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BYD lotet Übernahme von VWs Gläserner Manufaktur in Dresden aus

Der chinesische E-Auto-Riese verhandelt einem Bericht zufolge über eine Nutzung des traditionsreichen Werks – Volkswagen dementiert, doch Konzernchef Blume hatte zuvor eine „clevere Lösung“ mit chinesischen Partnern angedeutet.

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BYD lotet Übernahme von VWs Gläserner Manufaktur in Dresden aus
Der chinesische E-Auto-Riese verhandelt einem Bericht zufolge über eine Nutzung des traditionsreichen Werks – VolkswagenCredit · FOCUS online

Die Fakten

  • BYD verhandelt laut CarNewsChina über die Nutzung der Gläsernen Manufaktur in Dresden.
  • Das Werk von Volkswagen stellte Ende 2025 die Produktion ein – erstmals in der deutschen VW-Geschichte.
  • VW-CEO Oliver Blume bezeichnete eine gemeinsame Nutzung von Werken mit chinesischen Herstellern als „intelligente Lösung“.
  • Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies warb für mehr Kooperation mit chinesischen Autobauern.
  • BYDs Nettogewinn brach im ersten Quartal 2026 um 55 Prozent auf 599 Millionen US-Dollar ein.
  • Der Absatz von BYD in China sank um 16 Prozent, während das Auslandsgeschäft um 71 Prozent zulegte.
  • BYD verkaufte im März über 3.000 Autos in Deutschland – ein Plus von mehr als 300 Prozent.
  • Auch MG und Xpeng prüfen laut dem Bericht, freie Kapazitäten bei VW zu nutzen.

Ein Prestigeobjekt vor dem Verkauf

Die Gläserne Manufaktur in Dresden, einst als Symbol deutscher Ingenieurskunst von Ferdinand Piëch eröffnet, steht vor einer ungewissen Zukunft. Seit Ende 2025 ruht die Produktion – der ID.3, der e-Golf und zuvor der Phaeton liefen hier vom Band. Nun soll ausgerechnet der chinesische E-Auto-Riese BYD Interesse an einer Übernahme haben. Laut einem Bericht des Branchenportals CarNewsChina verhandelt BYD mit Volkswagen über eine Nutzung des Werks. Der Plan sieht eine Aufteilung vor: In einem Teil sollen BYD-Elektroautos produziert werden, der andere Teil soll als Technologie-Hub in Zusammenarbeit mit dem Freistaat Sachsen und der Technischen Universität Dresden dienen. Volkswagen selbst hat ein Projekt gestartet, um das Gelände in ein Innovationszentrum für künstliche Intelligenz, Robotik und Mikroelektronik zu transformieren – mit einem Investitionsvolumen von rund 50 Millionen Euro.

VW dementiert, aber Blume lässt Spielraum

Volkswagen reagierte prompt auf die Spekulationen. Ein Sprecher stellte klar: „Wir weisen diese Spekulation entschieden zurück.“ Doch ganz vom Tisch ist das Thema nicht. Konzernchef Oliver Blume hatte erst am vergangenen Donnerstag in einem Interview mit CarNewsChina „eine gemeinsame Produktion in Fabriken“ mit chinesischen Herstellern ins Spiel gebracht. Das könne eine „clevere Lösung“ sein, um Überkapazitäten abzubauen und Kosten zu senken. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, dessen Land mit 20 Prozent zweitgrößter Anteilseigner von VW ist, hatte zuletzt offen für mehr Kooperationen mit chinesischen Herstellern geworben. Sein Tenor: Wenn Werke nicht ausgelastet seien, müsse man auch über neue Partner reden.

BYDs Expansionsdrang und finanzielle Delle

BYD wächst rasant – allein im März verkaufte der Autobauer über 3.000 Autos in Deutschland, ein Plus von mehr als 300 Prozent. Doch die jüngsten Quartalszahlen trüben das Bild: Im ersten Quartal 2026 brach der Nettogewinn um satte 55 Prozent auf 599 Millionen US-Dollar ein. Der Absatz im Heimatmarkt China sank um 16 Prozent, während das internationale Geschäft um 71 Prozent zulegte. Der Druck auf BYD wächst, neue Märkte zu erschließen. Ein Werk in Deutschland würde nicht nur helfen, EU-Strafzölle auf importierte Fahrzeuge zu umgehen, sondern auch vom Renommee des „Made in Germany“ profitieren. BYD investiert bereits in Werke in Ungarn und der Türkei und prüft weitere Optionen, um seine Präsenz in Europa zu festigen.

Die Gläserne Manufaktur: Vom Phaeton zum Leerstand

Die Geschichte der Gläsernen Manufaktur macht einen möglichen Deal zusätzlich brisant. Das Werk wurde 2002 auf Initiative von Ferdinand Piëch eröffnet und war als Symbol für die technologische Kompetenz des Konzerns gedacht – anfangs mit der Fertigung der Luxuslimousine Phaeton. In den Jahren danach entwickelte sich der Standort zu einem Zentrum der Elektromobilität und montierte Modelle wie den e-Golf und zuletzt den ID.3. Trotz seiner Symbolkraft verlor das Werk innerhalb der Konzernstrategie zunehmend an Bedeutung. Die geringe Größe – mit einer Jahresproduktion von zuletzt rund 6.000 Einheiten – sowie das nachlassende Wachstum des E-Auto-Marktes trugen zur Entscheidung bei, die Aktivitäten einzustellen. Die Schließung im Dezember 2025 war ein historischer Schritt: Es war das erste Volkswagen-Produktionswerk in Deutschland, das die Fertigung dauerhaft beendete.

Wendepunkt in den Beziehungen zwischen Europa und China?

Ein Einstieg von BYD in die Gläserne Manufaktur hätte nicht nur eine große industrielle, sondern auch eine symbolische Bedeutung. Es könnte einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen europäischen und asiatischen Herstellern markieren. BYD wäre nicht der einzige chinesische Autobauer, der nach Europa drängt: Auch MG (SAIC) und Xpeng prüfen dem Bericht von CarNewsChina zufolge, ob sie freie Kapazitäten bei VW nutzen könnten. Volkswagen selbst steht vor einer anspruchsvollen Phase: Überkapazitäten in der Produktion, eine hinter den Erwartungen zurückbleibende Nachfrage nach Elektroautos und unterschiedliche Marktdynamiken weltweit. Die Möglichkeit, Werke mit chinesischen Herstellern zu teilen, könnte eine pragmatische Lösung sein – auch wenn die Wolfsburger derzeit jede konkrete Verhandlung dementieren.

Offene Fragen und Ausblick

Ob die Gerüchte tatsächlich zu einem Deal führen, bleibt abzuwarten. Bisher gab es keine konkreten Gespräche zwischen BYD und VW, wie Volkswagen betont. Es ist gut möglich, dass erst die öffentliche Spekulation das Interesse des chinesischen Elektro-Giganten weckt und die Gläserne Manufaktur bald BYD statt VW auf dem Dach trägt. Die Zukunft des Standorts ist bereits teilweise vorgezeichnet: Volkswagen will das Gelände in ein Innovationszentrum umwandeln. Ein möglicher Einstieg von BYD könnte die Forschungsaktivitäten um eine neue Produktion ergänzen – und aus Dresden ein Symbol für die neue Ära der globalen Autoindustrie machen.

Das Wichtigste

  • BYD verhandelt laut einem Bericht über die Nutzung der Gläsernen Manufaktur in Dresden, was einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen europäischen und chinesischen Herstellern markieren könnte.
  • Volkswagen dementiert die Gespräche, aber Konzernchef Oliver Blume hatte zuvor eine gemeinsame Nutzung von Werken mit chinesischen Partnern als „clevere Lösung“ bezeichnet.
  • BYDs Nettogewinn brach im ersten Quartal 2026 um 55 Prozent ein, während das Auslandsgeschäft um 71 Prozent wuchs – der Druck, in Europa zu produzieren, steigt.
  • Die Gläserne Manufaktur war das erste VW-Produktionswerk in Deutschland, das dauerhaft geschlossen wurde – ein Symbol für die Krise der deutschen Autoindustrie.
  • Neben BYD prüfen auch MG und Xpeng, freie Kapazitäten bei VW zu nutzen, was auf eine strategische Expansion chinesischer Hersteller nach Europa hindeutet.
  • Ein Werk in Deutschland würde BYD helfen, EU-Strafzölle zu umgehen und vom Image des „Made in Germany“ zu profitieren.
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