Goldene Löwen erst im November: Publikum entscheidet nach Jury-Rücktritt
Erstmals in der Geschichte der Biennale von Venedig tritt die Jury geschlossen zurück – die Preisvergabe wird auf November verschoben und dem Publikum übertragen.
AUSTRIA —
Die Fakten
- Die internationale Jury der Kunstbiennale Venedig trat wenige Tage vor Beginn geschlossen zurück.
- Grund des Rücktritts war der Streit über den Umgang mit Russland und Israel.
- Die Goldenen Löwen werden erst am Ende der Biennale im November vergeben.
- Das Publikum stimmt über die Gewinner ab, nicht mehr eine Jury.
- Die Eröffnungsfeier fällt aus.
- Der Österreich-Pavillon wird von Florentina Holzinger bespielt.
- Die Kuratorin Koyo Kouoh starb 2023 mit 57 Jahren an Krebs.
- Die Installationskünstlerin Henrike Naumann, die Deutschland vertreten sollte, starb im Februar 2024 mit 41 Jahren an Krebs.
Jury-Rücktritt stürzt Biennale ins Chaos
Wenige Tage vor Beginn der 61. Kunstbiennale in Venedig trat die internationale Jury geschlossen zurück. Es ist das erste Mal seit Gründung der Biennale im Jahr 1895, dass ein solcher Schritt erfolgt. Die groß geplante Eröffnungsfeier wurde abgesagt, die Vergabe der Goldenen Löwen auf November verschoben. Statt einer Jury wird nun das Publikum über die Preisträger entscheiden. Die Entscheidung fällt erst am Ende der Biennale, die für die Fachwelt ab nächster Woche zugänglich ist. Die italienische Zeitung La Repubblica titelte: „Biennale im Chaos“.
Streit um Russland und Israel als Auslöser
Der Rücktritt erfolgte im Streit über den Umgang mit Russland und Israel. Die Jury hatte vergangene Woche beide Länder von der Preisvergabe ausgeschlossen. Hintergrund ist der Ukraine-Krieg, in dessen Folge erstmals wieder Kunst aus Russland auf der Biennale gezeigt wird. Die fünf Jury-Mitglieder unter Vorsitz der brasilianischen Kunsthistorikerin Oliveira Farks veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, ohne ihre Gründe näher zu erläutern. Nach Informationen von La Repubblica wurde die Jury zum Rücktritt gedrängt – auch mit der Drohung von Schadensersatzforderungen.
Todesfälle überschatten die Ausstellung
Die Biennale wird von zwei Todesfällen überschattet. Vergangenes Jahr starb die Kuratorin Koyo Kouoh mit 57 Jahren an Krebs. Im Februar erlag die Installationskünstlerin Henrike Naumann, die Deutschland vertreten sollte, mit 41 Jahren ebenfalls einem Krebsleiden. Der deutsche Pavillon wurde dennoch nach den Ideen Naumanns und der Deutsch-Vietnamesin Sung Tieu gestaltet. Auf dem Biennale-Gelände stehen Pavillons der verschiedenen Nationen.
Österreich-Pavillon mit Florentina Holzinger
Der Österreich-Pavillon wird heuer von der Performerin Florentina Holzinger bespielt. Holzinger ist bekannt für ihre provokativen Performances, die oft Elemente des Theaters und der bildenden Kunst verbinden. Die Biennale zählt neben der documenta in Kassel zu den wichtigsten Veranstaltungen zeitgenössischer Kunst. Die 61. Auflage geriet jedoch in die Mühlen der Weltpolitik.
Preisvergabe auf November verschoben
Die Goldenen Löwen werden heuer erst am Ende der Biennale im November vergeben. Die Entscheidung fällt nicht mehr durch eine Jury, sondern durch eine Abstimmung unter dem Publikum. Dieser Schritt ist beispiellos in der Geschichte der Biennale. Die Organisation steht vor einem Scherbenhaufen, wie es in der Kunstwelt heißt.
Offene Fragen und Ausblick
Offiziell gibt es keine Bestätigung für die Berichte, dass die Jury zum Rücktritt gedrängt wurde. Die genauen Hintergründe bleiben unklar. Die Biennale wird nun ohne die übliche Eröffnungsfeier und ohne Jury-Preise stattfinden. Ob die Publikumsabstimmung die Autorität der Biennale stärken oder schwächen wird, bleibt abzuwarten.
Das Wichtigste
- Erstmals in der Geschichte der Biennale trat die Jury geschlossen zurück, was zu einer Absage der Eröffnungsfeier und einer Verschiebung der Preisvergabe führte.
- Der Rücktritt erfolgte im Streit über den Umgang mit Russland und Israel, nachdem die Jury beide Länder von der Preisvergabe ausgeschlossen hatte.
- Die Goldenen Löwen werden im November durch eine Publikumsabstimmung vergeben, nicht mehr durch eine Jury.
- Die Biennale wird von zwei Todesfällen überschattet: Kuratorin Koyo Kouoh und Künstlerin Henrike Naumann starben an Krebs.
- Der Österreich-Pavillon wird von Florentina Holzinger bespielt, die für provokative Performances bekannt ist.
- Die genauen Gründe für den Jury-Rücktritt und mögliche Schadensersatzforderungen sind nicht offiziell bestätigt.
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