Politique

„Du warst mein Lebenskomplize“: Iris Berben rührt bei Trauerfeier für Mario Adorf

Rund 200 Gäste nahmen in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael Abschied von der Schauspiellegende, die am 8. April 2026 in Paris starb.

4 min
„Du warst mein Lebenskomplize“: Iris Berben rührt bei Trauerfeier für Mario Adorf
Rund 200 Gäste nahmen in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael Abschied von der Schauspiellegende, die am 8. April 202Credit · BILD

Die Fakten

  • Mario Adorf starb am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren in seiner Pariser Wohnung.
  • Die Trauerfeier fand am 2. Mai in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael statt.
  • Iris Berben hielt eine bewegende Rede und enthüllte ein letztes Paket mit einer Moses-Bronzestatue.
  • Adorfs Tochter Stella rief dazu auf, wachsam gegenüber Gefahren für Frieden und Freiheit zu sein.
  • Die Beisetzung der Asche ist zu einem späteren Zeitpunkt in Saint-Tropez geplant.
  • Adorf war seit 1985 mit Monique Faye verheiratet; das Paar lebte in Paris.

Ein letzter Abschied in München

Rund 200 geladene Gäste versammelten sich am Samstagnachmittag in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael, um von Mario Adorf Abschied zu nehmen. Der Schauspieler war am 8. April im Alter von 95 Jahren in seiner Wohnung in Paris friedlich eingeschlafen. Die Kirche war streng bewacht, der Einlass nur mit persönlicher Einladung möglich. In der ersten Reihe saß Adorfs Witwe Monique Faye, die um 13.46 Uhr in einem schwarzen Van vorgefahren wurde und gestützt werden musste. Neben ihr nahm TV-Star Iris Berben Platz. Der Altar war geschmückt mit zwei großen Schwarz-Weiß-Porträts Adorfs, weißen Lilien und flackernden Kerzen. Mozarts Streichquartett Nr. 3 eröffnete die Zeremonie.

Iris Berbens bewegende Worte

Iris Berben begann ihre Trauerrede mit den Worten „Ach, liebster Mario“ und erzählte von einem Paket, das Adorf ihr wenige Wochen vor seinem Tod geschickt hatte. Es enthielt eine Bronzestatue des Berliner Bildhauers Fritz Reuter – „Moses mit Gesetzestafeln“. „Da gehöre sie hin und ich wisse, warum – schriebst du mir“, sagte Berben. Sie deutete die Geste als Aufforderung, wachsam zu sein und die Botschaften weiterzutragen, für die Adorf gestanden habe. „Deine Lebensmelodie, das war ein Mosaik aus Wachsamkeit, Verantwortung tragen, Respekt und Freundlichkeit“, fuhr Berben fort. „Für mich warst du ein Komplize der Kunst und des Lebens. Wie gerne würde ich dir jetzt zurufen: da capo, liebster Mario.“ Monique Adorf lächelte Berben zu – ein stiller Dank, der unter die Haut ging.

Stella Adorfs Vermächtnis

Als letzte Rednerin sprach Adorfs Tochter Stella aus erster Ehe mit Lis Verhoffen. Sie bezeichnete ihren Vater als „Kumpel“ und betonte sein politisches Vermächtnis: „Das Vermächtnis meines Vaters an mich und an alle ist es, aufmerksam zu beobachten, wo Freiheit und Frieden gefährdet sind. Und dann nicht zuzuschauen, sondern zu handeln.“ Adorf habe große Angst gehabt, dass die Sprache des Hasses und die Gräueltaten des Krieges zurückkehren könnten. „Ich bin dankbar, dass er ein so hohes Alter erreicht hat“, schloss Stella. Adorfs Verleger Helge Malchow verlas eine Kurzgeschichte, die der Schauspieler kurz vor seinem Tod verfasst hatte. Darin setzte er sich mit seinen eigenen Fehlern als Jugendlicher in der Hitlerjugend auseinander. Der „selbstkritische Blick“ beweise Adorfs „Unbestechlichkeit und Aufrichtigkeit“, so Malchow.

Erinnerungen von Weggefährten

Ex-„Tatort“-Kommissar Axel Milberg erinnerte sich an ein Treffen am 30. Dezember 2024 mit Adorf und dessen Frau in Paris. In Adorfs Lieblingsrestaurant hätten sie Austern, Hummer und Champagner genossen. „Er war kein alter Mann. Er hörte neugierig zu, stellte interessiert Fragen. Er war Schauspieler, Bildhauer, Maler, Sänger und Schriftsteller. Was für ein gelungenes Leben“, sagte Milberg. Er schilderte, wie das Paar untergehakt durch die Straßen von Paris gelaufen sei – lächelnd „als wären sie Backfische“. Pater Martin Stark beschrieb Adorf als Jahrhundertkünstler, der das pralle Leben liebte. Wegen seiner Erlebnisse im Krieg habe er nie etwas geplant, sondern alles auf sich zukommen lassen. Opernsänger Klaus Florian Vogt trug Schuberts „Des Baches Wiegenlied“ vor und sorgte für Gänsehautmomente.

Ein Empfang am Drehort von „Kir Royal“

Nach der Trauerfeier fand ein Empfang im Dachgartenrestaurant des Hotels Bayerischer Hof statt. Dort hatte Adorf in den 1980er-Jahren für die TV-Serie „Kir Royal“ eine seiner berühmtesten Szenen gedreht. Serviert wurden Champagner, Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat, Gnocchi in Trüffelsauce und Kuchen. Unter den Gästen waren prominente Weggefährten wie Senta Berger, Günter Netzer mit seiner Frau Elvira, Veronica Ferres mit ihrer Tochter Lilly Krug, Uschi Glas mit ihrem Mann Dieter Hermann, David Dietl und Dominik Elstner, der Sohn der 2019 verstorbenen Schauspielerin Hannelore Elsner.

Abschied in Saint-Tropez

Adorfs Asche soll zu einem späteren Zeitpunkt in Saint-Tropez an der französischen Mittelmeerküste beigesetzt werden. Seine Frau Monique Faye stammt aus Südfrankreich; das Paar war seit 1985 verheiratet und lebte in Paris. Adorf hatte auch eine Wohnung in München, wo er seine Schauspielausbildung absolviert hatte. Adorfs langjähriger Manager Michael Stark verlas persönliche Abschiedsworte des Verstorbenen: „Erst wenn es so weit ist, merken wir, dass wir uns unser Leben lang für unsterblich hielten“, habe Adorf geschrieben. Er wolle das Ende annehmen „ohne zu jammern und ohne zu sagen: Schon? Warum? Es war doch so schön.“ Und weiter: „Sicher, einige werden bedauern, dass ich nicht mehr bin. Für ein paar Tage, ein paar Wochen, bis der Alltag einkehrt. Lirum, larum Löffelstiel.“

Das Wichtigste

  • Mario Adorf starb am 8. April 2026 in Paris; die Trauerfeier in München war für geladene Gäste.
  • Iris Berben erhielt kurz vor Adorfs Tod ein Paket mit einer Moses-Statue als Zeichen der Wachsamkeit.
  • Adorfs Tochter Stella rief dazu auf, Frieden und Freiheit zu verteidigen – ein zentrales Vermächtnis.
  • Die Beisetzung der Asche erfolgt in Saint-Tropez, der Heimat seiner Frau Monique Faye.
  • Adorf hinterlässt ein vielseitiges Werk als Schauspieler, Bildhauer, Maler, Sänger und Schriftsteller.
  • Seine letzte Kurzgeschichte thematisierte seine eigene Verstrickung in die Hitlerjugend.
Galerie
„Du warst mein Lebenskomplize“: Iris Berben rührt bei Trauerfeier für Mario Adorf — image 1„Du warst mein Lebenskomplize“: Iris Berben rührt bei Trauerfeier für Mario Adorf — image 2„Du warst mein Lebenskomplize“: Iris Berben rührt bei Trauerfeier für Mario Adorf — image 3„Du warst mein Lebenskomplize“: Iris Berben rührt bei Trauerfeier für Mario Adorf — image 4„Du warst mein Lebenskomplize“: Iris Berben rührt bei Trauerfeier für Mario Adorf — image 5„Du warst mein Lebenskomplize“: Iris Berben rührt bei Trauerfeier für Mario Adorf — image 6
Mehr dazu