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Gladbachs Aufsichtsratschef Hollmann fordert „klaren Schnitt“ – Polanski vor dem Aus

Nach einer Serie enttäuschender Auftritte und öffentlicher Kritik steht Trainer Eugen Polanski bei Borussia Mönchengladbach vor dem Ende – trotz sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz.

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Gladbachs Aufsichtsratschef Hollmann fordert „klaren Schnitt“ – Polanski vor dem Aus
Nach einer Serie enttäuschender Auftritte und öffentlicher Kritik steht Trainer Eugen Polanski bei Borussia MönchengladbCredit · sportschau.de

Die Fakten

  • Eugen Polanski übernahm Gladbach nach drei Spieltagen von Gerardo Seoane, als das Team einen Punkt hatte.
  • Nach einem Zwischenhoch mit 13 von 15 möglichen Punkten (Spieltag 9–13) holte Gladbach danach nur drei Siege in 18 Partien.
  • Polanskis Punkteschnitt beträgt 1,11 – abstiegsreif.
  • Aufsichtsratsvorsitzender Michael Hollmann sagte auf der Mitgliederversammlung: „Ich habe die Schnauze voll. Es muss einen klaren Schnitt geben.“
  • Gladbach spielt defensiv mit Fünferkette und zwei Abräumern, Offensivspiel und Konter sind kaum vorhanden.
  • Am Sonntag (17.30 Uhr) empfängt Gladbach Borussia Dortmund, danach folgen Auswärtsspiele in Augsburg und gegen Hoffenheim.
  • Auch Bayer Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand steht nach schwankenden Leistungen unter Druck, sein Punkteschnitt fiel von 2,66 auf 1,86.

Hollmanns Wutrede auf der Mitgliederversammlung

Michael Hollmann, Aufsichtsratsvorsitzender von Borussia Mönchengladbach, hat auf der Mitgliederversammlung deutliche Worte gefunden. „Das Mainz-Spiel war der Tiefpunkt, ich habe die Schnauze voll“, sagte der Brauereibesitzer. „Von der Tabellensituation. Aber auch von der Art und Weise, wie wir uns dahin manövriert haben.“ Hollmann kündigte an, künftig „mehr Einfluss nehmen“ zu wollen. Seine Forderung: „Es muss einen klaren Schnitt geben, und es muss eine andere Gangart herrschen.“ Die Aussagen sind als klares Alarmsignal für Trainer Eugen Polanski zu verstehen – selbst wenn die Mannschaft in den verbleibenden Spielen noch einmal eine andere Leistung zeigen sollte.

Polanskis wechselhafte Bilanz seit Amtsantritt

Polanski übernahm den VfL nach drei Spieltagen von Gerardo Seoane, als das Team erst einen Punkt auf dem Konto hatte. Die ersten fünf Partien unter seiner Leitung blieben sieglos, ehe zwischen dem neunten und 13. Spieltag mit 13 von 15 möglichen Zählern ein Polster aufgebaut wurde, von dem Gladbach bis heute zehrt. Seit dem 13. Spieltag gab es jedoch nur noch drei Siege in 18 Begegnungen. Trotz eines aktuellen Vorsprungs von sechs Punkten auf den Relegationsplatz dürfte der Klassenerhalt gelingen – doch die sportliche Entwicklung ist rückläufig. Polanskis Punkteschnitt von 1,11 liegt auf Abstiegsniveau.

Defensive Ausrichtung ohne offensive Durchschlagskraft

Polanski setzt selbst in Heimspielen auf eine defensive Fünferkette mit zwei Abräumern davor. Das Offensivspiel leidet darunter erheblich. Konter hat die „Fohlenelf“ unter seiner Regie verlernt, Pressing beherrscht sie nicht, und das Umschaltspiel ist zu langsam, um nach Ballgewinnen gefährlich zu werden. Ein Beispiel für die Verunsicherung: Nach einer 1:0-Führung gegen Mainz igelte sich Gladbach so lange hinten ein, bis in der Nachspielzeit der Ausgleich fiel. Hollmann nannte diese Partie den „Tiefpunkt“.

Polanski sieht Job erledigt – trotz schwacher Zahlen

Nach dem 0:0 in Wolfsburg betonte Polanski, er habe seinen „Job erledigt“ und gehe fest davon aus, in der kommenden Saison weiter Trainer zu sein. Die Statistik spricht eine andere Sprache: Der Punkteschnitt von 1,11 ist abstiegsreif, und die Spielweise bietet wenig Argumente für eine Weiterbeschäftigung. Die Frage ist, ob die Entscheidung gegen den Trainer nicht bereits gefallen ist – selbst wenn die Mannschaft in den ausstehenden Partien gegen Dortmund, in Augsburg und gegen Hoffenheim noch einmal ein anderes Gesicht zeigen sollte.

Parallelen zu Leverkusen: Auch Hjulmand unter Druck

Ähnliche Vorhaltungen wie Polanski muss sich Kasper Hjulmand in Leverkusen gefallen lassen – auf tabellarisch höherem Niveau. Der Däne übernahm nach der Blitz-Entlassung von Erik ten Haag am dritten Spieltag mit dem Auftrag, Stabilität zu bringen und die Champions League zu erreichen. Nach einem Traumstart mit fünf Siegen und einem Unentschieden in den ersten sechs Partien (Punkteschnitt 2,66) folgten Rückschläge: ein 0:3 bei Bayern München, ein 0:2 gegen Augsburg, ein 1:4 gegen Stuttgart, ein 0:1 in Union Berlin und ein 3:3 in Heidenheim nach 2:0-Führung. Der Punkteschnitt fiel auf 1,86, die Champions League ist bei zwei Punkten Rückstand auf Platz vier aber noch erreichbar.

Kritik an mangelnder Entwicklung und Konstanz

Die Hauptvorwürfe an Hjulmand ähneln denen an Polanski: fehlende Konstanz, zu viele lethargische Auftritte, keine spielerische Weiterentwicklung und keine Verbesserung einzelner Spieler. Bayer habe damit die gegenteilige Entwicklung genommen wie der kommende Gegner RB Leipzig unter Ole Werner. In der Champions League überstand Leverkusen die Gruppenphase und scheiterte im Achtelfinale am späteren Halbfinalisten FC Arsenal. Doch die Diskrepanz zwischen Potenzial und Ertrag des im Sommer neu zusammengestellten Kaders bleibt groß.

Wegweisende Spiele am Wochenende

Für beide Trainer sind die anstehenden Partien richtungsweisend. Gladbach empfängt am Sonntag um 17.30 Uhr Borussia Dortmund, während Leverkusen am Samstag um 18.30 Uhr bei RB Leipzig antritt. Ein Erfolg könnte die jeweilige Position kurzfristig stärken, eine Niederlage den Druck weiter erhöhen. Sollte Polanski die Saison nicht überstehen, stünde Gladbach vor einem erneuten Trainerwechsel. In Leverkusen könnte Hjulmand bei einem Verpassen der Champions League ebenfalls seinen Posten verlieren. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Vereine an ihren Trainern festhalten oder einen „klaren Schnitt“ vollziehen.

Das Wichtigste

  • Michael Hollmann, Aufsichtsratsvorsitzender von Gladbach, forderte öffentlich einen „klaren Schnitt“ – ein klares Signal gegen Trainer Polanski.
  • Polanski hat seit dem 13. Spieltag nur drei Siege in 18 Spielen geholt, sein Punkteschnitt von 1,11 ist abstiegsreif.
  • Die defensive Spielweise mit Fünferkette und fehlender Offensivkraft steht im Zentrum der Kritik.
  • Trotz eines Sechs-Punkte-Vorsprungs auf den Relegationsplatz ist der Klassenerhalt wahrscheinlich, aber die sportliche Perspektive ungewiss.
  • Auch Leverkusens Trainer Hjulmand steht nach schwankenden Leistungen unter Druck, sein Punkteschnitt fiel von 2,66 auf 1,86.
  • Die anstehenden Spiele gegen Dortmund (Gladbach) und Leipzig (Leverkusen) könnten über die Zukunft beider Trainer entscheiden.
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