Lifestyle

Zwanzig Jahre später: Miranda Priestly hängt ihren Mantel selbst auf

Die Fortsetzung „Der Teufel trägt Prada 2“ zeigt eine radikal veränderte Medienwelt, in der selbst die mächtigste Chefredakteurin ums Überleben kämpft.

4 min
Zwanzig Jahre später: Miranda Priestly hängt ihren Mantel selbst auf
Die Fortsetzung „Der Teufel trägt Prada 2“ zeigt eine radikal veränderte Medienwelt, in der selbst die mächtigste ChefreCredit · ORF

Die Fakten

  • Der Film spielt 20 Jahre nach dem Original in einer veränderten Medien- und Modewelt.
  • Miranda Priestly (Meryl Streep) muss ihren Mantel selbst aufhängen und darf Untergebene nicht mehr erniedrigen.
  • Andy Sachs (Anne Hathaway) erhält per SMS die Kündigung, Sekunden bevor sie einen Reportagepreis entgegennimmt.
  • Emily (Emily Blunt) arbeitet bei Dior im Einzelhandel und ist mit Tech-Milliardär Benji Barnes (Justin Theroux) liiert.
  • Anna Wintour wirkte am Marketing mit, bis hin zu einem gemeinsamen Vogue-Cover mit Streep.
  • Lady Gaga tritt als sie selbst bei der Milano Fashion Week auf; Lucy Liu und Simone Ashley haben Nebenrollen.
  • Kostüme stammen von Molly Rogers, mit Looks von Donatella Versace, Dolce & Gabbana und anderen.

Eine Branche im Umbruch

Auf nichts ist Verlass. Was vor ein paar Jahren noch High Fashion war, verkaufen fliegende Händler am Central Park. Wo früher das Frühjahrsmodeshooting zu Fernreisen führte, reichen jetzt ein paar Nachmittage im Fotostudio. Und Miranda Priestly, einst die mächtigste Frau der Modebranche als Chefredakteurin von „Runway“, muss neuerdings ihren Mantel im Büro selbst aufhängen – und darf nicht einmal mehr ihre Untergebenen erniedrigen. Die Werbeetats sind im Keller. Die Zeitschrift ist vom Wohlwollen der Modehäuser abhängig, nicht umgekehrt. Seit einer fehlerhaften Recherche kämpft „Runway“ zudem mit einem Shitstorm. In dieser angespannten Lage bekommt Andy Sachs, Mirandas einstige Assistentin und inzwischen hochdekorierte Journalistin, per SMS die Kündigung von ihrer Zeitung – nur Sekunden, bevor sie den nächsten Reportagepreis entgegennimmt.

Realität und Fiktion verschwimmen

Der Film spielt zwanzig Jahre nach dem ersten Teil und zeichnet eine radikal veränderte Medien- und Fashionwelt, die der Wirklichkeit in vielen Details ähnelt. Drehbuchautorin Alina Brosh McKenna verankert die Geschichte nicht mehr in einer realen Vorlage, sondern in der Brutalität des Jobverlusts und einer Medienbranche, die ohne Anzeigenkunden nichts ist. Der Teufel trägt nicht mehr Prada, sondern teure Funktionskleidung – Rentabilität zählt, nicht Respekt vor Schönheit. Die Fortsetzung fasst die Figur der Magazinchefin sanfter an und erzählt teils aus ihrer Perspektive. Anna Wintour, für die der erste Film einen Imageschaden bedeutete, hat sich inzwischen mit ihrer Filmversion angefreundet – wohl aus Notwendigkeit, weil sich die Machtverhältnisse verschoben haben. Bei der Bewerbung der Fortsetzung war sie mit an Bord, bis hin zu einem gemeinsamen „Vogue“-Cover mit Meryl Streep.

Alte Bekannte und neue Gesichter

Emily, Andys einstige Kollegin, arbeitet inzwischen bei Dior im Einzelhandel, hat den Traum vom Job bei „Runway“ aber nie aufgegeben. Sie ist mit dem Tech-Milliardär Benji Barnes liiert, unschwer als Karikatur von Amazon-Gründer Jeff Bezos identifizierbar. Um ihn kursierten Gerüchte, er wolle seiner Verlobten Laura Sanchez-Bezos den „Vogue“-Mutterkonzern Conde Nast zum Geschenk machen. Lady Gaga tritt bei der Milano Fashion Week als sie selbst auf. Lucy Liu spielt eine entscheidende, geheimnisvolle Nebenrolle. „Bridgerton“-Star Simone Ashley ist die neue fiese erste Assistentin von Miranda. Und Nigel Kipling (Stanley Tucci) ist wieder dabei, als warmherziges Gegenüber für Andy.

Zwischen Gegenwartskritik und Eskapismus

Der Film spart die Macht von Social-Media-Plattformen, Algorithmen und Influencern großräumig aus, was als irritierender Anachronismus wirkt. Andere Aspekte sind konkret wiedererkennbar, wie das Branchenmagazin „Variety“ vor Filmstart aufdröselte. Kostümdesignerin Molly Rogers schuf straßen- und freizeittaugliche Looks, glamouröse Abendroben und klassische Business-Outfits. Die Designer treten in Cameo-Auftritten auf – von Donatella Versace über Domenico Dolce und Stefano Gabbana bis zu vielen anderen. Nicht alles am Film ist handwerklich solide. Ein zahmer Flirt bleibt ein verzichtbares Accessoire. Auch die Auflösung der zentralen Intrige ist nicht gut ausgedacht.

Ein Sequel mit nostalgischem Gewinn

Das Team von damals kam für die Neuauflage zusammen – mit einem profitablen Maß an Nostalgie, die als Gegengewicht mehr Mut vertragen hätte. Der Film ist eine Gratwanderung zwischen Gegenwartskritik und eskapistischem Schwelgen in Mode. Die applaudierenden Kollegen im Film kennen das Gefühl, wenn Arbeit intern wertgeschätzt wird, aber Sparvorgaben und Klickraten mehr zählen als journalistische Integrität. Nach diesem Realitätscheck wird der Film wieder märchenhaft: Die Lösung kommt per telefonischem Auftrag – Andy soll mit ihrer journalistischen Expertise das „Runway“-Image aufmöbeln. Ob das gelingt, bleibt offen. Die Fortsetzung zeigt eine Branche, die sich radikal gewandelt hat, und Figuren, die sich anpassen müssen – oder untergehen.

Das Wichtigste

  • „Der Teufel trägt Prada 2“ spielt 20 Jahre später und zeigt eine Medienwelt, in der Werbeeinnahmen und Klickraten über journalistische Integrität siegen.
  • Miranda Priestly hat an Macht verloren – sie muss ihren Mantel selbst aufhängen und darf Untergebene nicht mehr schikanieren.
  • Andy Sachs verliert ihren Job als Journalistin, wird aber beauftragt, das Image von „Runway“ zu retten.
  • Anna Wintour hat sich mit ihrer Filmversion versöhnt und warb für das Sequel, inklusive Vogue-Cover mit Meryl Streep.
  • Der Film verzichtet weitgehend auf Social-Media-Kritik, was als Anachronismus auffällt, während andere Details sehr realitätsnah sind.
  • Die Handlung bleibt teilweise märchenhaft und die Auflösung der Intrige ist schwach, doch die Kostüme und Cameo-Auftritte bieten Glanz.
Galerie
Zwanzig Jahre später: Miranda Priestly hängt ihren Mantel selbst auf — image 1Zwanzig Jahre später: Miranda Priestly hängt ihren Mantel selbst auf — image 2Zwanzig Jahre später: Miranda Priestly hängt ihren Mantel selbst auf — image 3Zwanzig Jahre später: Miranda Priestly hängt ihren Mantel selbst auf — image 4Zwanzig Jahre später: Miranda Priestly hängt ihren Mantel selbst auf — image 5Zwanzig Jahre später: Miranda Priestly hängt ihren Mantel selbst auf — image 6
Mehr dazu