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Vater des getöteten Fabian gesteht erneute Beziehung zu Angeklagter – Gericht analysiert Chatverlauf

Am dritten Prozesstag vor dem Landgericht Rostock offenbart Matthias R., dass er und Gina H. seit Januar wieder ein Paar sind, während belastende Chatnachrichten und Suchanfragen die Anklage stützen.

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Vater des getöteten Fabian gesteht erneute Beziehung zu Angeklagter – Gericht analysiert Chatverlauf
Am dritten Prozesstag vor dem Landgericht Rostock offenbart Matthias R., dass er und Gina H. seit Januar wieder ein PaarCredit · T-Online

Die Fakten

  • Der achtjährige Fabian starb am 10. Oktober 2025 durch sechs Messerstiche.
  • Die Angeklagte Gina H. (30) soll aus Eifersucht gehandelt haben, um die Beziehung zu Fabians Vater zu retten.
  • Vater Matthias R. (35) gab vor Gericht zu, seit Januar wieder mit Gina H. liiert zu sein.
  • Eine Überwachungskamera zeigte Gina H.s Auto zweimal nahe Fabians Wohnung am Vormittag des 10. Oktober.
  • Über Gina H.s Account wurde am Tattag frühzeitig nach „Polizei“ und „Person vermisst“ gesucht, bevor der Vater die Vermisstenmeldung machte.
  • Am Tag nach der Tat suchte die Angeklagte nach „fressen Wildschweine tote Menschen“.
  • Fabians Leiche wurde nahe Klein Upahl gefunden – ein Ort, den Gina H. in einer Sprachnachricht zur Suche vorschlug.
  • Der Prozess wird am 13. Mai mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

Überraschendes Geständnis im Zeugenstand

Am dritten Verhandlungstag im Mordfall Fabian vor dem Landgericht Rostock hat der Vater des getöteten Jungen, Matthias R., eine überraschende Erklärung abgegeben. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Holger Schütt bestätigte der 35-Jährige, dass er und die Angeklagte Gina H. seit Januar dieses Jahres wieder ein Paar sind. „Das hat sich im Gefängnis ergeben“, sagte R. und sorgte damit für Empörung im Publikum. R., der vier Jahre mit H. liiert war, gilt als zentraler Zeuge. Seine Aussage steht im Widerspruch zu früheren Äußerungen, in denen er H. belastet hatte. Fabians Mutter warf R. vor, den Jungen „ein zweites Mal sterben lassen“ zu haben.

Richter analysiert Kommunikation minutengenau

Richter Schütt führte den Zeugen detailreich durch die Chatnachrichten und Sprachnachrichten vom Tag des Verschwindens. Das Bundeskriminalamt hatte eigens eine Kommunikationsanalyse erstellt. Demnach zeigte H. normalerweise wenig Interesse an R.s Familie, doch am 10. Oktober fragte sie mehrfach nach, was ihn beschäftige – noch bevor er ihr mitteilte, dass sein Sohn vermisst werde. Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Indiz für eine gezielte Täuschung. „Sie drehen die Beziehung hin und her“, kommentierte der Richter die ausgiebigen Diskussionen über Beziehungsprobleme, die auch nach der Trennung fortgeführt wurden. H. störte sich demnach am Kontakt des Vaters zur Mutter des Jungen.

Belastende Suchanfragen und Videoaufnahmen

Die Auswertung des Nutzerkontos der Angeklagten ergab, dass bereits am Vormittag des 10. Oktober, vor der offiziellen Vermisstenmeldung, nach den Begriffen „Polizei“ und „Person vermisst“ gesucht wurde. Einen Tag später folgte die erschreckende Suchanfrage: „fressen Wildschweine tote Menschen“. Zudem zeigte ein Überwachungsvideo, dass H.s Auto binnen weniger Minuten zweimal in der Nähe von Fabians Wohnung gefahren war. Im selben Zeitraum wurde das Display von Fabians Handy deaktiviert – es schaltete sich erst wieder ein, als seine Mutter am Nachmittag nach Hause kam und das Gerät fand, aber nicht den Jungen.

Sprachnachrichten und Leichenfund

Im Gericht wurden Audionachrichten abgespielt, in denen H. einem Bekannten vorschlug, bei Klein Upahl südwestlich von Güstrow nach dem vermissten Jungen zu suchen. Fabians Leiche wurde später genau dort gefunden. Die Angeklagte selbst hatte den Fund der Polizei gemeldet. H. schweigt bislang zu den Vorwürfen. Ihr Anwalt ergriff am dritten Prozesstag das Wort, um über ein Messer zu sprechen – ein mögliches Tatwerkzeug. Die Staatsanwaltschaft wirft H. vor, Fabian mit sechs Messerstichen getötet zu haben, um die Beziehung zu R. zu retten, der die Trennung wegen seines Sohnes wollte.

Widersprüche und Erinnerungslücken des Vaters

Matthias R. hatte sich in früheren Aussagen in Widersprüche verstrickt. Negative Aussagen über H. revidierte er. Auf die Frage des Richters, wer Fabian getötet haben könnte, antwortete R., er könne sich vorstellen, „dass da noch irgendjemand anderes dahintersteckt“. Das Gericht zweifelte an seinen angeblichen Erinnerungslücken: „Wenn das einzige Kind verschwindet, kann man sich vermutlich an jede Minute erinnern“, so der Richter. Oberstaatsanwalt Harald Nowack kündigte nach der Sitzung an: „Da kommt noch mehr.“ Der Prozess wird am 13. Mai mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

Mögliches Motiv: Beziehungsdrama mit tödlichem Ausgang

Die Ermittler zeichnen das Bild einer verzweifelten Tat: H. soll geglaubt haben, durch die Beseitigung des Kindes die Beziehung zu R. retten zu können. Der Vater hatte die Beziehung nicht fortführen wollen, um den Kontakt zu seinem Sohn nicht zu gefährden. Die Chatverläufe zeigen, dass beide noch lange nach der Trennung über ihre Probleme diskutierten. Der Fall hat in Deutschland große Betroffenheit ausgelöst. Die Verhandlung wird von einem großen Medieninteresse begleitet. Die Angeklagte zeigte am dritten Prozesstag erstmals Emotionen, als belastende Nachrichten abgespielt wurden.

Das Wichtigste

  • Der Vater des Opfers ist wieder mit der Angeklagten liiert, was seine Glaubwürdigkeit als Zeuge infrage stellt.
  • Belastende Chatnachrichten und Suchanfragen deuten auf eine aktive Beteiligung H.s an der Tat hin.
  • Eine Überwachungskamera platziert H.s Auto zur Tatzeit am Tatort.
  • Die Angeklagte schweigt, während die Beweislage immer dichter wird.
  • Der Prozess wird sich über mehrere Monate erstrecken; die Staatsanwaltschaft kündigt weitere Beweise an.
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