Putin ordnet Waffenruhe für 8. und 9. Mai an – Selenskyj kontert mit eigenem Vorschlag
Die Ukraine bietet eine Feuerpause ab dem 6. Mai an und stellt Russlands Ernsthaftigkeit in Frage, während Moskau mit Vergeltung droht.

GERMANY —
Die Fakten
- Putin ordnete eine Waffenruhe für den 8. und 9. Mai an.
- Selenskyj kündigte eine Waffenruhe ab dem 6. Mai an.
- Russland drohte mit einem massiven Raketenangriff auf Kiew bei Verstößen.
- Eine ukrainische Drohne traf ein Wohnhaus in Moskau, 6 km vom Roten Platz entfernt.
- Putin und Trump besprachen die Waffenruhe in einem Telefonat Ende April.
- Die Militärparade am 9. Mai findet erstmals seit 2007 ohne Panzer statt.
- Russland schränkt mobile Internetverbindungen in Moskau ein.
Ein ungewöhnliches Angebot aus Moskau
Zum ersten Mal seit Monaten hat Russland eine Feuerpause im Krieg gegen die Ukraine angekündigt. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, die Waffen sollten am 8. und 9. Mai schweigen – auf Anordnung von Präsident Wladimir Putin, der auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist. Der 9. Mai ist in Russland der Tag des Sieges über Nazi-Deutschland, der mit einer großen Militärparade auf dem Roten Platz begangen wird. Die Ankündigung erfolgte über die staatlich unterstützte Nachrichtenapp Max. Das Ministerium betonte, man zähle darauf, dass die ukrainische Seite dem Beispiel folge. Andernfalls drohte es mit einem „massiven Vergeltungsraketenangriff auf das Zentrum von Kiew“ und forderte Zivilisten sowie ausländische Diplomaten auf, das Stadtzentrum rechtzeitig zu verlassen.
Selenskyjs überraschende Antwort
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte prompt mit einer eigenen Initiative. „Wir verkünden eine Waffenruhe, beginnend ab 0.00 Uhr in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai“, teilte er mit. Damit beginnt die ukrainische Feuerpause zwei Tage früher als die russische. Selenskyj fügte hinzu: „Wir werden ab diesem Zeitpunkt spiegelbildlich handeln.“ Er betonte, dass die Ukraine bislang keine offizielle Anfrage zu einer Einstellung der Kampfhandlungen erhalten habe. Die russische Ankündigung sei lediglich „auf russischen Online-Netzwerken behauptet“ worden. Selenskyj bezeichnete es als „nicht seriös“, einen Waffenstillstand zu vereinbaren, nur um Russland die Feierlichkeiten zu ermöglichen. Moskau befürchte offenbar, dass ukrainische Drohnen „über dem Roten Platz schwirren“ könnten.
Drohnenangriff nahe dem Roten Platz
In der Nacht zum Montag schlug eine ukrainische Drohne in einem Wohnhochhaus in Moskau ein – nur etwas mehr als sechs Kilometer vom Roten Platz entfernt. Verletzte gab es nach offiziellen Angaben nicht. Der Vorfall unterstreicht die wachsende Fähigkeit der Ukraine, auch weit entfernte Ziele im russischen Hinterland anzugreifen. Die russische Militärbehörde verwies auf Selenskyjs Andeutung möglicher Drohnenflüge über Moskau am 9. Mai. Für den Fall solcher Angriffe drohte das Ministerium mit einem massiven Raketenschlag auf das Zentrum Kiews. Zivilisten und ausländische Diplomaten sollten die ukrainische Hauptstadt daher rechtzeitig verlassen.
Hintergrund: Telefonat zwischen Putin und Trump
Die Idee einer Waffenruhe zum Feiertag war zuvor zwischen Putin und US-Präsident Donald Trump in einem Telefonat Ende April erörtert worden. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow bestätigte, dass Putin eine solche Feuerpause erwäge. Auch Trump nahm die Initiative für sich in Anspruch. Selenskyj forderte daraufhin von den USA Aufklärung über die genauen Absprachen. Die Ukraine trete für einen dauerhaften Waffenstillstand und einen mit Sicherheitsgarantien versehenen Frieden ein, sagte er. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief die internationale Gemeinschaft auf, die ukrainische Initiative zu unterstützen. „Der Frieden kann nicht auf 'Paraden' und 'Feiertage' warten“, schrieb er auf X.
Militärparade ohne Panzer – und eingeschränktes Internet
Die diesjährige Militärparade zum Tag des Sieges findet erstmals seit 2007 ohne die Zurschaustellung von Panzern und Raketentechnik statt. Zudem sollen Medienberichten zufolge mobile Internetverbindungen in Moskau über die kommenden Tage nur eingeschränkt funktionieren – offenbar um Drohnenangriffe zu erschweren. Russland hatte bereits 2025 eine dreitägige Feuerpause für den 80. Jahrestag des Kriegsendes in Europa ausgerufen. Der aktuelle Vorstoß ist der erste seit Beginn der groß angelegten Invasion vor mehr als vier Jahren.
Offene Fragen und Ausblick
Die ukrainische Ankündigung stellt Russland vor ein Dilemma: Lehnt Moskau die frühere Feuerpause ab, wirkt es nicht friedenswillig; stimmt es zu, verliert es den propagandistischen Vorteil des eigenen Vorschlags. Selenskyj machte deutlich, dass die Ukraine zu einem dauerhaften Waffenstillstand bereit sei, sofern Russland „reale Schritte“ unternehme. Ob die Waffenruhe tatsächlich zustande kommt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Der 6. Mai, so Sybiha, werde zeigen, ob Moskau es ernst meine – „Frieden oder Militärparaden“. Die Drohung mit einem Vergeltungsschlag auf Kiew bleibt indes bestehen.
Das Wichtigste
- Russland rief eine Waffenruhe für den 8. und 9. Mai aus, die Ukraine für den 6. Mai.
- Moskau drohte mit einem massiven Raketenangriff auf Kiew bei Verstößen gegen die Feuerpause.
- Eine ukrainische Drohne traf ein Wohnhaus in Moskau, sechs Kilometer vom Roten Platz entfernt.
- Putin und Trump besprachen die Waffenruhe in einem Telefonat Ende April.
- Die Militärparade am 9. Mai findet erstmals seit 2007 ohne Panzer statt; mobiles Internet wird eingeschränkt.
- Selenskyj bezeichnete die russische Initiative als nicht seriös und forderte einen dauerhaften Frieden mit Sicherheitsgarantien.






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