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Trump kündigt 25-Prozent-Zölle auf EU-Autoimporte an – Brüssel droht mit Gegenmaßnahmen

Der US-Präsident wirft der EU Vertragsbruch vor, ohne dies zu konkretisieren. Die EU-Kommission behält sich alle Optionen vor, ihre Interessen zu schützen.

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Trump kündigt 25-Prozent-Zölle auf EU-Autoimporte an – Brüssel droht mit Gegenmaßnahmen
Der US-Präsident wirft der EU Vertragsbruch vor, ohne dies zu konkretisieren. Die EU-Kommission behält sich alle OptioneCredit · Spiegel

Die Fakten

  • US-Präsident Donald Trump kündigte am Freitag auf Truth Social Zölle von 25 Prozent auf Autos und Lastwagen aus der EU an, die ab kommender Woche gelten sollen.
  • Trump begründet die Zölle mit dem Vorwurf, die EU halte sich nicht an das vereinbarte Handelsabkommen, ohne dies zu präzisieren.
  • EU-Kommissionssprecherin erklärte, man behalte sich alle Optionen vor, um die Interessen der EU zu schützen, falls die USA Maßnahmen ergreifen, die dem Abkommen widersprechen.
  • Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament, nannte Trumps Verhalten inakzeptabel und unzuverlässig.
  • Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, warnte vor einer schwerwiegenden Belastung der transatlantischen Beziehungen.
  • Das Center Automotive Research (CAR) in Bochum berechnete zusätzliche Belastungen für die deutsche Autoproduktion von rund 2,5 Milliarden Euro jährlich.
  • Im Sommer 2024 einigten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf eine Obergrenze von 15 Prozent Zoll auf die meisten EU-Warenimporte in die USA.
  • Die EU verpflichtete sich im Gegenzug, Zölle auf US-Industriegüter zu streichen und den Marktzugang für US-Agrarprodukte zu erleichtern.

Trump verkündet Zollerhöhung auf Truth Social

US-Präsident Donald Trump hat am Freitag über seine Plattform Truth Social eine drastische Erhöhung der Einfuhrzölle auf Fahrzeuge aus der Europäischen Union angekündigt. Ab der kommenden Woche sollen auf Autos und Lastwagen aus EU-Staaten Abgaben in Höhe von 25 Prozent erhoben werden. Fahrzeuge, die von EU-Herstellern in den USA produziert werden, sind von der Regelung ausgenommen – ein Anreiz für ausländische Autobauer, ihre Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Trump begründete den Schritt mit dem Vorwurf, die EU halte sich nicht an das vereinbarte Handelsabkommen. Welche konkreten Verstöße er meint, ließ er offen. Der Präsident verwies in seinem Post auf zahlreiche im Bau befindliche Produktionsstätten mit einem Investitionsvolumen von über 100 Milliarden US-Dollar (knapp 85,5 Milliarden Euro).

EU-Kommission reagiert diplomatisch, aber mit klarer Drohung

Die EU-Kommission reagierte am Freitagabend mit einer Stellungnahme, die als diplomatisch verpackte Warnung verstanden werden kann. Eine Sprecherin betonte die uneingeschränkte Bekenntnis zu berechenbaren und für beide Seiten vorteilhaften transatlantischen Beziehungen. Gleichzeitig fügte sie hinzu: Sollten die USA Maßnahmen ergreifen, die im Widerspruch zum gemeinsamen Handelsabkommen stünden, behalte man sich alle Optionen vor, um die Interessen der EU zu schützen. Die Sprecherin versicherte, die EU setze ihre Verpflichtungen im Einklang mit der üblichen Gesetzgebungspraxis um und halte die US-Regierung stets umfassend auf dem Laufenden. Man stehe in engem Kontakt mit den Partnern, auch um Klarheit über die Verpflichtungen der USA zu erlangen.

Scharfe Kritik aus Deutschland: „Beginn eines Wirtschaftskriegs“

In Deutschland stieß die Ankündigung auf breite Ablehnung. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament, kritisierte Trumps Verhalten als inakzeptabel. „Dieser jüngste Schritt zeigt, wie unzuverlässig die US-Seite ist“, sagte der SPD-Politiker. So gehe man nicht mit engen Partnern um. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, sprach von einer „schwerwiegenden Belastung der transatlantischen Beziehungen“. Die zusätzlichen Abgaben würden die deutsche und europäische Automobilindustrie in einer ohnehin angespannten Lage hart treffen. Auch der Außenhandelsverband BGA übte scharfe Kritik. Präsident Dirk Jandura erklärte, einseitige Zolldrohungen untergrüben Vertrauen und belasteten den transatlantischen Handel erheblich. Zudem sei völlig unklar, auf welcher rechtlichen Basis Trump die Zollerhöhung umsetzen wolle. Der CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer interpretierte die Zolldrohung als „Beginn eines Wirtschaftskriegs gegen Deutschland“. Da die Exporte ausländischer Autobauer in die USA unwesentlich seien, ziele Trumps Vorgehen klar auf die deutsche Industrie.

Ungleiche Belastung: BMW und Mercedes profitieren von US-Werken

Die Zölle werden die deutschen Autobauer unterschiedlich treffen, wie Experten betonen. BMW und Mercedes verfügen über große Produktionsstätten in den USA, in denen vor allem SUVs gebaut werden – das Gros ihrer Verkäufe in den USA. Dadurch genießen sie einen gewissen „Zollschutz“. Anders sieht es bei Porsche und Audi aus, die kaum US-Produktion haben. Dudenhöffer erwartet, dass die Zölle die Pläne beider Hersteller zum Bau von Werken in den USA beschleunigen werden. Insgesamt müsse man davon ausgehen, dass die Trump-Zölle zusätzliche Impulse für Verlagerungen der Automobilindustrie aus Deutschland heraus geben. Die Autobauer werden versuchen, einen Teil der Zölle durch Preiserhöhungen auf die Käufer in den USA abzuwälzen. Dudenhöffer betont, die deutschen Hersteller hätten starke Marken, und Käufer würden bei Preiserhöhungen nicht gleich abspringen.

Hintergrund: Das gescheiterte Abkommen von Turnberry

Im Sommer 2024 hatten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf dem Golfplatz im schottischen Turnberry im Großen auf eine Abmachung im Zollkonflikt geeinigt. Das Rahmenabkommen sah eine Obergrenze von 15 Prozent Zoll auf die meisten EU-Warenimporte in die USA vor, auch für europäische Autos und Autoteile. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf US-Industriegüter zu streichen und den Marktzugang für US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte zu erleichtern. Die Umsetzung des Deals wurde jedoch durch weitere Zolldrohungen Trumps im Grönlandkonflikt und eine Gerichtsentscheidung gebremst, die viele US-Zölle für rechtswidrig erklärt hatte. Das Europäische Parlament gab im März bekannt, die weitere Umsetzung des Abkommens an strenge Bedingungen knüpfen zu wollen – darunter eine klare Befristung und eine Ausstiegsklausel. Die Abgeordneten sprachen sich mehrheitlich dafür aus. Für den Vollzug müssen auch die Mitgliedstaaten noch zustimmen.

Offene Fragen und Ausblick: Wie geht es weiter?

Unklar bleibt, auf welcher rechtlichen Basis Trump die Zollerhöhung umsetzen will. Der BGA-Präsident Jandura forderte durchsetzbare Schutzklauseln, die Verlässlichkeit schaffen und schnelles Handeln ermöglichen. „Europa muss kooperationsbereit bleiben, aber seine Interessen konsequent verteidigen.“ Bernd Lange kündigte an, dass der Handelsausschuss des EU-Parlaments in der kommenden Woche „sehr sorgfältig“ darüber beraten werde, wie man sich nun verhalte. Die EU-Kommission betont, man bleibe in engem Kontakt mit den US-Partnern. Die deutsche Bundesregierung wollte die Ankündigung Trumps zunächst nicht kommentieren. Trump hatte der EU immer wieder vorgeworfen, die USA auszunutzen, und auf den Handelsüberschuss der EU bei Waren verwiesen. Brüssel argumentierte, Washington berücksichtige dabei nicht die starke Position der USA bei Dienstleistungen, besonders im Bereich des Internets.

Analyse: Ein neuer Handelskonflikt mit ungewissem Ausgang

Die Ankündigung der 25-Prozent-Zölle markiert eine deutliche Eskalation im transatlantischen Handelskonflikt. Trump setzt auf Druck, um Produktionsverlagerungen in die USA zu erzwingen – ein strategisches Ziel, das er bereits mehrfach verfolgt hat. Die EU steht vor der Herausforderung, ihre Interessen zu wahren, ohne die Beziehungen zu einem wichtigen Partner nachhaltig zu beschädigen. Die unterschiedliche Betroffenheit der deutschen Autobauer zeigt, dass die Zölle nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Gewinner und Verlierer schaffen werden. Während BMW und Mercedes kurzfristig besser dastehen, geraten Porsche und Audi unter Zugzwang. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die EU mit Gegenmaßnahmen reagiert und ob der Konflikt noch vor einer weiteren Eskalation entschärft werden kann.

Das Wichtigste

  • Trump kündigte Zölle von 25 Prozent auf EU-Autoimporte an, die ab nächster Woche gelten sollen, und begründete dies mit einem nicht näher bezeichneten Vertragsbruch der EU.
  • Die EU-Kommission droht mit Gegenmaßnahmen, betont aber weiterhin ihr Bekenntnis zu berechenbaren transatlantischen Beziehungen.
  • Deutsche Politiker und Verbände kritisieren die Zölle scharf; der CAR-Direktor spricht vom „Beginn eines Wirtschaftskriegs gegen Deutschland“.
  • BMW und Mercedes sind aufgrund ihrer US-Produktionsstätten weniger betroffen, während Porsche und Audi stärker getroffen werden und möglicherweise Werke in den USA bauen.
  • Das Handelsabkommen von Turnberry (2024) mit einer Obergrenze von 15 Prozent Zoll ist ins Stocken geraten; das EU-Parlament hat Bedingungen für seine Zustimmung gestellt.
  • Die rechtliche Grundlage für Trumps Zollerhöhung ist unklar; der BGA fordert durchsetzbare Schutzklauseln für künftige Abkommen.
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