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Muttertag im Kindergarten: Tradition sorgt für Debatte in Österreich

Ein katholischer Kindergarten in Oberösterreich verzichtet auf klassische Muttertagsgedichte und löst damit eine hitzige Diskussion aus.

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Muttertag im Kindergarten: Tradition sorgt für Debatte in Österreich
Ein katholischer Kindergarten in Oberösterreich verzichtet auf klassische Muttertagsgedichte und löst damit eine hitzigeCredit · WEB.DE

Die Fakten

  • Ein Kindergarten in Gallneukirchen, Österreich, verzichtet auf klassische Muttertagsgedichte.
  • Die Begründung lautet, dass traditionelle Rollenbilder die Vielfalt heutiger Familienformen nicht widerspiegeln.
  • Eine Mutter kritisiert die Entscheidung und fordert, als Mutter geehrt zu werden, auch mit einem Gedicht.
  • Der katholische Kindergarten betont, dass Gedichte und Lieder weiterhin ihren Platz haben, aber nicht mehr für den Muttertag eingeübt werden.
  • Der Muttertag wird in Deutschland seit den 1920er-Jahren gefeiert und ist eng mit Blumen verbunden.
  • Die Ursprünge des modernen Muttertags liegen bei Anna Jarvis in den USA um 1908.

Traditionelle Ehrung versus moderne Familienbilder

Ein katholischer Kindergarten in Gallneukirchen, Oberösterreich, hat kurz vor dem Muttertag eine Entscheidung getroffen, die eine kontroverse Debatte entfacht hat. Die Einrichtung verzichtet bewusst auf das Einüben klassischer Gedichte oder Lieder, die traditionell zu Anlässen wie dem Mutter- oder Vatertag aufgeführt werden. Diese Maßnahme, so die Begründung der Kindergartenbetreiber, soll der Vielfalt heutiger Familienformen Rechnung tragen. Die Mitteilung an die Eltern erklärt, dass klassische Rollenbilder rund um Mutter- und Vatertag nicht immer die Realität abbildeten, in der Kinder aufwachsen. Aus Sicht des Kindergartens seien diese Bilder daher für den modernen Kindergartenalltag nicht mehr zeitgemäß. Die Entscheidung zielt darauf ab, alle Familienformen gleichermaßen zu berücksichtigen und niemanden durch starre Traditionen auszuschließen. Diese Neuausrichtung hat jedoch nicht bei allen Eltern Anklang gefunden. Eine Mutter aus Gallneukirchen äußerte ihren Unmut gegenüber der Presse und betonte ihren Wunsch, als Mutter an diesem Tag geehrt zu werden, auch durch ein Gedicht. Sie kritisierte die Entscheidung des Kindergartens und hinterfragte die Haltung der Kirche zu traditionellen Familienbildern.

Die Reaktion einer Mutter und die Haltung des Kindergartens

Die wütende Mutter, deren Worte von der Presse zitiert wurden, drückte ihren Wunsch nach Anerkennung aus: „Ich will als Mutter an diesem Tag geehrt werden, auch mit einem Gedicht.“ Sie äußerte zudem ihre Verwunderung darüber, dass die Diözese sich mit dieser Angelegenheit befasse, während sie andere Probleme habe. Ihre Erwartung sei, dass die Kirche ein klassisches Familienbild unterstütze, und sie bestritt, dass in Gallneukirchen ungewöhnliche Familienkonstellationen vorherrschten. Der Kindergarten reagierte auf die Kritik, indem er die Ernsthaftigkeit der Elternrückmeldungen anerkannte. Gleichzeitig wurde klargestellt, dass Gedichte und Lieder grundsätzlich weiterhin ihren Platz im Kindergarten hätten. Die Entscheidung beziehe sich spezifisch auf das verpflichtende Einüben für den Mutter- und Vatertag. Darüber hinaus wurde betont, dass es den Familien selbst überlassen bleibe, solche Traditionen zu Hause nach ihren eigenen Vorstellungen zu pflegen. Dies schließe auch das gemeinsame Einüben und Vortragen von Gedichten mit ein, was die Autonomie der Familien in Bezug auf ihre individuellen Feierlichkeiten unterstreiche.

Ursprünge und Entwicklung des Muttertags

Der moderne Muttertag hat seine Wurzeln in den Vereinigten Staaten. Die Initiatorin war Anna Jarvis, die im Jahr 1908 erstmals einen offiziellen „Mother’s Day“ zu Ehren ihrer Mutter und aller Mütter organisierte. Diese Idee verbreitete sich und fand weltweit Anklang. In Deutschland etablierte sich der Muttertag ab den 1920er-Jahren. Eine treibende Kraft hinter seiner Popularisierung war der Verband der Blumenhändler, der den Tag stark bewarb. Bis heute ist der Muttertag in Deutschland eng mit dem Verschenken von Blumen verbunden, was die kommerzielle Komponente des Festes unterstreicht. Der Muttertag fällt in Deutschland und Österreich jedes Jahr auf den zweiten Sonntag im Mai. Es handelt sich dabei nicht um einen gesetzlichen Feiertag, sondern um einen Tag der Ehrung für Mütter. In anderen Ländern können die Termine variieren; beispielsweise wird er in Großbritannien bereits im März gefeiert.

Historische Wurzeln der Mutterverehrung

Die Verehrung der Mutter als Konzept reicht weit in die Geschichte zurück und hat ihre Wurzeln bereits in der Antike. Schon damals wurden an bestimmten Tagen Göttinnen verehrt, die mit der Erde, der Fruchtbarkeit und dem Muttersein assoziiert wurden. Beispiele hierfür sind Rhea, die griechische Göttin der Erde und der Fruchtbarkeit, oder Kybele, die „große Mutter“. Im Verlauf des Mittelalters verlagerte sich der Fokus der Mutterverehrung. Die „Mutter Kirche“ und die Jungfrau Maria rückten in den Mittelpunkt der religiösen und kulturellen Betrachtung. Diese Entwicklung spiegelt die sich wandelnden gesellschaftlichen und religiösen Strukturen wider. Die heutige Form des Muttertags, wie sie in vielen westlichen Ländern gefeiert wird, ist somit eine moderne Ausprägung einer tief verwurzelten menschlichen Tradition der Ehrung mütterlicher Figuren, die sich über Jahrhunderte hinweg gewandelt hat.

Das Wichtigste

  • Ein Kindergarten in Österreich sorgt mit der Abschaffung von Muttertagsgedichten für eine Debatte über Tradition und Familienvielfalt.
  • Die Einrichtung begründet die Entscheidung mit der Notwendigkeit, traditionelle Rollenbilder zu überdenken, die nicht alle Familienformen widerspiegeln.
  • Kritiker fordern die Beibehaltung traditioneller Ehrungsformen, um Mütter angemessen zu würdigen.
  • Der moderne Muttertag hat seine Ursprünge im frühen 20. Jahrhundert in den USA und wurde in Deutschland durch die Blumenhändler populär.
  • Die Praxis der Mutterverehrung hat eine lange Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht.
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