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Kanada weist iranische Fußballfunktionäre aus – Fifa-Kongress ohne Teheran

Präsident Mehdi Taj, ein Ex-Mitglied der Revolutionsgarden, wird am Flughafen Toronto abgewiesen; die Delegation reist in die Türkei zurück.

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Kanada weist iranische Fußballfunktionäre aus – Fifa-Kongress ohne Teheran
Präsident Mehdi Taj, ein Ex-Mitglied der Revolutionsgarden, wird am Flughafen Toronto abgewiesen; die Delegation reist iCredit · Spiegel

Die Fakten

  • Mehdi Taj, Präsident des iranischen Fußballverbands, wurde am Flughafen Toronto die Einreise verweigert.
  • Auch Generalsekretär Hedayat Mombeni und sein Stellvertreter wurden abgewiesen.
  • Kanada hatte die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) 2024 zur Terrororganisation erklärt.
  • Taj ist ein ehemaliges Mitglied der IRGC.
  • Die iranische Delegation war mit offiziellen Visa eingereist.
  • Der 76. Fifa-Kongress findet vom 11. bis 19. Juli in Vancouver statt.
  • Iran ist für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko qualifiziert.

Einreise verweigert: Iranische Delegation verlässt Kanada

Der Präsident des iranischen Fußballverbands, Mehdi Taj, ist am Flughafen Toronto von kanadischen Einwanderungsbeamten abgewiesen worden. Zusammen mit dem Generalsekretär Hedayat Mombeni und dessen Stellvertreter musste er den nächstmöglichen Flug in die Türkei nehmen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim spricht von „unangemessenem Verhalten der Einwanderungsbeamten“ und einer „Beleidigung eines der ehrenwertesten Organe der iranischen Streitkräfte“. Die kanadische Außenministerin Anita Anand bestätigte den Vorfall, bezeichnete die Einreiseverweigerung jedoch als „unbeabsichtigt“. Sie verwies für nähere Angaben an Einwanderungsministerin Lena Diab. Die Regierung in Ottawa bekräftigte ihre Haltung: „IRGC-Funktionäre sind in Kanada nicht zulässig und haben in unserem Land nichts zu suchen.“

Tajs Vergangenheit bei den Revolutionsgarden

Mehdi Taj ist ein ehemaliges Mitglied der iranischen Revolutionsgarden (IRGC), die Kanada im Jahr 2024 als Terrororganisation eingestuft hat. Seither ist Mitgliedern der IRGC die Einreise nach Kanada untersagt. Tajs Visum wurde offenbar trotz seiner Vergangenheit ausgestellt – die iranischen Staatsmedien betonten, die Funktionäre seien mit „offiziellen Visa“ gereist. Die kanadischen Behörden widerriefen die Einreiseerlaubnis nach der Ankunft. Die iranische Delegation sollte am Fifa-Kongress in Vancouver teilnehmen, der am Donnerstag beginnt. Stattdessen kehrten die drei Funktionäre noch vor Kongressbeginn um. Der iranische Fußballverband erklärte, die Abreise sei eine Reaktion auf die „Beleidigung“ durch die Beamten gewesen – ohne auf die sicherheitspolitischen Hintergründe einzugehen.

Fifa-Kongress ohne iranische Vertreter

Der 76. Fifa-Kongress findet in Vancouver statt, einer der beiden kanadischen Spielorte der WM 2026. 211 Mitgliedsverbände sind vertreten, darunter auch der DFB mit Präsident Bernd Neuendorf, der dem Fifa-Council angehört. Die iranische Delegation fehlt – ein diplomatischer Zwischenfall, der die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Teheran und den westlichen Staaten weiter belastet. DFB-Präsident Neuendorf äußerte sich vor dem Kongress: „Es ist naheliegend, dass man kurz vor dem WM-Start nochmal die Themen durchgeht, um die es international geht.“ Er verwies auf den Nahost-Krieg und die offene Frage der iranischen WM-Teilnahme. Fifa-Präsident Gianni Infantino werde „darüber berichten und uns Auskunft erteilen“.

Infantino ohne Polizei-Eskorte – Fifa weist Antrag zurück

Nicht nur die iranische Delegation sorgt für Schlagzeilen: Fifa-Präsident Gianni Infantino wurde von der Polizei Vancouver eine Sonderbehandlung verweigert. Ein Antrag auf eine Polizei-Eskorte mit Straßensperrungen sei abgelehnt worden, teilte Polizeivizepräsident Don Chapman mit. „Formelle Fahrzeugkonvois mit Verkehrssperrungen sind Staatsoberhäuptern vorbehalten“, sagte Chapman. Fifa-Offizielle erfüllten nicht die Kriterien für international geschützte Personen. Die Fifa wies den Bericht zurück: Man habe niemals eine bestimmte Eskorte für Infantino beantragt. Der Präsident sei „sich keiner Anfrage an die Behörden bezüglich seines Transports und Sicherheitsfragen bewusst oder daran beteiligt“. Das kanadische WM-Organisationskomitee stehe in Kontakt mit den Behörden, wie bei früheren Veranstaltungen. Die Polizei von Toronto stellte klar, dass es auch während der WM keine Eskorten für VIPs geben werde – nur bei eindeutigem öffentlichem Sicherheitsbedürfnis.

Irans WM-Teilnahme: Ungewissheit und Verhandlungen

Der Iran hat sich sportlich für die WM 2026 qualifiziert, doch die politischen Spannungen überschatten die Teilnahme. Der iranische Fußballverband verhandelt mit der Fifa, um die Spiele des Landes von den USA nach Mexiko zu verlegen – aus Sorge vor Konflikten mit dem Kriegsgegner USA. US-Außenminister Marco Rubio betonte vergangene Woche, die iranischen Fußballer seien willkommen, warnte aber: Mitgliedern der Delegation mit Verbindungen zu den Revolutionsgarden könne die Einreise verweigert werden. Teheran hatte zwischenzeitlich einen Boykott ins Spiel gebracht. Fifa-Präsident Infantino stellte sich jedoch klar gegen den Wunsch nach Spielen in Mexiko. Die Frage, ob der Iran trotz des Krieges bei der WM antritt, sei für ihn keine. Auch US-Präsident Donald Trump zeigte sich zuversichtlich. Ein Vorschlag, Italien solle den WM-Platz Irans einnehmen, wurde von Rubio zurückgewiesen.

Ausblick: Diplomatische Verwerfungen vor dem Turnier

Die Einreiseverweigerung für Taj und seine Begleiter ist ein weiteres Zeichen der Verschärfung der kanadisch-iranischen Beziehungen. Kanada hat die IRGC als Terrororganisation eingestuft und handelt konsequent – selbst auf Kosten eines reibungslosen Fifa-Kongresses. Der Vorfall am Flughafen Toronto könnte die ohnehin fragile Stimmung vor der WM weiter belasten. Die Fifa steht vor der Herausforderung, sportliche Neutralität zu wahren, während politische Konflikte den Spielbetrieb bedrohen. Der Kongress in Vancouver wird zeigen, ob der Weltverband eine Lösung für den iranischen Sonderfall findet – oder ob der Zwischenfall am Flughafen Toronto erst der Anfang weiterer Verwicklungen ist.

Das Wichtigste

  • Kanada wies den iranischen Verbandspräsidenten Mehdi Taj wegen seiner Vergangenheit bei den Revolutionsgarden aus.
  • Die iranische Delegation reiste noch vor Beginn des Fifa-Kongresses aus Kanada ab.
  • Fifa-Präsident Infantino erhielt keine Polizei-Eskorte in Vancouver – eine symbolische Zurückweisung.
  • Der Iran verhandelt mit der Fifa über eine Verlegung seiner WM-Spiele von den USA nach Mexiko.
  • Die USA schließen Einreiseverbote für iranische Delegierte mit IRGC-Verbindungen nicht aus.
  • Die WM-Teilnahme Irans bleibt trotz sportlicher Qualifikation politisch unsicher.
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