Alex Zanardi mit 59 Jahren gestorben: Formel-1-Pilot und Paralympics-Held erliegt Spätfolgen eines Handbike-Unfalls
Der Italiener, der nach einem Horrorcrash beide Beine verlor und zu einem der erfolgreichsten Parasportler aller Zeiten wurde, ist am Freitagabend friedlich eingeschlafen.

GERMANY —
Die Fakten
- Alessandro Zanardi starb am 1. Mai 2024 im Alter von 59 Jahren.
- Er verlor 2001 bei einem Champ-Car-Rennen auf dem Lausitzring beide Beine.
- Zanardi gewann bei den Paralympics 2012 und 2016 insgesamt vier Gold- und zwei Silbermedaillen im Handbike.
- 2020 erlitt er bei einem Benefizrennen in der Toskana schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen.
- Er fuhr zwischen 1991 und 1999 über 40 Formel-1-Rennen für Teams wie Lotus und Williams.
- Zanardi wurde 1997 und 1998 Meister der CART-Serie in den USA.
- Sein Todestag fällt auf den Todestag von Ayrton Senna (1. Mai 1994).
Ein Leben zwischen zwei Welten
Alessandro Zanardi ist tot. Der ehemalige Formel-1-Pilot und spätere Paralympics-Sieger starb am Freitagabend im Alter von 59 Jahren, wie seine Familie mitteilte. „Alex ist friedlich eingeschlafen, umgeben von der Zuneigung seiner Angehörigen“, hieß es in einer Erklärung. Die Todesursache wurde nicht genannt, doch der Italiener hatte sich nie vollständig von einem schweren Handbike-Unfall im Jahr 2020 erholt. Zanardi war eine der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten des internationalen Sports. Er durchlief zwei Karrieren – eine im Motorsport, eine im Behindertensport – und wurde in beiden zur Legende. Sein Leben war geprägt von extremen Höhen und Tiefen, von Unfällen, die jeden anderen gebrochen hätten, und von einer unbeugsamen Willenskraft, die ihn immer wieder zurück auf die Siegerstraße führte.
Der Unfall auf dem Lausitzring und die Amputation
Der Einschnitt in Zanardis Leben ereignete sich am 15. September 2001. Bei einem Rennen der Champ-Car-Serie auf dem Lausitzring verlor er nach einem Boxenstopp die Kontrolle über seinen Wagen, drehte sich und wurde von einem Konkurrenten mit voller Wucht gerammt. Die Bilder des Horrorcrashes gingen um die Welt. Im Rettungshubschrauber auf dem Weg ins Krankenhaus nach Berlin musste Zanardi siebenmal wiederbelebt werden. Er überlebte, aber beide Beine mussten amputiert werden. Rückblickend bezeichnete Zanardi diesen Moment als „einen der leuchtendsten Augenblicke“ seines Lebens. Er habe etwas überstanden, „das nicht nur entgegen jeder Wahrscheinlichkeit ist. Laut Wissenschaft hatte ich nicht den Hauch einer Chance“, sagte er später. Statt zu verzweifeln, begann er einen neuen Lebensabschnitt.
Comeback im Rennsport und Erfolge für BMW
Nur zwei Jahre nach der Amputation saß Zanardi wieder im Cockpit eines Rennwagens. Er fuhr einen speziell umgebauten Wagen, in dem er mit der Hand Gas geben und die Bremse mit der Prothese des rechten Beins bedienen konnte. Für BMW startete er zwischen 2005 und 2009 in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) und gewann 2005 die italienische Superturismo-Meisterschaft. Insgesamt feierte er vier Siege in der DTM. Seine Rückkehr in den Motorsport war eine Sensation. Zanardi bewies, dass körperliche Einschränkungen ihn nicht aufhalten konnten. Er nahm auch an Langstreckenrennen teil, darunter 2019 die 24 Stunden von Daytona, einen der großen Klassiker des Motorsports. Seine Karriere auf vier Rädern war geprägt von Entschlossenheit und technischer Innovation.
Paralympische Goldmedaillen und Ironman-Finish
Parallel zum Motorsport entdeckte Zanardi das Handbike für sich. Auch hier erreichte er die Weltspitze. Bei den Paralympischen Spielen 2012 in London gewann er zwei Goldmedaillen, 2016 in Rio de Janeiro folgten eine weitere Gold- und eine Silbermedaille. Insgesamt holte er vier Gold- und zwei Silbermedaillen bei Paralympics. Doch Zanardi ruhte sich nicht auf seinen Erfolgen aus. Er startete 2014 und 2015 beim Ironman auf Hawaii und finishte beide Male. „Keine Grenzen – Unmöglich ist nur ein Wort“, lautete der Titel einer Dokumentation über sein Leben. Er war ein Symbol des Nicht-Aufgebens, ein Vorbild für Millionen.
Der zweite schwere Unfall und der lange Leidensweg
Das Schicksal meinte es jedoch weiterhin nicht gut mit Zanardi. Im Juni 2020 verlor er bei einem Benefizrennen in der Toskana die Kontrolle über sein Handbike und kollidierte mit einem Lastwagen. Dabei erlitt er schwerste Kopf- und Gesichtsverletzungen und schwebte lange in Lebensgefahr. Erst anderthalb Jahre später, Ende 2021, konnte er das Krankenhaus verlassen. Seither lebte er weitgehend zurückgezogen. Die Folgen dieses Unfalls waren offenbar so schwerwiegend, dass Zanardi sich nicht mehr erholte. Seine Familie gab keine Details zur Todesursache bekannt, betonte aber, dass er „friedlich“ gestorben sei. Der Tod ereignete sich am 1. Mai – dem Todestag der Formel-1-Ikone Ayrton Senna, der 1994 in Imola tödlich verunglückte.
Trauer in der Sportwelt und politische Würdigung
Die Nachricht von Zanardis Tod löste weltweit Bestürzung aus. Die Formel 1 würdigte ihn als „Helden größten Kalibers“. Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali, ein Landsmann Zanardis, sagte: „Er stand vor Herausforderungen, die jeden anderen zum Aufgeben gebracht hätten, doch er blickte stets nach vorne – immer mit einem Lächeln und einer unerschütterlichen Entschlossenheit, die uns alle inspirierte. Auch wenn sein Verlust tief zu spüren ist, bleibt sein Vermächtnis ungebrochen.“ Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni würdigte Zanardi als „außergewöhnlichen Menschen, der jede Prüfung des Lebens in eine Lektion in Mut, Stärke und Würde verwandeln konnte“. Die großen Fußballclubs Inter Mailand und Juventus Turin kondolierten in den sozialen Netzwerken. Die „Gazzetta dello Sport“ schrieb: „Der Rennfahrer und Paralympionike, der Italien gelehrt hat, niemals aufzugeben.“
Ein Vermächtnis, das bleibt
Zanardi hinterlässt ein außergewöhnliches Erbe. Er zeigte, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren. Sein Leben war eine einzige Demonstration von Mut und Entschlossenheit. Von der Formel 1 über die CART-Meisterschaft bis zu den Paralympics – er triumphierte in Disziplinen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Formel 1 traf die Todesnachricht in Miami, wo am Wochenende das Sprintrennen und die Qualifikation zum Grand Prix anstanden. Die Stimmung im Fahrerlager war bedrückt. Zanardi, der in Bologna geboren wurde, hatte sein erstes Formel-1-Rennen 1991 bestritten – in der Schlussphase der Saison, wie der aktuelle Spitzenreiter Kimi Antonelli, der ebenfalls aus Bologna stammt. Sein letztes Formel-1-Comeback 1999 an der Seite von Ralf Schumacher war weniger erfolgreich, aber sein Platz in der Geschichte des Sports ist unvergessen.
Das Wichtigste
- Alessandro Zanardi starb am 1. Mai 2024 im Alter von 59 Jahren an den Spätfolgen eines Handbike-Unfalls von 2020.
- Nach einem schweren Rennunfall 2001, bei dem er beide Beine verlor, kämpfte er sich zurück in den Motorsport und wurde Paralympics-Sieger.
- Er gewann vier Gold- und zwei Silbermedaillen bei den Paralympics 2012 und 2016 im Handbike.
- Zanardi fuhr in der Formel 1 für Teams wie Lotus und Williams und wurde zweimal CART-Meister.
- Sein Todestag fällt mit dem Todestag von Ayrton Senna zusammen, was die Trauer in der Motorsportwelt verstärkt.
- Die internationale Sportgemeinschaft würdigt ihn als Symbol für Mut, Entschlossenheit und die Überwindung von Grenzen.




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