie will sich nicht einschüchtern lassen und weiterhin auf das Problem aufmerksam machen. Ihr Motto: „Ich sehe es nicht ein, diesen Leuten so viel Energie zu widmen.“
Das Wichtigste
- Annett Kaufmann, Olympia-Bronzemedaillengewinnerin, erhält seit Paris 2024 Morddrohungen und sexistische Hasskommentare.
- Sie begegnet den Angriffen mit Humor und Distanz, betont aber die Notwendigkeit von Sensibilisierung.
- Benedikt Duda engagierte eine Social-Media-Managerin, um sich vor Hassnachrichten zu schützen.
- Der DOSB setzt seit 2024 einen Hatespeech-Filter ein und kooperiert mit der ZIT.
- Der DTTB bietet betroffenen Athleten Gespräche und Solidarität, konkrete technische Maßnahmen sind in Planung.
- Anonyme Accounts und Fake-Profile erschweren rechtliche Schritte gegen die Täter.





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