Finnlands Außenministerin Valtonen: NATO stärker denn je
Elina Valtonen betont die Bedeutung des Zivilschutzes und die gestärkte Rolle Finnlands in der NATO.
GERMANY —
Die Fakten
- Finnland grenzt an 1.340 Kilometer russischer Grenze.
- Finnland trat im April 2023 der NATO bei.
- Das Land hat ein Notfallprogramm für 72 Stunden unabhängige Selbstversorgung.
- Valtonen bezeichnet die Ukraine als eine von vier glaubwürdigen Armeen in Europa.
- Finnlands Außenministerin verbrachte als Kind mehrere Jahre in Bonn.
- Sie lobte die Rede von Friedrich Merz auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Finnlands Zivilschutz als Vorbild
Angesichts der 1.340 Kilometer langen Grenze zu Russland nimmt Finnland den Zivilschutz äußerst ernst. Außenministerin Elina Valtonen erläuterte im ZDF, welche Lehren Deutschland daraus ziehen könne und warum sie das transatlantische Bündnis für stärker als je zuvor hält. Ein Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in einem modernen finnischen Schutzbunker unterstrich die Bedeutung dieser Vorsorgemaßnahmen. Valtonen erklärte, dass für die Sicherheit eines Landes zwei Dinge entscheidend seien: Erstens, die Bereitschaft der Bürger, sich für gemeinsame Werte und Europa einzusetzen. Zweitens, die Verankerung des Schutzes in den Köpfen der Bevölkerung. Finnland setzt auf ein dezidiertes Notfallprogramm, das Haushalte befähigen soll, sich in den ersten 72 Stunden einer Krise selbst zu versorgen, bevor staatliche Hilfen greifen. Dieses Bewusstsein für Krisensituationen, so die Ministerin, nehme den Menschen Sorgen und schaffe Sicherheit. Wenn die Bevölkerung wisse, dass jederzeit etwas passieren könne, sei sie auch eher bereit, Steuergelder in Sicherheit und Verteidigung fließen zu lassen. Diese Vorbereitung stärke die Eigeninitiative im Krisenfall. Die finnische Regierung sieht in dieser umfassenden Vorsorge eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der nationalen Resilienz.
Die NATO nach dem Beitritt Finnlands
Der Beitritt Finnlands zur NATO im April 2023, eine direkte Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine, hat die strategische Landschaft des Bündnisses verändert. Valtonen sieht trotz jüngster Infragestellungen durch US-Präsident Donald Trump keine Destabilisierung. Im Gegenteil, der Beitritt Finnlands und Schwedens habe die NATO, insbesondere im Ostseeraum und in der Arktis, erheblich gestärkt. Die Ministerin hob hervor, dass die Europäer durch die aktuelle Sicherheitslage motiviert seien, deutlich mehr in die eigene Verteidigung zu investieren. Dies trage maßgeblich zur Gesamtfestigkeit des Bündnisses bei. Die finnische Perspektive unterstreicht, dass die NATO durch die Erweiterung und die verstärkte europäische Verteidigungsanstrengung an Schlagkraft gewonnen hat. Valtonen äußerte sich auch zur Integration der Ukraine in die NATO. Sie plädiert für eine schnelle Aufnahme des Landes, auch aus Eigeninteresse. Die Ukraine besitze eine der vier glaubwürdigsten Armeen Europas, neben denen der Türkei, Polens und Finnlands. Die Ministerin schloss nicht aus, dass selbst Donald Trump seinen Widerstand gegen einen NATO-Beitritt der Ukraine aufgeben könnte, da er letztlich ein Verhandlungsführer sei.
Persönliche Verbindungen und europäische Ambitionen
Finnlands Außenministerin Elina Valtonen pflegt eine besondere Beziehung zu Deutschland. Als Kind verbrachte sie mehrere Jahre in Bonn, was ihr eine frühe Perspektive auf die deutsche Rolle in Europa vermittelte. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz lobte sie die Rede von Friedrich Merz und bekräftigte den deutschen Führungsanspruch innerhalb Europas. Diese persönliche Verbindung und ihre Beobachtungen fließen in ihre Einschätzungen zur europäischen Sicherheitsarchitektur ein. Valtonen sieht in einer starken deutschen Führung einen wichtigen Faktor für die Stabilität und Weiterentwicklung der Europäischen Union. Ihre Aussagen auf der Konferenz unterstrichen die Erwartungen, die viele europäische Partner an Berlin richten. Die Ministerin sprach auch über den Reformbedarf der Europäischen Union im Allgemeinen. Ihre Anwesenheit und ihre Äußerungen auf der Münchner Sicherheitskonferenz spiegeln das wachsende Interesse Finnlands an einer aktiven Mitgestaltung der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik wider. Sie betonte die Notwendigkeit einer kohärenten und handlungsfähigen EU in einer sich wandelnden Weltordnung.
Deutschland und die Rolle in Europa
Die Außenministerin betonte die Wichtigkeit Deutschlands für die europäische Sicherheit und die NATO. Nach dem Beitritt Finnlands und Schwedens sei die NATO stärker geworden, insbesondere im Ostseeraum und in der Arktis. Dies sei auch eine Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022. Valtonen lobte die Rede von Friedrich Merz auf der Münchner Sicherheitskonferenz und den deutschen Führungsanspruch in Europa. Sie sieht Deutschland als zentralen Akteur, dessen Engagement für die europäische Verteidigung und Sicherheit von entscheidender Bedeutung ist. Die Ministerin unterstrich, dass die Stärke der NATO auch durch die verstärkten Investitionen der Europäer in ihre eigene Verteidigung gesichert werde. Die finnische Perspektive auf die Rolle Deutschlands ist geprägt von der Erwartung, dass Berlin seine Führungsrolle wahrnimmt, um die europäische Sicherheitsarchitektur zu stärken. Valtonen sieht in einer geeinten und entschlossenen europäischen Verteidigungspolitik einen Schlüssel zur Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen.
Das Wichtigste
- Finnland investiert stark in Zivilschutz und Notfallvorsorge als Reaktion auf die russische Bedrohung.
- Die NATO ist laut Außenministerin Valtonen durch den Beitritt Finnlands und Schwedens gestärkt.
- Valtonen plädiert für eine schnelle Integration der Ukraine in die NATO.
- Deutschland wird von Finnland als wichtiger Akteur für die europäische Sicherheit und Führung gesehen.
- Die Ministerin verbrachte als Kind mehrere Jahre in Bonn und hat eine persönliche Verbindung zu Deutschland.
- Die Stärke der NATO wird auch durch die erhöhten Verteidigungsausgaben der europäischen Mitgliedstaaten untermauert.



Moskau droht Kiew mit Angriff – und fordert Botschaften zur Evakuierung auf

Putin ordnet Waffenruhe für 8. und 9. Mai an – Selenskyj kontert mit eigenem Vorschlag
