Buckelwal Timmy: Experten des Deutschen Meeresmuseums erklären Wal „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ für tot
Nach dem Verschwinden des GPS-Signals und fehlenden Sichtungen verdichten sich die Hinweise, dass der extrem geschwächte Wal den Strapazen der Rettungsaktion nicht standhielt.
AUSTRIA —
Die Fakten
- Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden.
- Über rund 60 Tage hielt er sich wiederholt in Flachwasserzonen auf, zuletzt vor der Insel Poel.
- Am 2. Mai setzte die Crew der „Fortuna B“ den Wal etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt in der Nordsee aus.
- Der GPS-Sender liefert seitdem keine Daten; das Schiff „Fortuna B“ lief am Sonntagabend gegen Mitternacht in Cuxhaven ein.
- Die Kosten der Aktion belaufen sich laut Geldgeberin Karin Walter-Mommert auf mindestens 1,5 Millionen Euro.
- Das Deutsche Meeresmuseum geht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Wal nicht mehr lebt.
- Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus duldete den Transport, kritisierte später aber fehlende Daten und ein abgesprochenes Videosystem.
Kein Lebenszeichen mehr: Das Verschwinden des Buckelwals Timmy
Am Dienstagmorng gab es weiterhin kein Lebenszeichen von Buckelwal „Timmy“. Der GPS-Sender, der die Position des Tieres hätte übermitteln sollen, schickt laut der privaten Initiative, die für den Transport verantwortlich war, keine Daten. Auch das Schiff „Fortuna B“, das den Wal in die Nordsee zog, ist vom Radar verschwunden. Wie die „Bild“ berichtet, habe sich die Position des Schiffs auf VesselFinder seit Sonntagabend um 21 Uhr nicht verändert. Tatsächlich sei es aber gegen Mitternacht in Cuxhaven eingelaufen. Die „Fortuna B“ hatte den Buckelwal bis zum Eingang der Nordsee gezogen, als der Kapitän am Samstagmorgen entschied, das Tier von der Barge ins Meer zu setzen. Anschließend sei offenbar noch in der Nacht das Trackingsignal abgeschaltet worden. Die Tierärztin Kirsten Tönnies war in Cuxhaven noch an Bord und erhob schwere Vorwürfe gegen den Kapitän und die Crew.
Der Befund des Deutschen Meeresmuseums: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit tot“
Jetzt folgt ein besonders schwerer Befund: Laut „Bild“ gehen die Experten des Deutschen Meeresmuseums davon aus, dass „Timmy“ mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr lebt. In einer Mitteilung heißt es demnach, dass der Buckelwal „in einem extrem geschwächten Zustand“ gewesen sei und sich nach früheren Strandungen nicht nachhaltig erholt habe. Nach der letzten nachweisbaren Sichtung des Buckelwals am Samstagmorgen gebe es „keine weiteren unabhängig verifizierbaren Informationen über den Aufenthaltsort und die gesundheitliche Verfassung des Tieres“. Wörtlich wird das Museum laut „Bild“ so zitiert: „Da sich der Wal in einem extrem geschwächten Zustand befand und nach früheren Rettungsversuchen innerhalb kurzer Zeit immer wieder strandete, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen und nicht mehr lebt.“ Damit verdichten sich die Hinweise, dass die Rettungsaktion möglicherweise zu spät kam – oder das Tier den Strapazen nicht mehr gewachsen war.
Die private Initiative: Geldgeber, Helfer und offene Rechnungen
Finanziert wurde das Vorhaben von der aus dem Pferdesport bekannten Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz. Die bisherigen Kosten der Aktion belaufen sich laut Walter-Mommert auf mindestens 1,5 Millionen Euro. Neben internationalen Experten aus Hawaii und Island wurden auch mehrere Schiffe eingesetzt. Ein Teil der Flotte wartete über eine Woche im Hafen von Wismar, bevor der Einsatz zuletzt beendet wurde. Fachleute renommierter Institutionen wie dem Deutschen Meeresmuseum waren nicht beteiligt, dafür unter anderem ein peruanischer Schriftsteller, Kleintierärztinnen ohne Erfahrung mit Walen und mehrere AfD-Sympathisanten. Auch der Initiator der Rettungsaktion, Jens Schulz, soll der AfD nahestehen. Es gab viel Fluktuation, immer wieder gingen sich Teammitglieder öffentlich gegenseitig an, zuletzt wurden beteiligten Schiffsunternehmen schwere Vorwürfe gemacht. Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative hinter dem Transport, sagte, der GPS-Sender liefere anders als geplant keine Ortsdaten. Damit bleibe unbekannt, ob und in welche Richtung das Tier schwimmt. Es gebe zwar Hinweise auf Vitalzeichen, wonach der Wal noch leben könnte. Daran gibt es jedoch deutliche Zweifel. Ein dänischer Meeresbiologe sagte gegenüber der „Bild“: „Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit.“
Die Rolle von Umweltminister Till Backhaus: Zwischen Tierliebe und Wahlkampf
Mitte April gab Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus überraschend bekannt: Der Versuch einer privaten Initiative für einen Transport in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee werde geduldet. Solange der Wal noch vor der Insel Poel lag, ließ sich über Bilder nachvollziehen, wie am Wal gewerkelt wurde. Die Initiative selbst informierte nur spärlich – wesentlich häufiger war es Backhaus, der Auskunft gab. Sein Engagement endete mit der Abfahrt des Transports am 28. April. Mittendrin im Spektakel stand ein SPD-Politiker, der die Wal-Rettung augenscheinlich über Wochen hinweg zur obersten Priorität seines Minister-Daseins erklärte. Mehrfach lief Backhaus selbst zum Wal, fasste das geschwächte Wildtier sogar an. Einen Termin zum Schutz von Schweinswalen in der Ostsee schwänzte er hingegen einem „Spiegel“-Bericht zufolge. Er werde den Wal bis zum Ende begleiten, betonte Backhaus mehrfach und zitierte und verteidigte die Eindrücke beteiligter Kleintierärztinnen. Am Ende zeigte sich allerdings auch er unzufrieden mit der Initiative: Vereinbarte Daten und Angaben seien bisher nicht geliefert worden. Auch ein abgesprochenes Videosystem auf dem Lastkahn mit dem Wal habe gefehlt. Backhaus' Beziehung zum Wal möge Ausdruck persönlicher Tierliebe sein, sagte der Politikwissenschaftler Arthur Benz, ehemals an der Technischen Universität Darmstadt. „Sie ist aber kein gutes Argument für irgendeine Entscheidung in seiner Funktion als Minister.“ Backhaus habe versucht, aus einer schlechten Situation das zu machen, was er für das politisch Beste hielt, glaubt der Politikwissenschaftler Kai Arzheimer von der Universität Mainz. Der Kommunikationsforscher Sven Engesser von der TU Dresden sieht taktische Überlegungen angesichts der bevorstehenden Landtagswahl als einen Grund an. Eine spektakuläre Tierrettung erzeuge starke Bilder, die Fürsorge, Verantwortungsbereitschaft, Heimatverbundenheit und staatliche Handlungsfähigkeit signalisierten.
Kritik am Ablauf: Kapitän handelte gegen Absprache
Laut Karin Walter-Mommert hatte der Kapitän der „Fortuna B“ entgegen der ursprünglichen Absprache den Wal bereits am Samstagmorgen, 2. Mai, ins offene Meer entlassen und dies mit einem Termin am 4. Mai begründet. Ob man im Nachhinein überhaupt von einer erfolgreichen Rettung sprechen könne, bleibt offen, sagte Thilo Maack von Greenpeace. Fachleute gingen ohnehin davon aus, dass der Buckelwal stark geschwächt war. Einige Mitglieder der Initiative hatten am Samstag kritisiert, die Schiffsbesatzung sei bei der Freisetzung des Wals grob vorgegangen. Die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs „Robin Hood“ sprach in einem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, allerdings von einem Erfolg. Die Freisetzung sei in Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgt, hieß es. Bereits die Bergung war gegen den Rat vieler Wissenschafter, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen erfolgt. Die Überlebenschance schätzte Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace als minimal ein. Die mehrfache Strandung gilt als klares Anzeichen dafür, dass der Wal krank war, als er die deutsche Küste erreichte.
Offene Fragen: Was bleibt vom Wal-Rettungsdrama?
Wo sich „Timmy“ aktuell aufhält, ist weiterhin völlig unklar. Der GPS-Sender liefere anders als geplant keine Ortsdaten, sagte Karin Walter-Mommert. Damit bleibe unbekannt, ob und in welche Richtung das Tier schwimmt. Es gebe zwar Hinweise auf Vitalzeichen, wonach der Wal noch leben könnte. Daran gibt es jedoch deutliche Zweifel. Ein dänischer Meeresbiologe sagte gegenüber der „Bild“: „Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit.“ Auch der Zustand des Tieres gibt Anlass zur Sorge. Laut Experten würde ein bereits sterbender oder ertrinkender Wal keine verwertbaren Positionsdaten mehr liefern. Nur mit Trackingdaten und damit dem jeweiligen Aufenthaltsort des Wals ließe sich transparent machen, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt hat, sagte Greenpeace-Experte Maack am Samstag. Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden. Über rund 60 Tage hinweg hielt er sich wiederholt in Flachwasserzonen auf, zuletzt vor der Insel Poel. Als der rund zwölf Meter lange Buckelwal vor der Ostsee-Insel Poel zum mindestens vierten Mal in einer Flachwasserzone liegenblieb, wurde nach einem Gutachten dazu geraten, das geschwächte Tier in Ruhe zu lassen und keine weiteren Bergungs- oder Motivierungsversuche zu unternehmen.
Ein Rettungsmärchen ohne Happy End: Die Lehren aus dem Fall Timmy
Viele Wochen fieberten etliche Menschen mit dem Schicksal des mehrfach an Ostseeküsten gestrandeten Buckelwals mit. Doch das vermeintliche Rettungsmärchen endete – zumindest vorerst – mit Ungewissheit und hässlichen Anschuldigungen. Bilder von der Freisetzung des schwer geschwächten Walbullen gibt es nicht. Ob er noch lebt, in welchem Zustand und wo – alles völlig unklar. Und das womöglich für immer, sollte das oft „Timmy“ oder „Hope“ genannte Tier nicht noch einmal stranden oder doch noch die bislang fehlenden GPS-Ortsdaten auftauchen. Deutschland, tief gespalten – nicht wegen Migration oder Nahostkonflikt, sondern einem kranken Wal. Experten fordern Ruhe für ihn. Stattdessen gab es wochenlangen Rummel und ein unrühmliches Ende. Bei Themen wie dem Nahostkonflikt gibt es durchaus mal verschiedene Ansichten unter den ausgewiesenen Experten. Und beim Wal? Gar nicht. Die mehrfache Strandung gilt als klares Anzeichen dafür, dass der Wal krank war, als er die deutsche Küste erreichte. Kaum abzuschätzen ist, ob tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt von einer „Rettung“ gesprochen werden kann. Die Kosten von mindestens 1,5 Millionen Euro, der Einsatz internationaler Experten und mehrerer Schiffe – all dies steht nun in keinem Verhältnis zu dem, was am Ende bleibt: ein toter Wal, eine gespaltene Öffentlichkeit und viele offene Fragen.
Das Wichtigste
- Das Deutsche Meeresmuseum geht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Wal tot ist, da er extrem geschwächt war und sich nach früheren Strandungen nicht erholt hatte.
- Der GPS-Sender liefert seit der Freisetzung am 2. Mai keine Daten; ein dänischer Meeresbiologe bezweifelt, dass ein solcher Sender Vitaldaten übermitteln kann.
- Die private Initiative unter der Leitung von Karin Walter-Mommert und Walter Gunz kostete mindestens 1,5 Millionen Euro und wurde von Experten und Tierschutzorganisationen kritisiert.
- Umweltminister Till Backhaus duldete den Transport, geriet aber in die Kritik, weil er Termine zum Schutz von Schweinswalen vernachlässigte und das geschwächte Tier anfasste.
- Der Kapitän der „Fortuna B“ setzte den Wal entgegen der Absprache bereits am Samstagmorgen frei, was zu schweren Vorwürfen seitens der Tierärztin Kirsten Tönnies führte.
- Bereits die Bergung erfolgte gegen den Rat von Wissenschaftlern und Tierschutzorganisationen; die mehrfache Strandung galt als Zeichen für eine schwere Erkrankung des Wals.







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