AMS Niederösterreich korrigiert Prognose: Arbeitslosigkeit steigt 2026 entgegen früherer Erwartung
Nach zunächst stabiler Entwicklung im ersten Halbjahr zeichnet sich nun ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosenzahlen ab, insbesondere in Handel, Industrie und Bau.

AUSTRIA —
Die Fakten
- AMS Niederösterreich erwartet für 2026 steigende Arbeitslosenzahlen, nachdem zu Jahresbeginn noch ein Rückgang prognostiziert wurde.
- Die schwächelnde Wirtschaft und die ausbleibende Erholung werden als Hauptgründe für die Trendwende genannt.
- Besonders betroffen sind die Branchen Handel, Industrie und Bauwesen, wo seit Herbst vermehrt Jobs verloren gehen.
- Im ersten Quartal 2025 meldeten Betriebe in Niederösterreich 23.250 offene Stellen, ein Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
- Rund 60 Prozent der offenen Stellen erfordern mindestens einen Lehrabschluss.
- Die Babyboomer-Generation geht in Pension, was besonders im handwerklich-technischen Bereich zu Fachkräftemangel führt.
- AMS-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern betont das Ziel, den Aufbau von Langzeitarbeitslosigkeit bestmöglich zu bremsen.
Wirtschaftliche Flaute kehrt Vorzeichen um
Die Hoffnung auf eine baldige Entspannung am Arbeitsmarkt in Niederösterreich hat sich zerschlagen. Das Arbeitsmarktservice (AMS) des Bundeslandes musste seine Prognose für das laufende Jahr nach unten korrigieren: Statt der zu Jahresbeginn erwarteten sinkenden Arbeitslosenzahlen zeichnet sich nun das Gegenteil ab. Grund für die Trendwende ist die anhaltend schwächelnde Wirtschaft. Die erhoffte Erholung kommt nicht in Schwung, und die Konjunkturprognosen wurden zuletzt deutlich nach unten angepasst. „Die Vorzeichen haben sich umgekehrt. Die Arbeitslosigkeit wird steigen“, heißt es dazu beim AMS. Die Entwicklung trifft Europa, Österreich und speziell Niederösterreich. Während andere Regionen bereits im Vorjahr einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosen verzeichneten, blieb das Bundesland zunächst stabil. „Wir haben im ersten Halbjahr uns noch gut gehalten und den geringsten Anstieg der Arbeitslosenzahlen gehabt“, erklärt AMS-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern. Jetzt holt die Krise Niederösterreich jedoch ein.
Handel, Industrie und Bau am stärksten betroffen
Als Ursachen für den Anstieg nennt das AMS neben geopolitischen Krisen vor allem die schwache Binnennachfrage. Besonders in den Branchen Handel, Industrie und Bauwesen gehen seit Herbst vermehrt Arbeitsplätze verloren. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ist dort so gering, dass Unternehmen Stellen abbauen. Die Betroffenheit ist nicht gleichmäßig verteilt: Während andere Sektoren noch relativ stabil dastehen, zeichnet sich in diesen drei Bereichen ein deutlicher Beschäftigungsrückgang ab. Die Arbeitslosenzahlen werden laut AMS „heuer leider noch mit steigenden Zahlen für das ganze Jahr rechnen müssen“, so Kern weiter.
Fachkräftemangel trotz steigender Arbeitslosigkeit
Paradoxerweise gibt es trotz der insgesamt steigenden Arbeitslosigkeit Bereiche mit guten Chancen. Vor allem Fachkräfte mit Lehrabschluss werden weiterhin händeringend gesucht. Der Grund liegt in der Demografie: Viele Angehörige der Babyboomer-Generation gehen derzeit in Pension, besonders im handwerklich-technischen Bereich. Gleichzeitig rücken weniger junge Menschen mit dieser Ausbildung nach. Dies zeigt sich auch bei den offenen Stellen: Im ersten Quartal 2025 meldeten Betriebe in Niederösterreich 23.250 freie Jobs – ein Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 60 Prozent dieser Stellen erfordern zumindest einen Lehrabschluss. Gute Aussichten gibt es außerdem im Gesundheits- und Sozialbereich, in der Gastronomie, in der öffentlichen Verwaltung sowie bei klimarelevanten Berufen.
AMS setzt auf Vermittlung und Ausbildung
Angesichts der gemischten Lage setzt das AMS verstärkt auf Vermittlung und Ausbildung. „Unser Ziel ist, den Aufbau der Langzeitarbeitslosigkeit weiter bestmöglich zu bremsen“, betont Kern. Die Behörde will verhindern, dass die aktuell steigenden Arbeitslosenzahlen in eine dauerhafte strukturelle Arbeitslosigkeit umschlagen. Dazu sollen gezielte Qualifizierungsmaßnahmen beitragen, die Arbeitslose für die Branchen qualifizieren, in denen Fachkräfte fehlen. Besonders im handwerklich-technischen Bereich und in den Zukunftsberufen rund um Klima und Umwelt sieht das AMS Potenzial.
Ausblick: Keine Entspannung in Sicht
Die Aussichten für den Arbeitsmarkt in Niederösterreich bleiben vorerst düster. Die wirtschaftliche Erholung lässt auf sich warten, und die geopolitischen Unsicherheiten halten an. Das AMS rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit im Laufe des Jahres weiter steigen wird – ein Trend, der sich voraussichtlich bis 2026 fortsetzen könnte. Die Herausforderung wird sein, die Langzeitarbeitslosigkeit niedrig zu halten und gleichzeitig den Fachkräftemangel in Schlüsselbereichen zu adressieren. Ob dies gelingt, hängt nicht zuletzt von der konjunkturellen Entwicklung und den politischen Rahmenbedingungen ab.
Das Wichtigste
- Das AMS Niederösterreich hat seine Prognose revidiert und erwartet für 2026 steigende Arbeitslosenzahlen, nachdem zunächst ein Rückgang prognostiziert worden war.
- Die schwächelnde Wirtschaft und geopolitische Krisen sind die Hauptgründe für die negative Entwicklung.
- Handel, Industrie und Bau sind besonders stark von Stellenabbau betroffen.
- Gleichzeitig besteht ein akuter Fachkräftemangel, vor allem in handwerklich-technischen Berufen, bedingt durch den Ruhestand der Babyboomer.
- Das AMS setzt auf verstärkte Vermittlung und Ausbildung, um Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden.
- Eine wirtschaftliche Erholung ist kurzfristig nicht in Sicht, die Arbeitslosigkeit wird voraussichtlich weiter steigen.



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