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Donaubrücke Stein-Mautern gesperrt: Krems fordert Notfallplan und rasche Ersatzbrücke

Ein Gutachten zeigt massive Schäden an der 130 Jahre alten Brücke; bis zu 4.000 Fahrzeuge müssen täglich umgeleitet werden, der wirtschaftliche Schaden beläuft sich auf Millionen Euro pro Monat.

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Donaubrücke Stein-Mautern gesperrt: Krems fordert Notfallplan und rasche Ersatzbrücke
Ein Gutachten zeigt massive Schäden an der 130 Jahre alten Brücke; bis zu 4.000 Fahrzeuge müssen täglich umgeleitet werdCredit · Heute

Die Fakten

  • Die Donaubrücke Stein-Mautern darf nur noch von Radfahrern, Fußgängern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen bis fünf Tonnen genutzt werden.
  • Die Fahrbahnbreite wird aus statischen Gründen von 5,44 Metern auf rund 3,75 Meter reduziert.
  • Bis zu 4.000 Fahrzeuge passierten täglich die Brücke; der Umweg über die St. Pöltner Brücke beträgt 3,7 Kilometer.
  • Die baulichen Maßnahmen müssen binnen vier Wochen umgesetzt werden.
  • Die Ersatzbrücke wird voraussichtlich erst in zwei bis drei Jahren fertig, die Ausschreibung startet im März 2026.
  • Am 6. Mai 2026 ist ein Krisentreffen mit Experten des Landes Niederösterreich geplant.
  • Bürgermeister Peter Molnar (SP) und NEOS-Gemeinderat Robert Simlinger fordern erweiterte Ausnahmeregelungen für Rettungs- und Pflegefahrzeuge.

Sperre nach Gutachten: Nur noch Radfahrer und Traktoren erlaubt

Die Donaubrücke Stein-Mautern, ein rund 130 Jahre altes Bauwerk, darf ab sofort nur noch von Radfahrern, Fußgängern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen bis fünf Tonnen genutzt werden. Grundlage ist ein Gutachten eines Ziviltechnikbüros, das bei der halbjährlichen Überprüfung „deutliche Schäden an wesentlichen Bauteilen, insbesondere durch fortgeschrittene Korrosion und Materialverluste“ feststellte. Der Zivilingenieur Herbert Pommer erklärte, eine deutliche Reduktion der Verkehrslasten sei „zwingend erforderlich“. Die Fahrbahnbreite wird aus statischen Gründen von 5,44 Metern auf rund 3,75 Meter verringert, die seitlichen Gehwege werden gesperrt. Für Fußgänger wird ein gesicherter Bereich auf der Fahrbahn eingerichtet, der Verkehr künftig einstreifig per Ampel geregelt. Der motorisierte Individualverkehr wird über die St. Pöltner Brücke im Zuge der B37 umgeleitet, was einen Umweg von rund 3,7 Kilometern bedeutet. Die baulichen Maßnahmen müssen binnen vier Wochen umgesetzt werden, wie das Land Niederösterreich am 27. April 2026 mitteilte.

Stadt Krems drängt auf Notfallplan und Ausnahmeregelungen

Die Stadt Krems reagierte mit Dringlichkeitsanträgen im Gemeinderat. Bürgermeister Peter Molnar (SP) fordert das Land Niederösterreich auf, den Bau der Ersatzbrücke zu beschleunigen und einen umfangreichen Notfall-Verkehrsplan vorzulegen. „Da die Ausschreibung der Ersatzbrücke nach zweijähriger Verspätung im März 2026 gestartet wurde, kann die Fertigstellung voraussichtlich erst in zwei bis drei Jahren erfolgen“, sagte Molnar. Bis dahin müsse ein Verkehrschaos verhindert werden, da täglich 3.000 bis 4.000 Autos die Brücke querten. Der wirtschaftliche Schaden für die Stadt Krems, die Bevölkerung, die Wirtschaft und die gesamte Region werde sich auf mehrere Millionen Euro pro Monat belaufen. Der Gemeinderat fasste am Mittwochabend mehrheitlich einen Dringlichkeitsbeschluss, der einen Notfall-Verkehrsplan mit Maßnahmen zur Entlastung der St. Pöltner Brücke und des Kremser Stadtzentrums (B3, B35 und Austraße) vorsieht. Molnar kündigte an, in Verhandlungen auf weitere Verbesserungen zu drängen, insbesondere auf eine Ausnahmeregelung für einspurige Fahrzeuge (Motorräder, Mopeds), Rettungs- und Notarztfahrzeuge, Krankentransporte, Behindertenfahrzeuge, First Responder sowie Fahrzeuge der Alten- und Hauskrankenpflege.

Krisentreffen am 6. Mai mit Land und Bezirkshauptleuten

Am 6. Mai 2026 ist ein Krisentreffen mit Experten des Landes Niederösterreich anberaumt. Teilnehmen werden Bürgermeister Molnar, Vertreter der Brückenbauabteilung des Landes, Bürgermeister Heinrich Brustbauer aus Mautern und Bezirkshauptmann Günter Stöger (Bezirk Krems-Land). Die Bezirkshauptleute von Krems-Stadt und Krems-Land müssen die Verordnungen erlassen, die die Sperre und die Umleitungen regeln. Molnar betonte, der Notfall-Verkehrsplan müsse ausreichende Entlastungsmaßnahmen im Regional- und Stadtverkehr enthalten. „Tausende Menschen werden gezwungen, den Umweg über die ohnehin stark befahrene St. Pöltner Brücke in Kauf zu nehmen. Das trifft Pendler, Betriebe in der Wachau und die Stadt Krems mit voller Wucht“, sagte NEOS-Gemeinderat Robert Simlinger. „Mehr Lärm, Abgase und Zeitverlust werden zum Dauerproblem.“ Simlinger sprach sich in einem eigenen Antrag für eine Erweiterung der Ausnahmeregelungen aus, insbesondere für Menschen mit Behinderung, Krankentransporte, Rettungsdienste und Pflegeorganisationen. „Es kann nicht sein, dass gerade jene, die für die Versorgung und Sicherheit der Menschen unverzichtbar sind, vor zusätzliche Hürden gestellt werden“, so Simlinger.

Jahrelange Verzögerung beim Brückenneubau kritisiert

Die Kritik an der zögerlichen Planung der Ersatzbrücke reißt nicht ab. NEOS-Verkehrssprecher Christoph Müller warf dem Land vor, den schlechten Zustand der Brücke seit Jahren zu kennen, aber nicht gehandelt zu haben. „Statt zu handeln, wurde gezögert, verschleppt und auf Zeit gespielt“, sagte Müller. Der Plan zur Umsetzung der Ersatzbrücke müsse nun radikal gestrafft und vorgezogen werden. Der derzeitige Zeitplan – Ausschreibung im März 2026, Fertigstellung in zwei bis drei Jahren – sei angesichts des maroden Zustands nicht mehr haltbar. „Notfalls steht die Region bald ohne diese Brücke da“, warnte Müller. LH-Stellvertreter Udo Landbauer (FPÖ) bezeichnete die Sperre als „notwendige Übergangslösung bis zur geplanten Fertigstellung der Ersatzbrücke“. Nach dem Beschluss im Landtag im März wurde die Ausschreibung zur Errichtung der Ersatzquerung und für den ersten Teil der Hauptbauarbeiten auf der bestehenden Donaubrücke veröffentlicht. Die Brücke soll während der Sanierung als Verbindung dienen.

Wirtschaftliche Folgen: Millionenverluste pro Monat befürchtet

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Sperre sind enorm. Bürgermeister Molnar bezifferte den monatlichen Schaden für die Stadt Krems, die Bevölkerung, die Wirtschaft und die gesamte Region auf mehrere Millionen Euro. Der tägliche Verkehr von bis zu 4.000 Fahrzeugen muss nun über die St. Pöltner Brücke umgeleitet werden, was zu längeren Fahrzeiten und höheren Kosten führt. Besonders betroffen sind Pendler und Betriebe in der Wachau. Die Umleitung führt direkt durch das Kremser Stadtzentrum, was zusätzliche Lärm- und Abgasbelastungen sowie Zeitverluste verursacht. NEOS-Gemeinderat Simlinger warnte: „Viel Zeit ist bereits verloren gegangen – jetzt ist entschlossenes Handeln gefragt. Das Land muss Verantwortung übernehmen und sowohl den Bau der Ersatzbrücke als auch tragfähige Übergangslösungen konsequent und ohne weitere Verzögerung vorantreiben.“ Die Stadt Krems fordert daher nicht nur eine rasche Ersatzbrücke, sondern auch sofortige Entlastungsmaßnahmen im Regional- und Stadtverkehr, um das befürchtete Verkehrschaos abzumildern.

Ausblick: Suche nach tragfähigen Übergangslösungen

In den kommenden Wochen stehen entscheidende Verhandlungen an. Das Krisentreffen am 6. Mai soll konkrete Schritte zur Umsetzung des Notfall-Verkehrsplans und zur Beschleunigung des Brückenneubaus bringen. Die Stadt Krems drängt auf eine Ausnahmeregelung für Motorräder, Mopeds, Rettungs- und Pflegefahrzeuge, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Bis zur Fertigstellung der Ersatzbrücke, die frühestens in zwei bis drei Jahren erwartet wird, muss die Region mit erheblichen Beeinträchtigungen rechnen. Die politische Verantwortung liegt nun beim Land Niederösterreich, das sowohl den Bau der Ersatzbrücke als auch wirksame Übergangslösungen vorantreiben muss. Die Zeit drängt: Der Zustand der alten Brücke könnte sich weiter verschlechtern, und ein kompletter Ausfall wäre für die Region katastrophal.

Das Wichtigste

  • Die Donaubrücke Stein-Mautern ist aufgrund schwerer Korrosionsschäden für den motorisierten Individualverkehr gesperrt; nur Radfahrer, Fußgänger und landwirtschaftliche Fahrzeuge bis fünf Tonnen sind zugelassen.
  • Bis zu 4.000 Fahrzeuge täglich müssen über die St. Pöltner Brücke umgeleitet werden, der Umweg beträgt 3,7 Kilometer; die Stadt Krems befürchtet ein Verkehrschaos.
  • Der wirtschaftliche Schaden für die Region wird auf mehrere Millionen Euro pro Monat geschätzt; ein Krisentreffen mit dem Land Niederösterreich ist für den 6. Mai 2026 anberaumt.
  • Die Ersatzbrücke wird voraussichtlich erst in zwei bis drei Jahren fertig, die Ausschreibung startet im März 2026 – Kritiker werfen dem Land jahrelange Verzögerung vor.
  • Die Stadt Krems und NEOS fordern erweiterte Ausnahmeregelungen für Rettungs-, Pflege- und Einsatzfahrzeuge sowie einen umfassenden Notfall-Verkehrsplan.
  • Die Bezirkshauptleute müssen die Verordnungen zur Sperre und Umleitung erlassen; die politische Verantwortung liegt beim Land Niederösterreich.
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