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Rheinmetall verfehlt Umsatzerwartungen im ersten Quartal, bestätigt aber Jahresziele

Der Rüstungskonzern erzielte 1,94 Milliarden Euro Umsatz, deutlich unter den prognostizierten 2,3 Milliarden, hofft aber auf eine Beschleunigung im zweiten Quartal.

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Rheinmetall verfehlt Umsatzerwartungen im ersten Quartal, bestätigt aber Jahresziele
Der Rüstungskonzern erzielte 1,94 Milliarden Euro Umsatz, deutlich unter den prognostizierten 2,3 Milliarden, hofft aberCredit · Handelsblatt

Die Fakten

  • Umsatz im ersten Quartal: 1,94 Mrd. Euro (+8 %), Analystenerwartung: 2,3 Mrd. Euro
  • Operatives Ergebnis: 224 Mio. Euro (+17 %), operative Marge: 11,6 %
  • Auftragsbestand: 73 Mrd. Euro (+31 % gegenüber Vorjahr)
  • Jahresprognose: Umsatzwachstum 40–45 %, operative Marge ca. 19 %
  • Aktienkurs am 5. Mai 2026: 1.443,00 Euro (+3,95 % im DAX)
  • 52-Wochen-Hoch: 2.008,00 Euro, 52-Wochen-Tief: 1.309,80 Euro
  • Marktkapitalisierung: 64,29 Mrd. Euro

Umsatz verfehlt Analystenerwartungen deutlich

Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit einem Umsatz von 1,94 Milliarden Euro in das erste Quartal gestartet – ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, aber weit unter den von Analysten erwarteten 2,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg um 17 Prozent auf 224 Millionen Euro, wobei die operative Marge mit 11,6 Prozent den Erwartungen entsprach. Das Unternehmen betonte, dass der Umsatz im Vorjahreszeitraum außergewöhnlich stark gewachsen war – um 73 Prozent –, was unter anderem auf Vorzieheffekte aus dem zweiten Quartal zurückzuführen sei. Dennoch sei der Start ins Jahr schwächer als erhofft verlaufen.

Hoffnung auf Aufholjagd im zweiten Quartal

Rheinmetall erwartet für das zweite Quartal eine deutliche Beschleunigung des Umsatzwachstums. Grund dafür sind höhere Auslieferungen in der Sparte „Waffe und Munition“ nach der Aufnahme der Produktion im spanischen Murcia sowie die Abnahme bereits vorproduzierter Lastwagen durch die Bundeswehr. Das Unternehmen bekräftigte seine Jahresprognose: ein Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent auf 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro und eine operative Marge von rund 19 Prozent. Für das erste Halbjahr rechnet Rheinmetall mit einem ähnlichen Wachstumspfad wie im Vorjahr, als der Umsatz um 37 Prozent zulegte – damals allerdings vor allem dank der ersten drei Monate.

Auftragsbestand auf Rekordniveau

Der Auftragsbestand von Rheinmetall kletterte um 31 Prozent auf rund 73 Milliarden Euro – ein neuer Höchststand. Dies unterstreicht die anhaltend hohe Nachfrage nach Rüstungsgütern, insbesondere vor dem Hintergrund gestiegener Verteidigungsausgaben in Deutschland und Europa. Das Unternehmen beschäftigte Ende 2022 weltweit rund 31.923 Mitarbeiter und erzielte in jenem Geschäftsjahr einen Umsatz von 6,40 Milliarden Euro sowie einen Gewinn von 0,75 Milliarden Euro.

Aktienkurs erholt sich trotz enttäuschender Zahlen

Die Rheinmetall-Aktie zeigte sich am Dienstag robust: Nach einem vorbörslichen Rückgang von über zwei Prozent auf rund 1.357 Euro legte sie im Haupthandel um 3,82 Prozent auf 1.441,20 Euro zu und eroberte die DAX-Spitze. Der Schlusskurs am Vortag lag bei 1.388,20 Euro. Mit einem Plus von 3,95 Prozent notierte die Aktie bei 1.443,00 Euro und lag damit im oberen Drittel des DAX, der insgesamt um 1,01 Prozent zulegte. Das Handelsvolumen betrug 121.215 Aktien, nach 254.972 am vorherigen Handelstag. Die Aktie liegt 28,14 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.008,00 Euro; das 52-Wochen-Tief beträgt 1.309,80 Euro.

Analysten sehen Einstiegschancen trotz Timing-Problemen

Experten werten das erste Quartal zwar als Enttäuschung, sehen jedoch keine grundsätzlichen Probleme bei Rheinmetall. Afonso Osorio von Barclays rechnet mit einer negativen Kursreaktion, geht aber davon aus, dass sich der schwache Jahresstart im zweiten Quartal umkehren werde. David Perry von JPMorgan glaubt, dass die Anleger inzwischen kritischer seien, die Erklärungen für den schwachen Start aber nachvollziehbar erschienen. Er sieht Kursrückgänge als Einstiegschancen, zumal die Aktie trotz angehobener deutscher Verteidigungsausgaben für 2027 seit Jahresbeginn schwach gelaufen sei. Bernstein-Experte Adrien Rabier bleibt optimistisch und bezeichnet Rheinmetall weiterhin als seinen bevorzugten europäischen Branchentitel sowie als Platzhirsch im wichtigsten Markt Deutschland. Yan Derocles von Oddo BHF äußerte sich zurückhaltender: Der verhaltene Jahresstart erhöhe die Risiken für die Jahresziele, wenngleich Rheinmetall im zweiten Quartal eine deutliche Geschäftsbeschleunigung erwarte. Aus Bewertungsgründen bevorzugt er jedoch die Papiere der Branchenkollegen RENK und Thales.

Ausblick: Volle Quartalszahlen am Donnerstag

Die vollständigen Zahlen für das erste Quartal will Rheinmetall am Donnerstag veröffentlichen. Dann werden weitere Details zu den einzelnen Sparten und zur erwarteten Geschäftsentwicklung erwartet. Das Unternehmen steht unter Druck, die hohen Erwartungen des Marktes zu erfüllen. Der Rüstungskonzern profitiert von steigenden Verteidigungsbudgets, muss aber gleichzeitig Lieferengpässe und Produktionsengpässe bewältigen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die angekündigte Beschleunigung gelingt und die Jahresziele erreicht werden können.

Das Wichtigste

  • Rheinmetall verfehlte im ersten Quartal die Umsatzerwartungen, erzielte aber eine operative Marge von 11,6 %.
  • Der Auftragsbestand stieg auf 73 Mrd. Euro – ein Plus von 31 % gegenüber dem Vorjahr.
  • Das Unternehmen bestätigte seine Jahresprognose: Umsatzwachstum von 40–45 % und operative Marge von ca. 19 %.
  • Die Aktie erholte sich am 5. Mai 2026 und notierte bei 1.443,00 Euro, blieb aber 28 % unter dem 52-Wochen-Hoch.
  • Analysten sehen den schwachen Start als temporäres Timing-Problem und empfehlen teils den Einstieg.
  • Die vollständigen Quartalszahlen werden am Donnerstag erwartet.
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