Alex Zanardi mit 59 Jahren gestorben: Eine Ikone des Sports und der Unbeugsamkeit
Der ehemalige Formel-1-Pilot und mehrfache paralympische Goldmedaillengewinner erlag den Folgen eines Handbike-Unfalls von 2020.

AUSTRIA —
Die Fakten
- Alessandro Zanardi starb am 1. Mai 2024 im Alter von 59 Jahren.
- Er verlor 2001 bei einem Champ-Car-Unfall auf dem Lausitzring beide Beine.
- Zanardi gewann bei den Paralympics 2012 und 2016 insgesamt vier Gold- und zwei Silbermedaillen im Handbike.
- Er fuhr zwischen 2005 und 2009 für BMW in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC).
- 2020 erlitt er bei einem Benefizrennen in der Toskana schwere Kopfverletzungen.
- Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali würdigte ihn als 'Helden größten Kalibers'.
Ein Leben zwischen Rennstrecke und paralympischem Podest
Alessandro Zanardi, der italienische Rennfahrer und Paralympionike, ist tot. Seine Familie gab bekannt, dass er am Freitagabend, dem 1. Mai, im Alter von 59 Jahren 'plötzlich' und 'friedlich' im Kreise seiner Angehörigen eingeschlafen sei. Die Todesursache wurde nicht genannt, doch Zanardi hatte sich nie vollständig von einem schweren Handbike-Unfall im Juni 2020 erholt. Zanardi war eine der außergewöhnlichsten Figuren des internationalen Sports. Er begann seine Karriere in der Formel 1, fuhr zwischen 1991 und 1999 mehr als 40 Rennen für Teams wie Lotus und Williams – wo er Teamkollege von Ralf Schumacher war. Nach einem verheerenden Unfall im Jahr 2001, der ihm beide Beine kostete, wechselte er zum Handbike und wurde zum mehrfachen paralympischen Goldmedaillengewinner.
Der Unfall auf dem Lausitzring und der Kampf zurück ins Leben
Am 15. September 2001, während eines Rennens der Champ-Car-Serie auf dem Lausitzring, verunglückte Zanardi schwer. Nach einem Boxenstopp drehte sich sein Wagen, und ein Konkurrent krachte mit hoher Geschwindigkeit in das Fahrzeug. Zanardi verlor enorm viel Blut und musste im Rettungshubschrauber auf dem Weg ins Berliner Notfallkrankenhaus siebenmal wiederbelebt werden. Die Ärzte amputierten ihm beide Beine. Doch Zanardi, der den Unfall später als 'einen der leuchtendsten Augenblicke' seines Lebens bezeichnete, gab nicht auf. 'Ich habe etwas überstanden, das nicht nur entgegen jeder Wahrscheinlichkeit ist. Laut Wissenschaft hatte ich nicht den Hauch einer Chance', sagte er rückblickend. Bereits zwei Jahre nach dem Crash saß er wieder in einem speziell umgebauten Rennwagen.
Erfolge im Motorsport und bei den Paralympics
Zwischen 2005 und 2009 fuhr Zanardi für BMW in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) und gewann 2005 die italienische Superturismo-Meisterschaft. In der DTM feierte er vier Siege. Parallel dazu entdeckte er das Handbike und stieg schnell in die Weltspitze auf. Bei den Paralympischen Spielen 2012 in London holte er zwei Goldmedaillen, 2016 in Rio de Janeiro kamen eine weitere Gold- und eine Silbermedaille hinzu. Dazwischen finishte Zanardi 2014 und 2015 bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii. 2019 trat er bei den 24 Stunden von Daytona an, einem der großen Klassiker des Motorsports. Seine Karriere war geprägt von einer unerschütterlichen Entschlossenheit, die ihm Bewunderung weit über die Sportwelt hinaus einbrachte.
Der zweite schwere Unfall und die Folgen
Im Juni 2020 verlor Zanardi bei einem Benefizrennen in der Toskana die Kontrolle über sein Handbike und kollidierte mit einem Lastwagen. Er erlitt schwerste Kopf- und Gesichtsverletzungen und schwebte lange in Lebensgefahr. Erst anderthalb Jahre später, Ende 2021, konnte er die Klinik verlassen und kehrte nach Hause zurück, blieb aber weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Der Unfall setzte seiner sportlichen Laufbahn ein Ende. Zanardi, der zuvor stets zurückgekehrt war, konnte sich von diesem Schlag nicht mehr erholen. Sein Tod am 1. Mai – dem Todestag der Formel-1-Ikone Ayrton Senna – traf die Sportwelt tief.
Reaktionen aus Sport und Politik
Die Nachricht von Zanardis Tod löste weltweit Trauer aus. Die Formel 1 würdigte ihn als 'Helden größten Kalibers'. Stefano Domenicali, Formel-1-Geschäftsführer und Landsmann Zanardis, sagte: 'Er stand vor Herausforderungen, die jeden anderen zum Aufgeben gebracht hätten, doch er blickte stets nach vorne – immer mit einem Lächeln und einer unerschütterlichen Entschlossenheit, die uns alle inspirierte. Auch wenn sein Verlust tief zu spüren ist, bleibt sein Vermächtnis ungebrochen.' Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni würdigte Zanardi als 'außergewöhnlichen Menschen, der jede Prüfung des Lebens in eine Lektion in Mut, Stärke und Würde verwandeln konnte'. Auch große Fußballclubs wie Inter Mailand und Juventus Turin kondolierten. Die 'Gazzetta dello Sport' schrieb: 'Der Rennfahrer und Paralympionike, der Italien gelehrt hat, niemals aufzugeben.'
Ein Vermächtnis der Hoffnung und Widerstandskraft
Zanardis Leben war eine Abfolge von Triumphen und Tragödien, die er stets in neuer Stärke überwand. Er wurde zum Symbol dafür, dass Grenzen nur im Kopf existieren. 'Keine Grenzen – Unmöglich ist nur ein Wort', lautete der Titel einer Dokumentation über ihn. Seine Geschichte wird weiterleben – in den Erinnerungen derer, die ihn kannten, und in den Rekorden, die er aufstellte. Zanardi hinterlässt eine Lektion in Mut und Menschlichkeit, die weit über den Sport hinausreicht. 'Mit seinen sportlichen Erfolgen, seinem Vorbild und seiner Menschlichkeit hat er uns allen viel mehr als nur einen Sieg geschenkt: Er hat uns Hoffnung, Stolz und die Kraft gegeben, niemals aufzugeben', sagte Meloni.
Das Wichtigste
- Alessandro Zanardi starb am 1. Mai 2024 im Alter von 59 Jahren an den Folgen eines Handbike-Unfalls von 2020.
- Er überlebte 2001 einen schweren Rennunfall, der ihm beide Beine kostete, und kehrte in den Motorsport zurück.
- Zanardi gewann bei den Paralympics 2012 und 2016 insgesamt vier Gold- und zwei Silbermedaillen im Handbike.
- Er fuhr für BMW in der WTCC und gewann 2005 die italienische Superturismo-Meisterschaft.
- Zanardi finishte zweimal bei der Ironman-WM auf Hawaii und nahm 2019 an den 24 Stunden von Daytona teil.
- Sein Leben und seine Karriere gelten als Symbol für Widerstandskraft und die Überwindung von Grenzen.



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