Russland bricht Feuerpause: Dutzende Tote bei ukrainischen Angriffen
Kiew wirft Moskau vor, die angebotene Waffenruhe zum Tag des Sieges massiv verletzt zu haben. Zahlreiche Zivilisten kamen ums Leben.

GERMANY —
Die Fakten
- Russland soll die von der Ukraine ausgerufene Feuerpause über 100 Mal gebrochen haben.
- Mindestens ein Todesopfer und drei Verletzte gab es bei Angriffen im Norden und Osten der Ukraine.
- Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha verurteilte Russlands Vorgehen scharf.
- Russland hatte eine eigene Waffenruhe nur für den 8. und 9. Mai angekündigt.
- Die Ukraine meldete bereits vor der Feuerpause über 20 Tote durch russische Angriffe.
- Die ukrainische Luftwaffe zählte seit Dienstagabend 108 Drohnen und drei Raketenangriffe.
Feuerpause gebrochen, Leben verloren
Kurz vor den Feierlichkeiten zum Sieg über Nazideutschland hat Russland nach Angaben der Ukraine eine angebotene Feuerpause dutzendfach gebrochen. Berichte aus Kiew legen nahe, dass zahlreiche Menschen bei den russischen Angriffen getötet wurden. Die Erwartungen an die einseitig ausgerufene Waffenruhe waren bereits im Vorfeld gering. In der Nacht auf Mittwoch zählten ukrainische Behörden mehr als 100 russische Verstöße gegen die Waffenruhe. Den Angaben zufolge forderten Angriffe im Norden und Osten des Landes mindestens ein Todesopfer und drei Verletzte. "Dies zeigt, dass Russland den Frieden ablehnt und seine falschen Aufrufe zu einer Feuerpause am 9. Mai nichts mit Diplomatie zu tun haben", erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Onlineplattform X. Die von Präsident Wolodymyr Selenskyj ausgerufene Waffenruhe trat um Mitternacht in Kraft. Russland hatte zuvor selbst eine Feuerpause für den 8. und 9. Mai angekündigt, traditionell verbunden mit einer Militärparade zum Gedenken an den Sieg über Nazideutschland.
Kiew: "Putin kümmert sich nur um Militärparaden"
Der ukrainische Außenminister Sybiha kritisierte die Prioritäten Moskaus scharf. "Putin kümmert sich nur um Militärparaden und nicht um Menschenleben", sagte er. Selenskyj hatte ursprünglich eine zeitlich unbegrenzte Waffenruhe vorgeschlagen und Russland zur Teilnahme aufgefordert. Er betonte jedoch, dass die Ukraine ab Beginn der Waffenruhe "symmetrisch" handeln werde. Bereits am Dienstag, wenige Stunden vor Ablauf des ukrainischen Angebots, waren nach Kiewer Angaben mindestens 27 Menschen bei mehreren russischen Angriffen getötet worden. Selenskyj hatte zuvor erklärt, Russland dürfe seine Angriffe nicht nur wegen einer Militärparade kurzzeitig einstellen, nachdem die Ukraine zuvor schwer bombardiert worden sei. Am Mittwoch bekräftigte der ukrainische Außenminister, dass Russland auch während der Nacht weiter angegriffen habe. Noch am Morgen seien die Städte Charkiw und Saporischschja Ziele gewesen. Die ukrainische Luftwaffe meldete seit Dienstagabend den Abschuss von 108 Drohnen, zwei ballistischen Raketen und einem Marschflugkörper durch Russland.
Konkrete Angriffe in Charkiw und Saporischschja
In der nördlichen Region Sumy wurde nach Angaben des dortigen Gouverneurs ein Zivilfahrzeug von einer Drohne getroffen, wobei ein Insasse starb und der Fahrer verletzt wurde. In Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, beschädigte ein Drohnenangriff sieben Wohngebäude. In Saporischschja im Südosten des Landes griffen russische Truppen eine Industrieanlage an. Allein in Saporischschja waren am Dienstag zwölf Menschen bei einem Angriff getötet worden. Die Stadt Krywyj Rih meldete am Mittwoch Schäden an der Infrastruktur durch Drohnenangriffe. Russische Truppen setzen ihre Offensivoperationen im nördlichen Teil der Oblast Sumy, nördlich und nordöstlich der Stadt Charkiw sowie südöstlich von Kupjansk fort. Dort reagieren ukrainische Truppen mit Gegenangriffen.
Russlands Forderungen und die Weigerung zu verhandeln
Russland hatte im Vorfeld des Jahrestages des Kriegsendes eine eigene Waffenruhe für den 8. und 9. Mai angeordnet. Diese stand im Kontrast zu den Forderungen Kiews nach einer vollständigen und bedingungslosen Waffenruhe. Präsident Selenskyj hatte eine solche Pause ab dem 5. Mai als Test für eine längerfristige Beendigung der Kämpfe vorgeschlagen. Russlands Verteidigungsministerium hatte im Vorfeld gewarnt, dass jeder ukrainische Angriff während der Feierlichkeiten am Freitag mit einem "massiven Raketenangriff auf das Zentrum von Kiew" beantwortet würde. Bereits während einer 32-stündigen orthodoxen Osterwaffenruhe beschuldigten sich beide Seiten gegenseitig tausendfacher Verstöße. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte im Vormonat erklärt, dass Gespräche mit der Ukraine für Moskau keine Priorität hätten und erhebliche Differenzen Fortschritte blockierten. Die Ukraine hatte vorgeschlagen, die aktuelle Frontlinie einzufrieren, was Moskau jedoch ablehnte und stattdessen einen Rückzug ukrainischer Streitkräfte aus Teilen des Donbas forderte – ein Schritt, den Kiew zurückwies.
Vorgeschichte und militärische Lage
Russische Nachrichtenagenturen meldeten kurz vor Beginn der ukrainischen Waffenruhe einen Drohnenangriff auf die Krim, bei dem nach russischer Darstellung fünf Zivilisten getötet worden seien. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Zuvor hatte Russland nach ukrainischen Angaben das Land massiv angegriffen, wobei mehr als 20 Menschen getötet wurden. Die Ukraine gab ihrerseits an, eine Rüstungsfabrik und eine große Raffinerie in Russland getroffen zu haben. Die jährlichen Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai erinnern an die sowjetische Rolle bei der Niederlage Nazi-Deutschlands und sind traditionell eine Machtdemonstration auf dem Roten Platz. Putin nutzte diese Veranstaltungen oft, um Patriotismus zu schüren und Parallelen zu seinem Einmarsch in die Ukraine zu ziehen. In diesem Jahr kündigte Russland jedoch eine abgespeckte Version der Parade an, ohne Panzer oder militärische Ausrüstung. Die ukrainische Luftwaffe zählte seit Dienstagabend 108 Drohnen, zwei ballistische Raketen und einen Marschflugkörper, die auf das Land abgefeuert wurden. Dies unterstreicht die anhaltende Intensität des Konflikts trotz der angebotenen Waffenruhen.
Das Wichtigste
- Russland soll die von der Ukraine ausgerufene Feuerpause zum Tag des Sieges über 100 Mal gebrochen haben.
- Mindestens ein Todesopfer und drei Verletzte gab es bei gezielten Angriffen im Norden und Osten der Ukraine.
- Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha kritisierte Russlands Vorgehen und nannte es einen Beweis für die Ablehnung des Friedens.
- Die Ukraine meldete bereits vor der eigentlichen Feuerpause über 20 Tote durch russische Angriffe.
- Die ukrainische Luftwaffe bezifferte die russischen Angriffe seit Dienstagabend auf 108 Drohnen und drei Raketen.
- Russland hatte eine eigene, begrenzte Waffenruhe nur für den 8. und 9. Mai angekündigt.







DAX unter 24.000 Punkten: Iran-Krieg und Trump-Zölle belasten deutsche Börse

DWD warnt vor schweren Gewittern: Zwei Regionen besonders betroffen

Trump droht Iran mit Härte: US-Flugzeugträger verlässt Nahost, während Krise eskaliert
