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Charles III. triumphiert im US-Kongress: Königliche Rede begeistert Briten und Kritiker

Trotz protokollarischer Patzer von Präsident Trump erntet der britische Monarch Standing Ovations für eine unerwartet politische Ansprache.

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Charles III. triumphiert im US-Kongress: Königliche Rede begeistert Briten und Kritiker
Trotz protokollarischer Patzer von Präsident Trump erntet der britische Monarch Standing Ovations für eine unerwartet poCredit · tagesschau.de

Die Fakten

  • König Charles III. hielt als erster britischer Monarch seit 1991 eine Rede vor dem US-Kongress.
  • Die Rede wurde von der linksliberalen iPaper-Kolumnistin Sarah Baxter als begeisternd beschrieben.
  • Die konservative Daily Mail nannte die Rede eine 'diplomatische Meisterleistung'.
  • Trump drängte sich bei einem Empfang vor Königin Camilla, was in sozialen Medien Kritik auslöste.
  • Beim Staatsbankett behauptete Trump, Charles stimme ihm in der Iran-Politik zu, was Palastmitarbeiter zusammenzucken ließ.
  • Charles sprach indirekt die Opfer von Jeffrey Epstein an, lehnte aber ein persönliches Treffen aus juristischen Gründen ab.
  • First Lady Melania Trump verweigerte bei einer öffentlichen Szene die Hand ihres Mannes.

Ein König erobert den Kongress

König Charles III. hat bei seinem Staatsbesuch in den USA mit einer Rede vor dem US-Kongress für Begeisterung gesorgt, die weit über die Grenzen des Vereinigten Königreichs hinausreicht. Die Ansprache, die erste eines britischen Monarchen seit 1991, wurde von beiden Seiten des politischen Spektrums gefeiert. Die linksliberale Zeitung iPaper, sonst keine Fürsprecherin der Monarchie, zeigte sich durch Kolumnistin Sarah Baxter begeistert, während die konservative Daily Mail von einer 'diplomatischen Meisterleistung' sprach. Der König nutzte die Gelegenheit, um die Bedeutung des Westens und seiner Verbündeten in Krisenzeiten zu betonen. Er pries das Verteidigungsbündnis der NATO, zollte den Ukrainern Respekt und rief zu einem Leben im Einklang mit der Natur auf. Die Rede war politischer als erwartet, was die US-Korrespondentin der BBC, Sarah Smith, hervorhob: Die Briten seien stolz auf ihren König. Charles sprach auch indirekt die Opfer des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein an. Einige Opfer hatten ein Treffen gefordert, doch der Palast lehnte dies wegen juristischer Bedenken während eines laufenden Verfahrens ab. Der König sagte, die lebendigen, vielfältigen und freien Gesellschaften beider Länder ermöglichten es, die Opfer jener Missstände zu unterstützen, die tragischerweise in den Gesellschaften existierten. Der Palast ließ wissen, dass Charles dabei die Epstein-Opfer im Sinn gehabt habe.

Trumps protokollarische Patzer

Während Charles mit seiner Rede brillierte, sorgte US-Präsident Donald Trump gleich mehrfach für diplomatische Fauxpas. Ein Video, das in sozialen Medien viral ging, zeigt Trump bei einem formellen Empfang, wie er sich forsch vor Königin Camilla drängt, während diese Gästen die Hand reicht. Camilla war sichtlich irritiert, bewahrte aber Haltung. Nutzer warfen Trump vor, gegen diplomatische Gepflogenheiten und protokollarische Regeln verstoßen zu haben. Der zweite Fehltritt ereignete sich beim Staatsbankett. Trump erklärte dort: „Wir haben einen bestimmten Gegner militärisch besiegt und wir werden diesen Gegner niemals – Charles stimmt mit mir darin überein, sogar mehr als ich selbst – wir werden diesen Gegner niemals eine Atomwaffe erlangen lassen.“ Britische Medien berichteten, dass Mitarbeiter des Königshauses bei diesen Worten zusammengezuckt seien. Weder der König noch Vertreter des Palasts ließen sich jedoch etwas anmerken – ein ehernes Gesetz der königlichen Etikette. Eine offizielle Stellungnahme des Palasts zu den Vorfällen liegt bislang nicht vor. Die Vorfälle unterstreichen die angespannte diplomatische Lage, die im Vorfeld des Besuchs zu Forderungen nach einer Absage der Reise geführt hatte.

Melania Trump verweigert Hand ihres Mannes

Nicht nur Trump selbst sorgte für Aufsehen, sondern auch First Lady Melania Trump. Bei einer öffentlichen Szene im Weißen Haus verweigerte sie offenbar die Hand ihres Mannes, was für weitere verblüffte Reaktionen sorgte. Der genaue Kontext des Moments blieb unklar, aber die Geste wurde als weiteres Zeichen der angespannten Dynamik innerhalb der First Family gedeutet. Die Blicke der Öffentlichkeit waren ohnehin auf das royale Paar und Trump gerichtet, doch Melanias Verhalten lenkte zusätzliche Aufmerksamkeit auf die persönlichen Beziehungen im Weißen Haus. Offizielle Stellungnahmen zu dieser Szene gab es nicht. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von protokollarischen und persönlichen Pannen, die den ansonsten erfolgreichen Staatsbesuch überschatteten.

Diplomatische Meisterleistung trotz Befürchtungen

Im Vorfeld des Besuchs hatten in Großbritannien viele befürchtet, Trump könnte den König düpieren. Der US-Präsident hatte in den Wochen zuvor das Vereinigte Königreich und Premierminister Keir Starmer immer wieder schlechtgeredet. Doch Charles gelang es, mit Humor und politischem Geschick die Stimmung zu drehen. Die BBC-Korrespondentin Sarah Smith analysierte, dass die Briten nun stolz auf ihren König seien. Die Rede vor dem Kongress war ein zentraler Moment des Staatsbesuchs. Charles betonte den Zusammenhalt der Verbündeten in Krisen und sprach Themen an, die über das rein Zeremonielle hinausgingen. Indem er die NATO pries und den Ukrainern Respekt zollte, positionierte er sich klar im geopolitischen Diskurs – ein Schritt, der im Vorfeld als riskant galt. Die positive Resonanz in den britischen Medien, von links bis konservativ, zeigt, dass Charles die Erwartungen übertroffen hat. Die Daily Mail sprach von einer diplomatischen Meisterleistung, und auch die iPaper-Kolumnistin Sarah Baxter zeigte sich begeistert.

Hintergründe des Staatsbesuchs

Der Staatsbesuch von König Charles III. und Königin Camilla in den USA war der erste eines britischen Monarchen seit Jahrzehnten. Er fand vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen den USA und Europa statt, insbesondere nach Trumps wiederholten Angriffen auf die NATO und seine Annäherung an autoritäre Regime. Die Reise war daher mit hohen Erwartungen und Befürchtungen verbunden. Charles' Rede vor dem Kongress war ein symbolträchtiger Akt: Er sprach als Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs, aber auch als Repräsentant des Westens. Seine Worte zur NATO und zur Ukraine waren eine klare Botschaft an Trump, der die Allianz wiederholt infrage gestellt hatte. Indirekt kritisierte Charles damit die Politik des US-Präsidenten, ohne ihn direkt zu nennen. Die Entscheidung, die Epstein-Opfer anzusprechen, war heikel, da Trump selbst in Verbindung mit Epstein gebracht wurde. Charles' indirekte Erwähnung zeigte diplomatisches Fingerspitzengefühl, auch wenn er ein persönliches Treffen ablehnte. Der Palast betonte, dass die juristischen Bedenken während des laufenden Verfahrens den Ausschlag gegeben hätten.

Ausblick: Was bleibt nach dem Besuch?

Der Staatsbesuch von Charles III. in den USA hat gezeigt, dass die britische Monarchie auch in schwierigen diplomatischen Zeiten eine Rolle spielen kann. Charles gelang es, die Herzen der Briten zu gewinnen und gleichzeitig die Beziehungen zu den USA zu stärken, ohne sich von Trump vereinnahmen zu lassen. Die protokollarischen Patzer des US-Präsidenten könnten langfristig das Bild der USA in Großbritannien belasten, auch wenn sie die positiven Eindrücke der Rede nicht vollständig überschatten. Offen bleibt, wie Trump auf die implizite Kritik in Charles' Rede reagieren wird. Der US-Präsident zeigte sich beim Bankett zwar betont freundlich, aber seine unbedachten Äußerungen über Charles' angebliche Zustimmung zur Iran-Politik könnten nachhallen. Der Palast hat sich bisher nicht dazu geäußert, ob es zu diplomatischen Verstimmungen gekommen ist. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Besuch tatsächlich zu einer Entspannung der transatlantischen Beziehungen beiträgt oder ob die Differenzen zwischen Trump und den europäischen Verbündeten weiter bestehen. Charles hat jedenfalls bewiesen, dass er mehr ist als ein zeremonielles Oberhaupt – er kann Krisendiplomatie betreiben, und das mit Erfolg.

Das Wichtigste

  • König Charles III. hielt eine historische Rede vor dem US-Kongress, die von britischen Medien aller politischen Richtungen gelobt wurde.
  • Donald Trump sorgte mit protokollarischen Fehltritten für Aufsehen, darunter ein Übergriff auf Königin Camilla und eine unangemessene Äußerung zur Iran-Politik.
  • Melania Trump verweigerte bei einem öffentlichen Auftritt die Hand ihres Mannes, was zusätzliche Spekulationen auslöste.
  • Charles sprach indirekt die Epstein-Opfer an, lehnte aber ein Treffen aus juristischen Gründen ab.
  • Der Staatsbesuch fand vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen den USA und Europa statt und wurde als diplomatischer Erfolg für den König gewertet.
  • Die Rede stärkte das Ansehen der britischen Monarchie und zeigte Charles' Fähigkeit, politisch zu agieren, ohne die Grenzen des Protokolls zu überschreiten.
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